Was du tun kannst, um einen Konflikt mit deinem Kind ohne Strafen zu lösen

Alternativen zu Strafen und Konsequenzen

In meinem Artikel Logische Konsequenzen sind auch nur Strafen habe ich erläutert, warum sogenannte logische Konsequenzen nur ein anderer Name für Strafen sind. Sie dienen nicht der Beziehung zwischen dir und deinem Kind, sondern werden oft aus Hilflosigkeit angewandt. Eine echte logische Folge tritt ohne zusätzliche Handlung von anderen auf. Tauche ich meine bloße Hand in kaltes Wasser, wird die Hand nass. Das ist eine unmittelbare, zwangsläufige Folge.

Wenn mein Kind seine Spielsachen nicht aufräumt, und ich würde sie dann für eine Woche wegräumen, ist das keine Konsequenz oder logische Folge. Es ist eine Strafe. Ohne meine Handlung würden die Spielsachen da bleiben wo sie sind.
Strafen erniedrigen das Kind und erschweren die Beziehung. Sie sind schnell ausgesprochen, und deswegen sind sie so beliebt. Es ist der scheinbar einfache Weg zum Ziel, den Konflikt zu lösen. Vielen Eltern fehlt das Wissen über einen anderen Weg, einen liebevollen Weg ohne elterlichen Machtmissbrauch und Strafe, in dem das Kind freiwillig kooperiert.

Wenn du mit deinen Kindern eine Beziehung auf Augenhöhe leben willst, dann zeige ich dir diesen Weg, der eure Beziehung bereichert, der aber, vor allem anfangs von dir Selbstreflexion einfordert. Denn wenn du alte Gedankenmuster verlässt, ist es notwendig, dass du sie erstmal erkennst.

Du kannst mit deinem Kind weitestgehend im Einklang mit deinen Bedürfnissen leben. Dafür ist es nicht notwendig, sogenannte logische Konsequenzen zum Prinzip zu erheben.

Das Beharren auf Konsequenzen missachtet nicht nur die Bedürfnisse deines Kindes, sondern auch deine eigenen. Du hast in ähnlichen Situationen nicht immer dasselbe Bedürfnis. An einem Tag kommst du müde nach Hause, weil du den ganzen Tag unterwegs warst und die Kinderliedermusik, die durch die Wohnung schallt, ist dir zu laut. An einem anderen Tag bist du ausgeschlafen und schwungvoll und tanzt mit deinen Kindern zur Musik durch die Wohnung.
Eine starre Regel zur Lautstärke der Musik würde weder deinen noch den jeweiligen Bedürfnissen deines Kindes entsprechen.
Wie aber können wir einen anderen Weg mit unseren Kindern gehen, ohne in ein Laisser Faire zu verfallen? Denn es geht nicht darum, nun zu allem ja zu sagen. Gerade das ist es nicht. Annehmen und verstehen bedeutet nicht gewährenlassen.

Bringt dich ein Verhalten meines Kindes in Konflikt mit deinen Werten und Bedürfnissen bringt und möchtest es in gegenseitigem Respekt und auf Augenhöhe lösen, hilft dir folgendes:

Veränderungen brauchen Zeit.
Sei geduldig und liebevoll mit dir selbst in diesem Prozess. Manchmal wirst du dabei wunderbare beglückende Erlebnisse mit deinem Kind haben, die dich total motivieren werden. Aber du wirst auch mal stolpern und in alte Muster verfallen.

Willst du dich von alten Mustern lösen, ist es notwendig, diese erlernten Muster erstmal zu erkennen. Im Konflikt schießen Sätze aus uns heraus, über die wir uns manchmal selbst erschrocken. Viele dieser Sätze sind Botschaften aus unserer eigenen Kindheit, die in Stresssituationen Oberhand gewinnen. Sie sind abrufbereit da. Mach sie dir bewusst, spüre nach, woher sie kommen und an was sie dich erinnern.

„Man spielt nicht mit Essen.“

„Du sollst nicht so rumkleckern, hab ich gesagt.“

„Hör auf mit dem Krach.“

Wie läufst du denn rum. Zieh dir mal was ordentliches an.“

„Kannst du nicht einmal zuhören, wenn ich dir was sage?“

„Wie sieht’s denn hier aus? Räum jetzt sofort dein Zimmer auf.“

„Trödel nicht so rum.“

Die Liste könnte ich wahrscheinlich noch endlos weiterführen. Welche Sätze kennst du noch? Und welche sagst du vielleicht selber manchmal?

