Buchvorstellung: Wie ich aufhörte, meine Kinder anzuschreien – und wie Sie das auch schaffen.

Weniger Schreien – mehr lieben

„Ich könnte echt ausrasten!“
„Gleich kannst du was erleben!“
„Du treibst mich noch in den Wahnsinn.“
„Ich dreh gleich durch, wenn ihr nicht endlich aufhört!“
„Wie sieht’s denn hier aus.“
„Du bist heute unausstehlich!“„Hört sofort damit auf!“
„Es reicht!!!“

Viele Eltern tun es Alltag immer wieder – schimpfen, zetern, meckern, – obwohl sie sich damit nicht wohlfühlen und gerne anders mit ihrem Kind reden wollen. Ihre Wutreaktionen in den Griff bekommen wollen. Zeigen wollen, wie sehr sie ihre Kinder lieben, auch im Streit.
Doch ihnen fehlen Handlungsalternativen zum Schimpfen und so reagieren sie unter Stress mit den alten Mustern.

Doch es geht auch anders. Wenn wir es wollen, können wir viele dieser Schreifallen umgehen.
Wie geht das? Wir ersetzen Schritt für Schritt Verhaltensweisen und Gedankenmuster, die zum Schreien führen, durch Strategien, die uns erlauben, einfühlsam zu reagieren. Das geht nicht von heute auf morgen, denn die anerzogenen Verhaltensmuster wirken stark in uns.

Dabei brauchen wir Geduld – und ein paar Helfer. Drei Bücher wollen diese Helfer sein. Ich stelle euch die Bücher in den nächsten Tagen hier im Blog vor. Alle haben sie das Ziel, die Wutreaktionen von Eltern in ein Verhalten zu wandeln, was der Beziehung von Eltern und Kind dient.
Als erstes stelle ich ein Buch von einer Mutter vor, die nicht mehr schreien wollte:

Schreie weniger – liebe mehr!

Die Amerikanerin Sheila MCCraith, Mutter von 4 Söhnen unter 6 Jahren, hatte ein Erlebnis, das ihr so peinlich war, das sie ab sofort ihre Kinder nicht mehr anschreien wollte. Während sie nicht ahnte, dass noch Handwerker in ihrem Haus waren, rastete sie, wie schon so oft zuvor, in einer alltäglichen Stresssituation aus.

Sie schrieb darüber:“Ja, der Mamavulkan war mal wieder ausgebrochen. Mit schriller Stimme brüllte ich, so laut ich konnte: ‚Hört sofort auf, Mama braucht nur eine Minute Ruhe, um wieder runterzukommen. Bitte. Nur. Eine. Verdammte. Minute.’“

In der nachfolgenden Stille hörte sie plötzlich ein Geräuch, welches nicht von ihren Kindern kam. Und dann sah sie den Handwerker, der noch mal unerwartet gekommen war, um etwas zu erledigen. Der Handwerker quittierte ihr Brüllen mit einem Grinsen und der Bemerkung: „Du bist hier der Boss. Eine Mutter muß eben tun, was eine Mutter tun muss.“

Sheila MCCraith schämte sich fürchterlich und fragte sich, wie es soweit hatte kommen können. Sie dachte darüber nach und merkte, dass sie es durchaus schaffte, ihre Kinder nicht anzuschreien, wenn andere Menschen in der Nähe waren. Sie stellte fest, dass ihre Selbstkontrolle nachließ, sobald sie mit ihren Jungs alleine war. Ihr wurde klar, dass ihre Kinder diesselbe Fürsorge verdienen, wenn sie mit ihnen alleine war.

„Die Meinung meiner Kinder zählt doch viel mehr als die eines Fremden. Punkt. Meine Kinder sollten mich nicht als schreiende, wütende, gemeine, schreckliche Mutter in Erinnerung behalten.“

Die „Ich-schrei-nicht-mehr-Challenge“

Dieser Tag war der Auslöser für ihre Challenge. Sie verkündete am nächsten Morgen ihrer Familie, dass sie ab jetzt für ein Jahr nicht schreien würde. Falls sie doch schrie, würde die Challenge wieder von vorne beginnen – bis sie es geschafft hätte.
In einem Blog erzählte sie von ihren Erfolgen und Misserfolgen und war erstaunt, wieviel Zuspruch der Blog erhielt. Schreien und unkontrollierte Wutausbrüche von Eltern ist ein Riesenthema, das sah sie dadurch.

