Die Krise im inneren Kind

Blogparade: Als Familie durch eine Krise kommen.
Ein Beitrag von Kristina Frank

„Ich krieg die Krise“

Diese Worte kenne ich zu gut.

Es war einer der Lieblingssätze meiner Mutter, wenn wieder etwas nicht so lief, wie sie sich das vorstellte. Und genau da stellte sich war für mich immer die Frage:

Was ist denn eigentlich eine Krise?

Google sagt: Es ist der Höhepunkt oder Wendepunkt einer gefährlichen Lage, entscheidender Abschnitt einer schwierigen Situation. Und laut Wikipedia entsteht, es wenn sich eine Person oder eine Gruppe Hindernissen auf dem Weg zur Erreichung wichtiger Lebensziele oder bei der Alltagsbewältigung gegenübersieht und diese nicht mit den gewohnten Problemlösungsmethoden bewältigen kann.

Ja, aber wer oder was hat denn eigentlich die Krise? Ist es der Mensch selbst, der sich in schwierigen Lebenssituationen befindet?

Wer oder was ist denn meist in Gefahr?

Die Krisen die wir im deutschsprachigen Raum erleben gehen ja meist nicht auf unser Leben, sondern immer nur vermeintlich. Es passiert alles nur in unserem Kopf. Wir haben Angst bestimmte Situationen aufzugeben, wir haben große Angst vor Veränderung, Existenzängste, Ängste zu versagen oder vielleicht doch zu sterben dabei.

Sind wir nun in einem Familiensystem eingebunden verstärkt sich das noch, denn wir beginnen unsere Ängste nicht nur auf uns selbst, sondern auch auf unseren Partner und unsere Kinder zu projizieren. Und auf einmal haben wir Angst, dass aus unseren Kindern später einmal nichts wird, dass sie in der Schule versagen und ihr Leben vielleicht genauso im Mangel leben müssen, wie wir selbst.

Was genau wird denn nun angesprochen bei einer Krise?

Oftmals kommt hier als Antwort „Das Ego“. Doch was ist eigentlich „Das Ego?“. Für mich ist das Ego ist eine Art Schutzpanzer, den wir uns im Laufe der Jahre aufgebaut haben um uns vor Verletzungen zu schützen.

Die meisten Menschen haben nicht gelernt wie man mit Verletzungen, Wut, Angst oder Trauer umgeht, oftmals wurden diese Gefühle in der Kindheit sehr früh schon unterdrückt, weil es die Erwachsenen nicht ausgehalten haben, wenn Kinder weinen oder gar schreien.

Oft waren es die Bindungspersonen selbst, Eltern, Großeltern, Lehrer, die diese Traumata, ganz unbewusst, dem Kind zugefügt haben.

Das Kind kann mit diesem Gefühl nicht umgehen, kann es nicht fühlen und sucht den Fehler bei sich selbst. Es beginnt zu glauben, es sei nicht richtig so wie es ist und erschafft sich ein Muster um diese eine Verletzung nie wieder zu erleben.

Wie im Beispiel von der fiktiven Person Renate

Renate wurde als Kind dafür geschimpft oder gar bestraft, dass sie nach dem Essen nicht den Teller wegräumt hat. Später im Erwachsenenalter hat sie daraus ein fast zwanghaftes Verhalten entwickelt was das Aufräumen nach dem Essen angeht. Denn diese Bestrafung oder dieses Ausschimpfen, war für sie ein sehr traumatische Erlebnis. Als Kind hatte sie damit die Erfahrung gemacht, dass Mama oder Papa sie nur lieb haben, wenn sie den Teller ordentlich in die Küche räumt.

Die erwachsene Renate wird diesen Zwang an die eigenen Kinder weitergeben, denn sie möchte ihre liebsten ja auch vor dieser Art der Verletzung schützen und akribisch darauf achten, dass es jeder in der Familie so ausführt. Sie weiß ja nicht, dass es „nur“ ein Kindheitstrauma ist, dass da aus ihr handelt und nicht sie selbst.

Kann sie jetzt, aus welchen Gründen auch immer, sich nicht mehr darum kümmern, dass die Teller nach dem Essen weggeräumt werden, so beginnt sie in eine seelische Krise zu geraten. Es kann sein, dass sie wirklich beginnt zu schreien und zu weinen. Doch was da schreit oder weint, ist nicht Renate wahres Selbst, sondern das verletzte innere Kind, dass nun richtig große Angst bekommt nicht mehr geliebt zu werden, wenn sie den Teller nicht wegräumt.

Das innere Kind klopft an…

Wir alle haben diese Zwänge, diese Muster und Prägungen, tief in uns verwurzelt ohne dass wir sie oft bemerken. Und oftmals, wenn wir beginnen unsere Kinder wirklich frei zu lassen, sie bedürfnisorientiert und geborgen groß werden zu lassen, beginnt sehr schnell unser inneres Kind anzuklopfen und zu sagen: Moment, wenn Du das jetzt so tust, dann werden wir nicht mehr geliebt.