Weißt du noch, wie du dich als Kind gefühlt hast, wenn du so was gehört hast? Höchstwahrscheinlich wenig motiviert, dein Verhalten zu ändern.
Vielleicht hattest du dein Verhalten geändert, weil du Angst hattest, aber selten aus Einsicht. Oder du hast rebelliert, weil du dir nichts vorschreiben lassen wolltest. Vermutlich aber hast du dich gemaßregelt, kleingemacht und kritisiert gefühlt. Kinder reagieren da nicht anders als Erwachsene, mit denen man so reden würde.

Dabei, und das ist wirklich wichtig sich zu vergegenwärtigen, hat nicht das Kind bei den oben genannten Beispielen ein Problem, sondern der Erwachsene hat das Problem.

Das Kind verhält sich einfach nur, weder gut noch schlecht, auf seine ihm gerade zur Verfügung stehende Weise und tut dies, um ein Bedürfnis zu befriedigen.
Gibt es einen Konflikt mit deinem Kind, dann überlege kurz, wer gerade eigentlich das Problem hat, also den Problembesitz zu klären ( siehe Thomas Gordon, Die Familienkonferenz ).

Wenn es gerade in dir kocht, versuche deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem zu lenken, um etwas zur Ruhe zu kommen. Nimm dir die Zeit bewusst und stelle dir die Frage, wer gerade eigentlich gerade ein Problem hat, bevor du reagierst. Wenn du ein Problem mit einem Verhalten deines Kindes hast, deutet das unerfüllte Bedürfnisse von dir hin.

Erst wenn dir klar ist, was du brauchst, kannst du mit deinem Kind so reden, dass das, was dir wichtig ist, beim Kind ankommt.

„Man spielt nicht mit Essen.“ (Ich bin wütend, wenn ich sehe, dass das Essen, für dessen Vorbereitung ich 1 Stunde brauchte, auf der Tischdecke verteilt wird.)
„Du sollst nicht so rumkleckern, hab ich gesagt.“ (Ich möchte die Kleidung nicht nach dem Essen wechseln müssen.)

„Hör auf mit dem Krach.“ (Ich brauche gerade Ruhe.)

Wie läufst du denn rum. Zieh dir mal was ordentliches an.“ (Ich habe Angst, das die Nachbarn mich nicht als Mutter sehen, die sich gut um ihre Kinder kümmert, wenn die mit Hosen herumläufst, in denen Löcher sind.)

„Kannst du nicht einmal zuhören, wenn ich dir was sage?“ (Ich fühle mich hilflos, wenn du dich abwendest, während ich etwas zu dir sage. Ich brauche Zusammenarbeit.)
„Wie sieht’s denn hier aus? Räum jetzt sofort dein Zimmer auf.“ (Hier liegen mehrere Wäschestücke und benutztes Geschirr auf dem Boden. Ich brauche Ordnung und Struktur, um die Wäsche in deinem Zimmer sortieren zu können.)

„Trödel nicht so rum.“ (Ich habe in einer halben Stunde einen Termin und mir ist Zusammenarbeit wichtig, damit ich pünktlich mit dir da bin.)

So ist viel klarer, um was es bei dem Konflikt eigentlich geht und was hinter der Du-Botschaft steht.
Deswegen ist der erste Schritt in einem Konflikt: Nimm mit dir Kontakt auf, was ist gerade bei dir los?
Wo im Körper fühlst du Anspannungen?
Was sind deine Gefühle und deine Bedürfnisse?
Jetzt kannst du ganz anders mit deinem Kind reden, weil du klar geworden bist. Kinder brauchen klare Eltern. Wenn du bei dir bleibst, dann empfindet dein Gegenüber deine Worte nicht als Angriff oder Bewertung seines Verhaltens.

