“Dich durch mein Herz sehen. Gewaltfreie Kommunikation für Eltern.”

Dich durch mein Herz sehen

Bereits der Titel lässt mich ganz weich werden. Er ist ein wunderbares Mantra für Momente, wenn die Gedanken in meinem Kopf Amok laufen wollen.
“Stopp”, kann ich mir dann zurufen,  “ ich will dich, mein Kind, durch mein Herz sehen.”
Ausatmen. Spüren.
Und dann mein Kind, dass etwas in mir ausgelöst hat, für das es gar nichts kann, mit dem Herzen in seiner ganzen Schönheit sehen.


Das Buch Dich durch mein Herz sehen* beschreibt, wie wir unseren Kindern empathisch und liebevoll begegnen und uns selbst dabei noch besser kennenlernen können.

Die Gewaltfreie Kommunikation wurde von Marshall Rosenberg begründet und bietet einen Weg, wie Menschen die Welt der Urteile und Forderungen verlassen und stattdessen in eine Haltung des einfühlsamen Miteinander kommen können. Doch da kaum einer von uns wirklich gewaltfrei aufgewachsen ist, brauchen wir auf diesen Weg Hilfe und Unterstützung.

Hanna Brodersen, die Autorin dieses Buches, hat vor 5 Jahren eine Facebookgruppe zum Thema Gewaltfreie Kommunikation für Eltern gegründet und seitdem begleitet. In ihr Buch fließen ihre Erfahrung in der Elternbegleitung, aber auch ihr Leben als Mutter.

Das Buch “Dich durch mein Herz sehen*” enthält sechs Teile, die aufeinander aufbauen.

Im ersten Teil des Buches erhältst du eine Einführung in die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation. Mit den vier Schritten, Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte kannst du dich orientieren. Sie sind aber keine Methode, sondern das Entscheidende ist die Haltung, die wir haben, wenn wir mit einem anderen Menschen in Verbindung treten.

Bei der Beobachtung ist es wichtig, die reine Beobachtung von einer Wertung zu trennen. Wir beschreiben eine Situation, die in uns Gefühle auslöst, so wie eine Kamera sie aufzeichnen würde. Eine Beobachtung ist: Der Zeige der Uhr zeigte auf 6:45, als mein Sohn nach Hause kam. Eine Bewertung ist: Du kommst viel zu spät.

“Wertfreie Beobachtungen haben den Fokus darauf, eine Realität herzustellen, der alle Beteiligten zustimmen können – anstatt sich gegen Vorwürfe und Bewertungen verteidigen zu müssen. Während ich den Auslöser meiner Gefühle herausarbeite und dann zwischen Beobachtung und Bewertung unterscheide, komme ich ganz automatisch mit meinen Urteilen in Kontakt.”
(Dich durch mein Herz sehen*, Seite 22)

Wir haben die Verantwortung für unsere Gefühle

Die Handlungen anderer Menschen können in uns Gefühle auslösen. Verantwortlich für unsere Gefühle sind wir selbst. Die Gefühle, bei uns und bei unseren Kindern geben einen wertvollen Hinweis auf ein Bedürfnis, das hungrig oder erfüllt ist.

Indem wir unsere Gefühle wahrnehmen, können wir unsere Bedürfnisse erkennen.
Wenn wir unsere Bedürfnisse kennen, können wir eine Bitte aussprechen, dessen Erfüllung helfen kann, unser Bedürfnis zu erfüllen.
Unsere Kinder brauchen bei diesem Prozeß unsere empathische Begleitung. Dabei stellen äußern wir Vermutungen, die unser Kind einladen, zu erzählen, was gerade in ihm lebendig ist.

“Erfahrungsgemäß fällt es anfangs schwer, die vier Schritte im Konfliktmoment selbst zu berücksichtigen. Einfühlung, die nachträglich gegeben wird, ist nicht weniger Wertvoll. Ganz im Gegenteil: Erst wenn ich mit meinen eigenen Bedürfnissen in Kontakt bin, habe ich die notwendige Kapazität, die Gefühle meines Kindes verstehend zu begleiten.
Einem anderen Menschen Einfühlung geben zu wollen, während mir selbst nicht bewußt ist, was ich fühle, gleicht der Absicht, den Durst meines Kindes mit einem leeren Glas stillen zu wollen.”

(Dich durch mein Herz sehen*, Seite 22)

Tiefsitzende Verhaltensmuster lösen

Es ist nicht einfach, unsere Art zu kommunizieren zu ändern. Die Verhaltensmuster sitzen tief in uns. Wir brauchen Reflexion und ein bewusstes Üben, um unsere Konflikte empathisch und in Verbindung klären zu können. Das weiß die Autorin Hanna Brodersen auch aus eigener Erfahrung als Mutter eines Sohnes. Diese Erfahrungen fließen in ihr Buch ein und sie lässt uns an berührenden Begebenheiten, aber auch an den Schwierigkeiten teilhaben. Dadurch erhält eine Lebendigkeit, die mich beim Lesen immer wieder bewegt hat und innehalten ließ.
Nach jedem Abschnitt gibt es eine Einladung (welch liebevolles Wort) zum Üben oder zur Selbstklärung.
Zum Beispiel die Einladung zum Üben auf Seite 53:
“Denke an einen vergangenen Konflikt und kläre anhand der vier Schritte deine eigenen Bedürfnisse und das, worum du bitten möchtest oder im Nachhinein gerne gebeten hättest.”

Durch die Einladungen zum Üben können wir auch alleine immer tiefer in die Haltung der Gewaltfreien Kommunikation eintauchen. Natürlich eignen sich die Einladungen auch zum gemeinsamen Üben mit dem Partner oder mit Freunden.