Diese Verletzungen können sogar noch tiefer gehen. In den 80er Jahren war es zum Beispiel eine weit verbreitete Meinung, Säuglinge nur alle vier Stunden zu füttern und sie dabei auch noch alleine in ihrem Bett schreien zu lassen – „das stärkt die Lungen und erzieht das Kind gleich dazu, dass es nicht immer alles haben kann“. Sein System ist darauf ausgelegt, einen Laut von sich zu geben und dann bei der Mutter Milch zu bekommen, passiert das nicht geht er davon aus, dass keine Mutter vorhanden ist. Da er noch kein Zeit und Raum Verständnis hat, beginnt er eine Verlustangst und später eine Todesangst zu entwickeln, die sich fest in seinen Zellen verankert.

Ist dieser Säugling einmal Erwachsen, wird er immer akribisch darauf achten, dass er in keine gefährlichen Situationen kommt, er wird Existenzängste und Todesängste erleben, die er sich nicht erklären kann, er wird große Angst haben seine liebsten für immer zu verlieren. So beginnt der Erwachsene in Situationen zu schreien oder zu weinen, zu zittern oder davonzulaufen. Er versucht sie zu kontrollieren, damit nichts von seinen Ängsten wahr wird.

Es beginnt in dem Moment zu heilen, in dem wir unsere leiblichen Kinder tragen, sie stillen und bei uns im Bett schlafen zu lassen. In diesem Moment beginnt unser inneres Kind sich etwas zu entspannen. Es beginnt Vertrauen zu uns als Erwachsenen zu fassen.

Nimm Dein inneres Kind in den Arm und die Welt verändert sich

In Meditationen und Einzelsitzungen gehe ich mit den Menschen zu ihrem inneren Kind. Helfe ihnen es kennen zu lernen, es in den Arm zu nehmen und von nun an Mama oder Papa für das eigene innere Kind zu sein. Wir können uns selbst halten und können nach und nach an all die Muster und Prägungen gehen.

Gerade wenn wir jetzt in der Familie in einen heftigen Streit oder gar eine Krise wandern, immer dann springt unser inneres Kind an und holt all seine roten Karten heraus. Es wird schreien, es wird toben, so wie bei Renate um weitere Verletzungen zu vermeiden.

Doch wenn wir einmal unser inneres Kind kennen gelernt haben, dann können wir hergehen, es liebevoll in den Arm nehmen und sagen: „Ich bin für dich da, ich liebe Dich bedingungslos und egal was passiert, ich werde darauf aufpassen, dass dir niemals wieder jemand weh tut.“

Dann können wir auftauchenden Situationen, egal ob in oder außerhalb der Familie, ganz anders begegnen. Nämlich als gestärkter Erwachsener, der im Optimalfall anderen ein verletztes Kind wahrnehmen kann.

Natürlich gelingt uns das nicht immer und natürlich kommen wir immer wieder in Situationen in denen unser inneres Kind reagiert. Doch wir werden mehr und mehr erkennen und die Möglichkeit haben zu dem anderen zu gehen und zu sagen: Du, das was da passiert ist, tut mir echt leid, lass uns doch nochmal von vorne anfangen und nochmal in Ruhe über alles sprechen.

Vor allem aber werden wir lernen auf Augenhöhe mit unseren eigenen Kindern zu kommunizieren und sie wirklich als das zu sehen was sie sind. Nicht kleine Kinder, denen wir sagen müssen was sie tun sollen, sondern Persönlichkeiten, die uns ein Stück auf unserem Lebensweg begleiten und von denen wir unendlich viel lernen dürfen.

Wenn Du einmal in die Arbeit mit dem inneren Kind eingetaucht bist, dann wirst Du merken, welch eine Kraft dahinter steckt. Unsere eigenen Kinder sind noch in einem viel stärkeren Kontakt mit unserem inneren Kind und kommunizieren oft auf dieser Ebene. Manchmal schreien unsere leiblichen Kinder für unser inneres Kind, wenn wir es schaffen unseren Kindern den Raum für ihre Emotionen zu geben und selbst auch noch mit einzusteigen, ihre Wut, ihre Trauer, ihre Angst voll zu sehen und auch bei uns zu spüren, dann begehen wir völliges Neuland als Mensch und als Familie.

Kristina Frank

Im Web: kristina.jetzt

Auf Facebook: https://www.facebook.com/kristinajetzt

Auf Instagram: https://www.instagram.com/kristina.jetzt/?hl=de

In der Begegnung mit unserem inneren Kind liegt eine Chance zur Heilung.

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade vom 01.02.2018 bis zum 15.3.2018: „Als Familie durch eine Krise kommen.“

Keiner mag Krisen, doch im Laufe des Lebens begegnen sie uns unverweigerlich, ob wir nun Kinder haben oder nicht.
Weil der Umgang mit Krisen einer der größten Prüfsteine für Familien sind, findet hier auf der Seite ab dem 01.02.2018 eine Blogparade zu dem Thema „Als Familie durch eine Krise kommen“ statt.

Hier findest du einen Überblick über alle bisher erschienenen Artikel: Blogparade: Als Familie durch eine Krise kommen

Mehrere Autoren schreiben über ihren Weg aus der Krise, aber auch, auf welche Resourcen und Hilfen du in einer Krise zurückgreifen kannst.
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