In manchen Situationen ist es schwierig, die Ruhe für Selbsteinfühlung zu finden, wie zum Beispiel beim Einkaufen.
Viele dieser Situationen treten aber regelmäßig auf. Du kannst solche Situationen vorbereiten, indem du deinen Kindern sagst, was ihr genau vorhabt und was du beim Einkauf von ihnen brauchst (Zusammenarbeit) und was du dir von ihnen wünschst, so konkret wie möglich. „Könnt ihr mir beim Einkauf die Sachen in den Wagen heben?“
Frage auch deine Kinder, was sie beim Einkaufen brauchen? Wollen sie auch was für sich aussuchen? Wenn ihr das vorher zusammen besprecht, minimiert das die Konflikte beim Einkaufen enorm.

Wenn du in einem Konflikt herausgefunden hast, was deiner Gefühle und Bedürfnisse sind und das deinem Kind mitteilst und mit einer Bitte an dein Kind abschließt, kann es sein, dass dein Kind wunderbar kooperiert. Es dreht zum Beispiel die Musik leiser oder legt sein Spielzeug beiseite, um sich anzuziehen und mit dir zu deinem Termin zu fahren.

Aber nicht immer….

Kinder sind schließlich keine Maschinen, die auf Knopfdruck funktionieren, sondern vollwertige Menschen mit eigenen Gefühlen und Bedürfnissen. Und manches ist ihnen eben auch besonders wichtig, weil sie sich damit ein wichtiges Bedürfnis erfüllen. Deswegen kooperiert es gerade nicht. Kommt dein Kind deiner Bitte nicht nach, dann insistiere nicht sondern akzeptiere sein Nein. Höre ihm zu. Wofür tut es das, was es gerade tut? Durch einfühlsames Zuhören schaffst du eine Verbindung, die es euch ermöglichst, eine Lösung zu finden.

Nimm dir Zeit zu erkennen, worum es deinem Kind geht. Manches löst sich schon auf, wenn du dich in dein Kind einfühlst. Du siehst es dann nicht mehr als Gegner, sondern als einen Menschen, der einen Grund hat für sein Verhalten. Und dieser Grund ist nicht, dich zu ärgern, sondern es will für sich selbst sorgen.

Wie in dem Beispiel:

“Ich habe in einer halben Stunde einen Termin und habe Angst zu spät zu kommen. Mir ist Pünktlichkeit wichtig. Kannst du dich bitte anziehen.”

“Nö!”  Kind spielt weiter.

Die klassische Version wäre:

  • Drohen (“Wenn du jetzt dich nicht endlich anziehst, gehen wir nachher nicht mehr zum Eisladen.”)
  • Wegnehmen der Sachen, mit denen das Kind gerade spielt.
  • Das Kind gewaltsam mitnehmen.

In allen drei Fällen wird dein Kind ziemlich sicher weinen oder wütend werden. Du wirst gestresst bei deinem Termin ankommen. Höchstwahrscheinlich viel zu spät, weil dein Kind unterwegs nicht kooperiert hat. Ihr werdet beide völlig fertig sein.

Die klassische Version kostet unglaublich viel Kraft auf beiden Seiten und geht deswegen selten schneller.

Deswegen: Sich die Zeit zu nehmen, deinem Kind zuzuhören ist der entspanntere Weg. Steige aus der Aggressionsspirale aus, die sich schnell hochschaukelt. Schaue genau hin: Womit beschäftigt sich dein Kind gerade? Was hindert es, deiner Bitte nachzukommen?
„Bist du traurig, weil ich dich gerade beim Spielen unterbrochen habe?“
„Möchtest du noch dein Lego-Haus fertig bauen?“
„Willst du selber bestimmen, wann du dein Spiel beendest?“
„Brauchst du heute Hilfe beim Anziehen? Bist du noch müde? Womit kann ich dich unterstützen?
Dein Kind wird durch seine Antworten zeigen, was es braucht, bevor es kooperieren kann. So könnt ihr gemeinsam eine Lösung suchen.

Und noch etwas anderes Wunderbares passiert, wenn du dich in dein Kind einfühlst. Du verlässt die Ebene des Kampfes und siehst dein Kind als das, was es ist: Ein Kind, mit Gefühlen und Bedürfnissen, die nicht gegen dich gehen, sondern für es selbst.

In ihrem Buch Yell less – Love more beschreibt Sheila Mccraith ihre Kurzformel

All you need is L.O.V.E., um in eine postive Verbindung mit ihrem Kind zu kommen, wenn es schwierig wird.

