Kinderbücher übers Anderssein

Ich bin anders als du.

Klar.

Du bist auch anders.

Wir alle sind anders. Unterscheiden uns in unseren Gewohnheiten, Vorlieben, Aussehen, Wissen, Macken und vielem mehr voneinander.

Gleichzeitig fühlen sich Menschen anderen Menschen zugehörig, mit denen sie eine gewisse Schnittmenge vorweisen.
Die Schnittmenge kann  dasselbe Land, dieselbe Sprache, dasselbe Hobby oder auch nur dieselbe Hautfarbe sein. Das ist alles okay, solange wir andere Menschen, mit denen wir nicht diese Schnittmenge haben, ausgrenzen.

Denn alle Menschen will sie zugehörig fühlen, egal wie anders sie für uns sind.

Auch Kinder kennen Ausgrenzung. Weil es ihnen selber passiert ist oder weil sie es in Kindergarten Schule oder Freundeskreis erlebt haben.

In den folgenden Kinderbüchern geht es um das Anderssein.
Jedes Buch hat einen eigenen Schwerpunkt, aber alle bieten sie die Möglichkeit, sich dem Thema Anderssein anzunähern. (Im Artikel Willkommen auf dem Planeten unserer Kinder! habe ich über das Anderssein meiner eigenen Kinder geschrieben)

Lesenswert sind die folgenden Bücher auf jeden Fall.

Frederick

Frederick ist eine Maus, die mit ihrer Feldmausfamilie in einer alten Steinmauer lebt. Die Mäuse bereiten sich auf den nahenden Winter vor, sammeln Körner, Nüsse und Stroh.
Alle Mäuse helfen mit, bis auf Frederick.
Frederick sitzt im Gras oder auf den Steinen und starrt vor sich hin. Wenn die Mäuse fragen, was er macht, sagt er ihnen, dass er Sonnenstrahlen und Wörter für den langen Winter sammelt. Die anderen Mäuse verstehen ihn nicht.
Doch als der Winter kommt und nach langen Wochen  ihre eigenen Geschichten erzählt und die Vorräte fast aufgegessen sind, da erinnern sie sich an Frederick Vorräte.
Und Frederick beginnt zu erzählen. Er erzählt so lebendig, dass die graue Höhle in ihrer Fantasie bunt wird. Jetzt wissen die Mäuse Frederick und seine Poesie zu schätzen.
Frederick ist eine liebevolle Geschichte für all die Träumer unter den Kindern.
Wir brauchen die Träumer und Dichter so wie wir die tatkräftigen Menschen brauchen, dass ist die Botschaft der Geschichte. Das Träumen ist hier als eine aktive Tätigkeit beschrieben, die keine andere Arbeit zulässt.

Ich habe selbst einen inzwischen großen Träumer, der mit 4 zu seiner Oma mal sagte: „Oma, du musst nicht glauben, dass ich mich langweile. Ich denke nach.“

von Leo Lionni
Beltz&Gelberg Verlag
Ab 3 Jahre
Hier kannst du das Buch kaufen (*Affiliatelink): Frederick*

(*Die mit Sternchen gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links zu Amazon, durch den ich im Falle einer Bestellung eine Provision erhalte, ohne dass für Euch Mehrkosten anfallen. Das Buch ist unabhängig davon aber auch im Buchhandel oder anderen Shops erhältlich.)

Die Hasenfrau

Vor langer Zeit lebte Mara in einer Hütte am Waldesrand allein mit ihrem Hasen. Deswegen wurde sie von den Menschen im Dorf Hasenfrau genannt.
Mara kannte sich mit der Heilkraft der Pflanzen und den Abläufen der Natur aus. Sie beobachtete genau und konnte ihr Wissen für ihre Heilkunde einsetzen.
Sie lebte im Einklang mit der Natur und die Tiere des Waldes kamen zutraulich zu ihr. Manchmal, wenn die Sonne den Wald zum funkeln brachte, tanzte Mara vor Freude auf dem weichen Waldboden.
Wenn die Leute im Dorf Hilfe brauchten, kam Mara zu ihnen. Sie behandelte kranke Kühe ebenso wie sie den Gebärenden während der Wehen beistand.
Sie half auch, wenn eine Frau krank war und sich nicht um ihre Kinder kümmern konnte.
Alles schien Mara leicht von der Hand zu gehen, nie verlor sie ihre gute Stimmung bei der Arbeit.
Das war den Leuten im Dorf unheimlich und sie redeten über Mara. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen, meinten sie, sie müsse eine Hexe sein.
Eines Abends rotteten sich die Dorfbewohner zusammen und marschierten zu Maras Hütte.
„Gib deine giftigen Zaubertiere hervor, du Hexe!“ rief einer der Dorfbewohner.
„Ich weiß, was ich weiß! Die Hasenfrau ist eine Hexe!“ schrie ein anderer.
Doch Mara sah die Angst und den Neid in den Augen der Menschen und blieb ganz ruhig.
Endlich trat eine Frau mit einem Baby für Mara ein und sagte: „Aber Mara hat uns oft geholfen.“ „Woher weißt du, was du weißt?, wollte sie von Mara wissen.
Und dann erzählte Mara den Menschen von den Zusammenhängen der Natur und der Heilkraft. Die Ängste der Menschen verschwanden und sie begannen sich für ihren Angriff zu schämen. Sie verloren durch Maras Worte ihren Glauben an Zauberei und spürten, dass sie von Mara noch viel lernen konnten.
„Die Hasenfrau“ ist das einfühlsamste Kinderbuch über die Hexenverfolgung, was ich kenne. Zugleich zeigt das Buch auch auf, wie schnell Menschen, die anders sind, wegen ihrem Andersein auf Ablehnung, Neid und Angst stoßen können. Gerade die Reaktion von Mara, die trotz der aufgewühlten Dorfbewohner ganz bei sich bleibt, macht das Buch so inspirierend. Es bietet Anlass für viel Gesprächsstoff, über Angst, Ausgegrenztsein, Authentizität und Selbstsicherheit und natürlich über die Geschichte der weisen Frauen.