Das Buch ist die Essenz ihrer Challenge, unterteilt in ein 30 Tage-Nicht-Schrei-Programm. Sie erzählt durchaus unterhaltsam und sehr offen, wie es ihr dabei erging. und was sie für Strategien wählte, um ihre Kinder nicht mehr anzuschreien. Dass es z.B. besser ist, im Notfall in die Kloschüssel zu schreien, vorrausgesetzt, es wurde vorher ordentlich gespült. Als Symbol für ihre Challenge wählte sie das Rhinozeros in orange, weil sie diese Farbe liebte, also nannte sie ihre Challenge „Orange-Rhino-Challenge.“

Ihre besten Tipps zum Ruhigbleiben:

  • Erzähle anderen von deinem Vorsatz, nicht mehr zu schreien und bitte sie, dich zu unterstützen.
  • Singe laut ein Lied, lasse so deine Gefühle heraus.
  • Mache Liegestützen, wenn du schreien willst. Sport baut Adrenalin ab.
  • Lasse dein Handy alle 30 Minuten sagen: „Du willst ruhig bleiben.“
  • Stelle an konfliktträchtigen Orten Babybilder deiner Kinder auf. Das erinnert dich daran, wie zerbrechlich sie sind.
  • Klatsche in die Hände. So baust du Stress ab. Manchmal machen die Kinder mit.
  • Suche dir ein unbelebtes Objekt, was du anschreien kannst, wenn es nicht mehr auszuhalten ist, zum Beispiel einen Stuhl, den Schrank oder eben die Kloschüssel. Das ist so absurd, dass die Situation unterbrochen wird und die Kinder erstaunt sind.
  • Finde deine Trigger heraus, damit du in Zukunft rechtzeitig entgegensteuern kannst.
  • Zerknülle Zeitungspapier
  • Rede Kauderwelsch statt zu schreien. Das bringt die Kinder zum Lachen und löst die Situation.
  • Zähle und atme. Bis du dich beruhigt hast.
  • Verlasse den Raum, bevor du schreist.
  • Sage deine Kind, wie alt es ist. Um dich daran zu erinnern, dass es eben erst vier ist. Es lernt noch soviel.
  • Schüttel deinen Körper aus. Die Arme und die Beine. Schüttel den Schrei weg.
  • Laufe auf der Stelle, um den Körper in Bewegung zu bringen.
  • Erfinde ein Mantra, was dich an deinen Vorsatz, nicht zu schreien, erinnert.
  • Knuddle dein Kind. Kuscheln statt kreischen.
  • Pfeiffe, um dich auf deine Atmung zu konzentrieren.
  • Bevor du die Geduld verlierst, nimm den Fernseher zur Hilfe.
  • Trommel auf die Brust wie ein Gorilla und bleibe dabei ernst.
  • Weine. Zeige deine Gefühle.

Es ist ihre eigene Geschichte – und deswegen so glaubhaft.

Sheila MCCraith betrachtet das Schreien von Eltern nicht aus tiefenpsychologischer oder pädagogischer Sicht. Ihr Buch hat keinen theoretischen Überbau. Es ist ihr ganz eigener Weg, den sie beschreibt. Aber während dieses Weges hat sie sich mit vielen Fragen beschäftigt, die sie berührten:

Warum schreie ich?
Woher kommt das?
Wie ist das für meine Kinder?
Welche Methoden gibt es, die meine Spannungszustände mindern können?

Als Mutter von vier kleinen Kindern gab es für sie täglich genug Situationen, die sie an ihre Grenzen brachten. Sie erzählt vom alltäglichen Durcheinander, dass so oft zum Ausrasten führte. Die Kinder mit ihren liebenswerten Eigenheiten wuchsen mir beim Lesen ans Herz, denn sie werden so lebendig geschildert.
Die Liebe zu ihren Kindern ist ihre Motivation. Denn, das wurde ihr klar, Liebe spüren Kinder durch Handlungen. Anschreien verhindert das Fließen der Liebe.
Das Buch ist so kurzweilig geschrieben, dass es selbst im lebhaften Alltag mit kleinen Kindern leicht zu lesen ist.
Leider wurde der treffendere amerikanische Buchtitel für die deutschen Leserinnen mal wieder vermurkst. Ohne das Wort „Erziehen“ kommt es hierzulande anscheinend nicht aus. Wenn du dich nicht an dem blöden Titel störst und Inspirationen suchst, um deine Wutreaktionen zu ändern, dann ist das Buch richtig. Unterhaltsam ist es allemal und das kann ich nur von wenigen Elternbüchern sagen.

Erziehen ohne Auszurasten – Wie ich aufhörte, meine Kinder anzuschreien – und wie Sie das auch schaffen.
Sheila MCCraith
Trias Verlag

In den nächsten Artikeln stelle ich weitere Bücher zu dem Thema Schreien vor. Wenn du dich in unseren Newsletter einträgst, informieren wir dich, wenn die Artikel online sind.

 

Wenn du auch noch eigene Tipps für den Umgang mit Wut hast, dann schreibe sie doch hier als Kommentar. Ich freue mich darüber.

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