L: Listen, also zuhören
O: Observe, also beobachen, genau beschreiben, was gerade vor sich geht, ohne zu   bewerten
V: Verify, also nachfragen
E: Empathize, sich einfühlen

Es ist selbst für mich nach so vielen Jahren immer wieder erstaunlich, wie viele Konflikte sich alleine durch zugewandtes empathisches Zuhören auflösen. Denn durch das Zuhören wird eine Verbindung hergestellt, die vorher gefehlt hat. Das schafft auf beiden Seiten Kooperationsbereitschaft.

Manche Glaubensmuster sind destruktiv

Überlege auch, wo deine Glaubensmuster herkommen. Woher kommt der Druck, unter den du dich selber setzt, wenn du den (vermuteten ) Anforderungen anderer entsprechen willst? Was spielte das in deiner Kindheit für eine Rolle?
Ist es wirklich wichtig, was deine Nachbarn denken. Ist es nicht viel wichtiger, dass du mit deinem Kind entspannt bist?

Mit Essen spielt man nicht ist auch ein Glaubenmuster, das für viel unnötigen Stress sorgt. Alle Kinder spielen in einem bestimmten Alter mit ihrem Essen herum. Sie erforschen, tasten, probieren, manschen, werfen und probieren alles, was man mit Essen so machen kann.

Das ist Teil ihrer Entwicklung und hört irgendwann von alleine auf. Egal, ob du deinem Kind den Teller wegnimmst, wenn es ausprobiert oder ob du es lässt: Es wird damit aufhören. Du musst dein Kind nicht dazu erziehen. Meine ältere Tochter hat es geliebt, als Einjährige mit Margarine zu experimentieren. Heute ist es eine Erinnerung, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Wir hatten ihr eine eigene Margarine zum Manschen gekauft und sie damit in die Dusche gesetzt. Sie hatte sich am ganzen Körper eingeschmiert und vor Freude gequietscht. Danach war das Thema Margarine übrigens durch. Schon sehr lange kann ich mit ihr in jedes Restaurant gehen.

Dein Verhalten beeinflusst vor allem, wie ihr diese Zeit verbringt. Ist es eine Zeit, herauszufinden, was Essen noch so alles kann? Oder ist es eine Zeit, in der du von der „Sauerei“ gestresst bist und Tischmanieren vom Kleinkind einforderst?

 

 

Die wichtigsten Tipps, um nicht in Strafdenken zu verfallen:

  1. Entwicklung
    Manche Konflikte lösen sich einfach durch die Zeit und das, was da hilft, ist Gelassenheit. Dein Kind ist noch klein, hat soviel zu lernen und zu erforschen. Dafür braucht es gelassene Eltern. Das betrifft besonders die Themen Essen, Anziehen, Ordnung und Zeitgefühl.
  2. Zeit
    Nimm dir Zeit, wenn ihr einen Konflikt habt. Konflikte lassen sich nicht mal eben auf die Schnelle lösen. Druck erzeugt Gegendruck. Manchmal entspannt sich die Situation, wenn du den Druck raus nimmst, dass es jetzt sofort sein muss.
  3. Und noch mal Zeit
    Manchmal könnt ihr erst eine Lösung finden oder aufeinander zugehen, wenn ihr etwas runtergekommen seid. Wenn der Körper sich noch im Alarmzustand befindet, kann der Geist noch keine Lösung finden. Das gilt für dich so wie für dein Kind. Versuche daher nicht krampfhaft sofort den Konflikt zu besprechen. Manchmal ist es besser, später darüber zu sprechen, wenn sich die heftigen Gefühle beruhigt haben. Kann auch sein, dass du merkst, dass das alles gar nicht so wichtig war.
  4. Klar sein
    Kinder brauchen klare Eltern. Damit sind nicht Eltern gemeint, die immer vorgeben, wo es langgeht, sondern Eltern, die ihre eigenen Bedürfnisse kennen und für sich sorgen. Klare Eltern benutzen keine Worte wie „eigentlich“, „aber“ oder „vielleicht“ und andere Worte, die die eigenen Wünsche tarnen. Sie sagen klar, was ihr Anliegen ist. Dann kann das Kind auch entsprechend reagieren. Schwammige Aussagen wie „Eigentlich wollte ich jetzt losgehen“ verwirren das Kind. Will die Mutter nun oder will sie nicht?
  5. Flexibel bleiben
    Klar sein und flexibel sein ist kein Widerspruch. Flexibel bedeutet, dass ich frei bin, in ähnlichen Situationen auch unterschiedlich reagieren zu können. Frei vom Zwang, bestimmte Rituale durchführen zu müssen. Rituale sind hilfreich im Familienalltag. Solange sie nicht zum Gefängnis werden, mögen Kinder sie auch. Aber an manchen Tagen erfordert die Situation eben etwas anderes. Das bedeutet nicht den Tod des Rituals, nur eine kurze Pause. Denn das Ritual dient euch und nicht ihr dem Ritual. Ein nach einem langen Ausflug übermüdetes Kind noch zum kompletten Badezimmerprogramm bringen zu wollen, lässt einen schönen Tag mit Schreien enden. Findet für den Tag eine andere Lösung.
  6. Authentisch sein
    Was ist eine gute Mutter oder ein guter Vater? Wir alle haben Bilder im Kopf, an die wir uns gerne annähern. Doch manche dieser Bilder bringen uns in Konflikt mit unseren eigenen Bedürfnissen. Doch unsere Kinder spüren, wenn unser Verhalten nicht mit unserem Inneren übereinstimmt. Eltern haben ihre eigenen Grenzen, sind manchmal müde, gereizt, hilflos, erschöpft, wütend oder traurig. Und es ist okay, das vor dem Kind zu äußern, solange du nicht deinem Kind die Schuld an deiner Situation gibst. Denn dein Kind ist nicht verantwortlich für deine Gefühle.
  7. Gemeinsam Lösungen finden
    Suche in einem Konflikt eine Lösung, die für euch alle okay ist. Wenn ihr zusammen eine Lösung gefunden habt, dann ist dein Kind motiviert, dass eure Lösung auch praktiziert wird. Wenn dein Kind Lösungsvorschlage macht, bewerte sie nicht, auch wenn es dir schwerfällt. Sammelt erst mal Lösungsvorschläge und schaut sie euch dann gemeinsam an. Die Vorschläge, die für alle okay sind, nehmt ihr.
  8. Umgestalten statt Strafen.
    Manchmal ist es sinnvoll, die Umgebung umzugestalten, so dass sich das Konfliktpotential minimiert. Räume deine Wohnung so um, dass dein kleines Kind nicht an Dinge herankommen kann, die zerbrechlich sind. Lasse die unteren Regale zum Ausräumen übrig.
  9. Weich bleiben
    Weich sein hat in unserer Gesellschaft einen negativen Klang bekommen. Doch ich bin der Meinung, dass gerade im Leben mit unseren Kindern es so wichtig ist, sich nicht zu verhärten. Es sind Kinder. Sie stehen noch am Anfang ihres Lebens und werden noch so viel lernen. Wenn wir sie liebevoll und mit Herzenswärme dabei begleiten, verlieren viele potentielle Konflikte an Bedeutung. Weich sein bedeutet, sich im Konflikt das einmalige wunderbare Seelenwesen deines Kindes bewusst zu machen, auch wenn dein Kind gerade schreit und tobt und du am liebsten zurück schreien willst. Weich bleiben bedeutet, der Sprache des Herzens und nicht der Sprache der Härte zu folgen.
  10. Grundbedürfnisse klären
    Manchmal ist die Ursache eines Konfliktes schlichtweg Hunger. Besonders kleine Kinder aartikulieren das aber nicht immer direkt. Besonders bei meinem dritten Kind schlug Hunger direkt auf seine Laune. Ich konnte direkt zusehen, wie mit jedem Bissen seine Laune besser wurde. Verabschiede dich von Glaubensmustern wie “Gegessen wird bei den Mahlzeiten”. Kinder haben kleine Mägen, können nicht soviel essen und haben dementsprechen häufiger Hunger. Schau also in einem Konflikt, ob Hunger die Ursache sein kann, weswegen dein Kind gerade nicht kooperiert.

Die Kinderärztin Dr. Sigrun von Loh arbeitete mehrer Jahre in Indonesien. Sie sagte: „Die Menschen in Indonesien sagen, die europäischen Kinder tun ihnen leid. Wie kann man nur so hart zu so kleinen Menschen sein, denken sie.“
In Indonesien gilt ein Kind in den ersten Lebensjahren als „besonderer Mensch“, den man Frustrationen erspart und die immer willkommen sind. Trotzdem ( oder vielleicht auch deshalb) schaffen die Kinder den Übergang in die recht entbehrungsreiche indonesische Gesellschaft.