Zur Zeit ist das Buch nur noch antiquarisch zu kaufen.

Gerda Wagner und Valeria della Valentina
Esslinger Verlag
Hier kannst du das Buch kaufen (*Affiliatelink): Die Hasenfrau*

Blauer Hund

Eines Tages, als Charlotte vor der Tür ihres Hauses sitzt, kommt ein großer blauer Hund auf sie zu. Charlotte streichelt den Hund und gibt ihm etwas zu essen. Nun besucht er sie jeden Abend, um mit ihr zu spielen. Charlotte redet und spielt mit ihm und krault ihm sein Fell.
Doch Charlottes Mutter hatt Angst, dass der Hund krank oder böse sein könnte und verbietet ihr, mit dem Hund weiterhin zu spielen. Charlotte ist sehr traurig, denn sie liebt den Hund. Als er das nächste Mal kommt, sagt sie ihm, dass sie ihn nicht mehr sehen dürfe. Der Hund dreht sich um und verschwindet.
Eine Weile später gehen Charlottes Eltern mit ihr in den Wald zum Picknick und um Charlotte abzulenken. Die Mutter gibt Charlotte ein Körbchen, damit sie Walderdbeeren sammeln kann.
Dabei verläuft sich Charlotte im Wald. Es wird dunkel und als sie ein Knacken hört, rennt sie los und stolpert dabei. Doch es ist der blaue Hund, der auf sie zukommt. Er sucht für sie einen Unterschlupf für die Nacht und entfacht ein Feuer. Während Charlotte am Feuer einschläft, passt er auf sie auf.
Da kommt der Nachtgeist in der Gestalt eines Panthers und will Charlotte fressen. Der Hund verteidigt Charlotte und kämpft die ganze Nacht mit dem Panther.
Als der Morgen anbricht, verschwindet der Nachtgeist. Der blaue Hund läuft mit Charlotte auf seinem Rücken zu Charlottes Eltern, die weinend zu Hause sitzen.
Sie sind so glücklich, dass der Hund Charlotte zurückgebracht hatt. Von nun an kann der Hund für immer bei Charlotte bleiben.
Blauer Hund ist eine märchenhafte Geschichte, in meine Kinder mitfieberten, wie es weitergeht. Sie fanden es so ungerecht, dass die Mama den Hund nicht wollte, denn sie erkannten, dass er gut war, auch wenn er groß war und anders aussah.
Und als er dann endlich bei Charlotte bleiben konnte, waren sie sehr erleichtert.
Die Themen des Buches, Ablehnung und Angst vor etwas Fremden, aber Sehnsucht nach Schutz finden in dem Buch einen poetischen Ausdruck.

Auch die Bilder unterstützen die Botschaft. Ich kann der Aussage meiner Kinder nur zustimmen: „Das ist ein so schönes Buch!“

Nadja
Beltz & Gelberg Verlag
Ab 4 Jahre
Hier kannst du das Buch kaufen (Affiliatelink):Blauer Hund*

Irgendwie Anders

Hoch oben auf einem Berg lebt der kleine Irgendwie Anders.
Wenn er zu den anderen Tieren ging, um mit ihnen zu spielen, oder weil er einfach nur dabei sein wollte, sagten sie ihm: „Du gehörst nicht dazu. Du bist irgendwie anders.“
Er wollte so gerne dazugehören und versuchte so zu sein wie sie. Aber es klappte nicht. Er blieb: Irgendwie Anders.

ALs er nach solch einem Tag traurig zu Hause schlafen gehen wollte, klopfte es an der Tür. Draußen stand ein Etwas. Und dieses Etwas behauptete, es wäre genau wie Irgendwie Anders. Doch irgendwie Anders erwiderte, das Etwas sei nicht genauso irgendwie anders wie er selbst. Öffnete die Haustür und wünschte dem Etwas eine Gute Nacht.

Das Etwas sah plötzlich sehr traurig aus und ging.

Kurz nachdem das Etwas gegangen war, fiel Irgendwie Anders etwas auf, als er sich im Spiegel betrachtete. Er rannte dem Etwas hinterher und rief ihm zu, dass er gerne bleiben kann, auch wenn er nicht so ist wie er selbst. Das Etwas kam mit zurück.
Nun hatten sie einander und machten alles zusammen, auch wenn sie sehr verschieden waren.
Und wenn mal jemand an der Tür klopfte, der sehr merkwürdig aussah, dann rückten sie einfach zusammen.
Meine Jüngste liebt diese Geschichte und fühlt beim Vorlesen sich stark in die Figuren ein. Sie ist traurig mit Irgendwie Anders und freut sich, wenn die Beiden endlich zusammenfinden.
Wir reden jedesmal über die Geschichte, weil dort so viele Emotionen entstehen, die gesehen werden wollen. Gerade deshalb ist es ein fantastisches Buch, um mit kleinen Kindern über das Thema Ausgrenzung und Zugehörigkeit zu sprechen.Absolut empfehlenswert.
Kathryn Cave und Chris Riddel
Oetinger Verlag
Ab 3 Jahre

Hier kannst du das Buch kaufen (*Affiliatelink):Irgendwie Anders*

 

Noch mehr Kinderbuchtipps findest du hier: Fünf starke Kinderbücher und Kinderbuchtipps zum Thema Gefühle

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