Im zweiten Teil geht es um die Einfühlung

Die Autorin erklärt, warum Einfühlung so wichtig ist, um in die Verbindung mit uns und unseren Kind zu kommen. Auch wenn wir mit einem Verhalten des Kindes nicht einverstanden sind, können wir uns dennoch versuchen, uns in unser Kind einzufühlen. So hat es die Sicherheit, mit allen Gefühlen willkommen zu sein.
“Unsere Kinder drücken sich nicht aus, um uns zu ärgern oder uns Schwierigkeiten zu machen. Sie tun das, um für sich selbst und ihre Bedürfnisse einzustehen oder um sich zu erleichtern.”
(Dich durch mein Herz sehen*, Seite 66)

Erst wenn sich das Kind angenommen und verstanden fühlt, wird es bereit sein, unsere Botschaft zu hören.

Über die Liebe zu unseren Kindern

Im dritten Teil des Buches beschreibt Hanna Brodersen über die Bedeutung der bedingungslosen Liebe. Sie bietet dabei viele Inspirationen, wie wir unsere Liebe zu unseren Kindern auf eine Weise ausdrücken, dass sich das Kind angenommen und um seiner selbst Willen geliebt fühlt.
Das geht nur, wenn wir auch in der Lage sind uns selbst anzunehmen und zu lieben, auch wenn wir uns nicht so verhalten haben, wie wir es uns von uns erwünschten.

Das Kind, das wir waren

Wie wichtig es ist, uns selbst anzunehmen, darauf geht die Autorin im vierten Teil des Buches “Das innere Kind der Eltern” ein.
Denn viele reflexartigen Reaktionen von uns im Konflikt beruhen auf einem einstmals notwendigen Verhalten aus unserer Vergangenheit. Indem wir unserem inneren Kind liebevoll begegnen, können wir allmählich von diesen Verhaltensweisen loslassen und uns mit ihnen versöhnen.
Für den Weg dorthin schlägt Hanna Brodersen verschiedene Strategien vor, die verhindern soll, dass auf einem Reiz nicht jedesmal dieselbe Reaktion erfolgt.

Beziehung statt Erziehung ist das Thema des fünften Kapitels

Dabei geht es um die Frage, was eigentlich Erziehung ist und was wir stattdessen setzen können, wenn wir eine gleichwürdige Beziehung mit unseren Kindern leben wollen.
In eineer gleichwürdigen Beziehung zwischen Eltern und Kindern haben alle Bedürfnisse denselben Wert. Für die Qualität der Beziehung sind die Eltern verantwortlich.

Dazu schreibt die Autorin:
“Doch weil wir nicht nur die Gesamtverantwortung tragen, sondern auch über wesentlich größere Ressourcen verfügen, können wir auch Phasen überbrücken, in denen wir uns voneinander getrennt empfinden – ohne unsere fürsorglichen Fähigkeiten zu verlieren.
Für unsere Kinder hingegen ist es, bis in das junge Erwachsenenalter hinein, eine große Herausforderung, auch andere Bedürfnisse zu berücksichtigen. Sie sind ganz und gar damit ausgefüllt, das, was in ihnen lebendig ist, zu ergründen, und Möglichkeiten finden, sich selbst gut zu nähren.”
(Dich durch mein Herz sehen*, Seite 183)


Impulse für den Alltag

Im sechsten und letzten Teil des Buches gibt Hanna Brodersen Antworten auf einige der häufigsten Elternfragen. Außerdem gibt sie Impulse, wie wir die Bedürfnisse von unserem Kind in seiner Sprache erfragen können.

Die Autorin Hanna Brodersen hat mit dem Buch “Dich durch mein Herz sehen” einen Leuchtturm der Hoffnung in den Bücherbergen der Elternliteratur geschaffen. Sie bietet in dem Buch nicht nur praktische Hilfe, wie Eltern schwierige Situationen aufdröseln können, sondern lädt auch zur Reflexion der eigenen Elternschaft ein.
Dabei ist sie ebenso auf Seite der Kinder wie auf Seite der Eltern, denn der Titel “Dich durch mein Herz sehen” schließt auch die Eltern mit ein. Denn Hanna Brodersen schreibt so warm und einfühlsam, aber auch ehrlich über ihr eigenes Muttersein, dass ich mich beim Lesen absolut angenommen fühle. Das ist keine, die Eltern einfach nur sagt, was sie alles falsch machen. Nein, sie geht den Weg der Liebe, zu den Kindern und allem Lebendigen.
Auch wenn ich mich selbst schon seit vielen Jahren mit der Haltung der Gewaltfreien Kommunikation beschäftige und sie versuche zu leben, habe ich aus dem Buch viele Anregungen entnehmen können.
Besonders gefallen haben mir die Einladungen zum Üben oder zur Selbstklärung. Dafür könnte es durchaus ein eigenes Workbook geben, in denen ich dann nach Herzenslust reinkritzeln könnte.

Allen Eltern, die mit ihren Kindern eine gleichwürdige Beziehung leben wollen, aber oft noch nicht wissen, wie, sei das Buch ans Herz gelegt.
Und den anderen auch. Denn das Buch gehört zu den Büchern, die unsere Welt schöner und friedlicher machen werden.

Dich durch mein Herz sehen*
Gewaltfreie Kommunikation für Eltern
von Hanna Brodersen
Tologo Verlag
Hier kannst du das Buch kaufen (*Affiliatelink): Dich durch mein Herz sehen*
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3 Kommentare - Sei der Nächste

  1. Danke für diese ausführliche Rezension! Das Buch ist sofort auf meine Leserliste gewandert!

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