Kinder wollen kooperieren. Es ist in ihren Genen angelegt. Eltern machen es ihren Kindern aber oft verdammt schwer damit. Wenn wir keine Kinder wollen, die aus Angst gehorchen, dann brauchen wir neue Wege. Die gewaltsame Erziehung der letzten Jahrhunderte ist noch tief in der Gesellschaft verankert und steckt auch in unseren Köpfen.

Habe Geduld mit dir, wenn nicht immer alles so klappt, wie du es dir wünschst. Veränderungen brauchen Zeit, Geduld und viel Unterstützung. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, so wie du auch deinem Kind für seine Entwicklung die Zeit gibst, die es dafür braucht.

Weitere Artikel zum Thema:

Dann gehen wir jetzt! Logische Konsequenzen sind auch nur Strafen

Wie du die Beziehung zu deinem Kind sofort verbesserst, indem du diese Worte vermeidest!

Buchtipps zum Thema:

Familienkonferenz*
Die Lösung von Konflikten zwischen Eltern und Kind
Thomas Gordon
Heyne Verlag
Dieses Buch zog ich kurz nach der Geburt meines ersten Kind aus dem Bücherregal meiner Eltern. Thomas Gordon brachte sein Buch Parent Effectiveness Training, wie es passender in Englisch heißt, bereits 1970 erstmalig heraus. Als einer der ersten bietet Modell der gewaltfreien Konfliktbewältigung für Familien an. Es gibt viele Paralellen aber auch einige Unterschiede zu der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Sie haben beide bei Carl Rogers, dem Begründer der klientenzentrierten Gesprächstherapie, gelernt.
Hier kannst du das Buch kaufen (*Affiliatelink): Familienkonferenz*
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Trainingsbuch Gewaltfreie Kommunikation*
Ingrid Holler
Jungfermann Verlag
Hier kannst du das Buch kaufen (*Affiliatelink): Trainingsbuch Gewaltfreie Kommunikation*
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Ich will verstehen, was du wirklich brauchst*
Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern
Frank und Gundi Gaschler
Kösel Verlag
Hier kannst du das Buch kaufen (*Affiliatelink): Ich will verstehen, was du wirklich brauchst*
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Mama, was schreist du so laut?  Wut in Gelassenheit verwandeln*
Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern
Britta Hahn
Jungfermann Verlag

Ein gutes Buch, um in Kontakt mit der eigenen Wut im Umgang mit den Kindern zu kommen. Die Wurzeln liegen, wie ja fast immer, in unserer Kindheit. Die Autorin hatte jahrelang selbst mit Wutausbrüchen und Gewalt gegenüber ihren Kindern zu kämpfen. Durch die Gewaltfreie Kommunikation lernte sie, sich selbst Empathie zu geben und alte Verhaltensmuster aufzulösen. So konnte sie ihren Kindern gelassener begegnen.
Hier kannst du das Buch kaufen (*Affiliatelink): Mama, was schreist du so laut?  Wut in Gelassenheit verwandeln*
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Dich durch mein Herz sehen. Gewaltfreie Kommunikation für Eltern*
Hanna Brodersen
Tologo Verlag

Hier kannst du das Buch kaufen (*Affiliatelink): Dich durch mein Herz sehen*
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13 Kommentare - Sei der Nächste

  1. Svenja Potrafke am 12. Oktober 2018

    Wow wow wow!! was für ein großartiger, hilfreicher Artikel!!! Ganz ganz toll ❤️❤️❤️ Soo gut recherchiert und mit wirklich wertvollen Ansätzen! Vielen lieben Dank für deine Mühe und vor allem dafür, dass du auf dieses Thema aufmerksam machst!! Ich habe nur diesen einen Artikel auf deiner Seite gelesen und bin jetzt schon Fan 🙂

  2. Ein schöner Artikel, aber ich bin nicht bei allem wirklich bei dir. Ich versuche mich immer in die Gefühle meines Sohnes hinein zu versetzen und dementsprechend zu handeln. Er ist 13 Monate alt, “Konsequenzen” wie du sie beschreibst, versuche ich zu vermeiden. Aber Grenzen setze ich ihm trotzdem. Er weiß, was “nein” bedeutet. Da ich es nicht exponentiell benutze, hält er sich auch – meist – daran. Tut er es nicht, halte ich ihn davon ab. Ich bin nicht der Meinung, dass es Sinn macht, alles weg zu räumen, wo er nicht dran darf. Natürlich lasse ich nur Dinge stehen, die keine Verletzungsgefahr bergen aber wo kann ich diese Grenze besser “üben” als im eigenen Zuhause? Ich kann nicht erwarten, dass jeder, bei dem wir zu Besuch sind, eine kindersichere Umgebung vorweisen kann. Ich möchte dass mein Kind weiß, wenn ich “Nein” sage, dass es sich daran halten muss, auch wenn es noch nicht verstehen kann, dass ich so nur verhindere, dass es sich weh tut oder dass etwas, das uns nicht gehört, beschädigt wird. Ich bin vermutlich allein mit dieser Meinung hier unterwegs, aber da ich deinen Erziehungsansatz wirklich ansonsten sehr schön finde, dachte ich, ich geb mal meinen “Senf” dazu…

  3. Mein Frau hat mir den Artikel gezeigt und ich finde die grundsätzlichen Ideen und Vorschläge gut. Natürlich ist das Einlassen auf etwas Neues nicht immer einfach, weil man sich dann ja nun kritisch mit dem Alten und der eigenen Identität auseinandersetzen muss.

    Ich finde die Formulierung “eine Beziehung auf Augenhöhe” allerdings missverständlich. Ich kann den dahinter liegenden Gedanken durchaus nachvollziehen, aber, je nach dem wie man Beziehung für sich definiert, sollte man auf diesen Punkt näher eingehen. Eine Beziehung auf Augenhöhe ist in der strukturellen Familientherapie (die ja auch nicht ganz unkritisch zu sehen ist) charakteristisch für ein dysfunktionales Familiensystem, weil es beinhaltet, dass das Kind ebenso für die Bedürfnisse der Eltern verantwortlich ist, wie das Elternteil für die des Kindes. Wenn beispielsweise ein Elternteil verstirbt und mit dem Kind zurück bleibt und dieses Kind nun für die Bedürfnisse, also die emotionalen, verantwortlich ist.

  4. Naja, rein prinzipiell unterschreibe ich das, aber wenn ein Kind ein unerfülltes Bedürfnis hat zB Hunger oder Müde ist (wer kennt das nicht ein völlig überdrehtes, sofort bei allem weinendes Kind das Partout nicht schlafen will, bis es 3 sekunden liegt und schon im Land der Träume ist…) Ich habe heute von einem Hungrigen vierjährigen Kind einen Legostein an den Kopf geschmissen bekommen. Und ja es war Hunger (es läuft immer gleich ab, wenn wir erwachsenen es verpennt haben den Zwerg rechtzeitig zu füttern). In dem Zustand läuft nicht mehr viel mit empatischen zuhören, weil das angebliche Problem mit dem Lego Haus, nicht die Ursache ist. Ich vermisse gerade an dem Punkt Anregungen. Um das Kind zum essen zu bekommen muss es aus der aktuellen Situation, in die es sich gerade reinsteigert, raus. Und das geht bei uns nur durch wegtragen, wegnehmen ect. Es geht nicht darum, dass ich das gequängel nicht ertrage, es geht darum, dass quängeln schreien weinen Sachen werfen, nichts daran ändern dass das Problem Hunger ist und nicht die Sitaution. Wir haben das auch schon ausgessen und versucht zu trösten nichts zu sagen da zu sein. Außer hauen und schreien kommt da nicht viel. Bis wir es beenden und das Kind am Tisch Bananenmilch obst schokolade Brot oder sondt was isst und je früher wir die Situation beenden desto schneller beruight er sich und isst.

  5. Die Lösungsansätze und vor allem die Alternativsätze eignen sich nicht für jedes Kind und jedes Alter. Gerade, wenn mein dreijähriger Sohn überdreht ist oder trotzt, ist er so laut und sein Handeln für andere so unerträglich, dass ich nicht die Möglichkeit habe, lange zu erklären, warum er nicht sein Geschirr vom Tisch schmeißen oder laut rumschreien kann. Da finde ich es hilfreicher, einfacher nur „Nein“ zu sagen und oft sage ich „Wenn du dich so benimmst, kannst du leider nicht mit uns hier am Tisch sein. Wir wollen in Ruhe essen!“ oder „Wenn du dich jetzt nicht anziehst, muss Papa ohne dich zum Bäcker gehen, denn wir wollen bald frühstücken.“ Das mögen ja Androhungen sein, aber das Zusammenleben funktioniert nur, wenn alle sich an gewisse Regeln halten. Ich lese viel von Jesper Juul und dort habe ich mitgenommen, dass es wichtig ist, authentisch zu bleiben und möglichst klar zu formulieren, z.B. „Ich möchte nicht, dass du so laut rumschreist“ statt „Hör auf, so rumzuschreien“ und dass man ein Auftreten zeigt, das bestimmt ist. Wenn man leicht und oft von einem Nein zu einem Vielleicht oder Ja wechselt, haben Neins nicht mehr das Gewicht, dass sie haben sollten. Bei meiner älteren Tochter würde ich mit den Alternativsätze sehr lange Diskussionen auslösen, da muss vor allem früh vor der Kita und Arbeit reichen, dass ich es eben nicht möchte oder was anderes von ihr erwarte, weil es eben so ist.

  6. Vielen Dank für diese gelungene Zusammenfassung! Ich habe begeistert die neue Familienkonferenzngeleden, bin Fan von Jasper Juul und besuche gerade einen Kurs zu Gewaltfreier Kommunikation. Und hier finde ich all dies komprimiert wieder.
    Mein sohn ist gerade 2 geworden und entsprechen kann er mir seine Bedürfnisse leider noch nicht mitteilen. Aber da ist er genau so schlau wie ich, denn ich übe auch noch daran, ihm meine mitzuteilen, statt rumzumotzen, zum Beispiel wenn er testet, wie weit sein Müsli fliegen kann…
    Vielen Dank für die Auffrischung,
    das hat mich gerade nochmal richtig motiviert, dran zu bleiben!

  7. Hallo, ein schöner Artikel mit guten Ansätzen, allerdings kann ich auch nicht in allen Punkten zustimmen. In einer Familie mag das vielleicht so funktionieren. Trotzdem bin ich der Meinung, dass ein Kind lernen muss, in bestimmten Situationen zu hören und zu folgen ohne, dass immer lang und breit erklärt wird warum. Ich bin Lehrerin an einer Grundschule. Vor mir sitzen 25 Kinder die alle auf ganz unterschiedliche Weise von ihren Eltern erzogen/ oder auch leider nicht erzogen werden. Natürlich versucht ich liebevoll und einfühlsam auf alle Kinder einzugehen. Aber wenn ich versuchen müsste, auf alle Befindlichkeiten der Kinder Rücksicht zu nehmen und alles erklären und ausdiskutieren würde, käme ich nicht mehr zum unterrichten. Es gibt einen festen Tagesablauf und Regeln, die für alle gelten. Wenn es klingelt ist die Pause zu Ende. Wir frühstücken zu festen Zeiten usw. So ist es in den meisten Schulen und im Leben. Und darauf muss ein Kind auch vorbereitet sein. Nicht jedes Kind hat zu jedem Lehrer eine innige Beziehung auf der man aufbauen kann. Ein Kind muss gelernt haben geduldig zu sein und auch mal unangenehmes auszuhalten. Schreiben und rechnen üben, macht nicht jedem Kind Spaß. Die Schulglocke unterbricht das schöne Spiel. Das ist leider so. Wenn ich dann z.B. nur mit 5 von 25 Kindern am Ende der Pause darüber sprechen müsste, was seine Bedürfnisse sind, um mit ihnen gemeinsam eine Lösung zu finden, dann müsste die Schulzeit für diese Kinder 2 Jahre länger sein. Dazu kommen Kinder, die nicht oder wenig erzogen sind und nicht gelernt haben, sich an Regeln zu halten. Es gibt Kinder, die lassen sich auch nicht mit sehr viel Geduld und Gesprächen von ihrem Standpunkt abbringen. Also spätestens in der Schule werden Kinder genauso wie im späteren Leben mit Konsequenzen/Strafen konfrontiert sein. Wenn ich zu schnell fahre, muss ich Strafe zahlen. Wenn ich zu spät zur Arbeit komme, gibt es Ärger vom Chef, usw.

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