Traum und Tücken des Reisens mit Kindern

In der Hängematte unter Palmen im Wind schaukeln, während die Kinder am Strand spielen. Idylle total!

Ist das wirklich so?

Schon immer haben sich Menschen auf den Weg in die Ferne gemacht, und das auch mit ihren Kindern. Die Sehnsucht nach dem Entdecken fremder Länder steckt weiter in uns, selbst wenn wir Kinder bekommen.
Und klar, die meisten Menschen denken, mit Kindern ist erst mal Schluss mit lustig, keine lange Reisen in ferne Länder sind mehr möglich. Aber es geht, das Reisen mit Kindern.

Doch es ist anders!

Und es hat seine ganz besonderen Vorteile und Herausforderungen.

Wir sind im Laufe der Jahre viel mit unseren Kindern gereist, waren mit dem Fahrrad unterwegs oder als Backpacker, sind gewandert, waren auch schon als Familie mit Gastfreundschaftsnetzwerken unterwegs, haben gecampt, aber auch mal All-Inklusive-Hotels genutzt. Kurz: wir haben sehr unterschiedliche Reiseerfahrungen mit unseren vier Kindern.

Worin Urlaub und Reisen sich unterscheiden!

Vorab möchte ich zwei Begriffe definieren, die wichtig sind, um herauszufinden, ob die geplante Reise zu den eigenen Bedürfnissen passt: Für mich gibt es einen großen Unterschied zwischen Urlaub und Reisen.

Ein Urlaub dient mir in erster Linie der Erholung und Entspannung. Der Ort ist dabei nicht so entscheidend wie die Wahl der Unterkunft, damit sie einen größtmöglichen Erholungseffekt bietet. Ich hatte mit meiner Familie schon wunderbar erholsame Urlaube im Hotel. Dort war ich von meinen Alltagsaufgaben entlastet, was es mir ermöglichte, abzuschalten und zu entspannen.

Reisen jedoch ist für mich etwas ganz anderes. Dabei geht es für mich in erster Linie um neue Erfahrungen, ob mit Menschen, der Natur oder einer fremden Kultur. Ich bin beim Reisen meistens länger unterwegs und wähle andere Unterkünfte und Reiseziele.

Ob Urlaub oder Reisen, beides ist mit Kindern möglich.

Mit Kindern Reisen ist toll, doch es gibt auch ein paar Schwierigkeiten. Welche das sind und wie du sie lösen kannst, liest du im Artikel.

Wenn du eine Reise mit deiner Familie planst, ist es wichtig, dass du dir über deine eigenen Bedürfnisse und Wünsche bezüglich der Reise klar wirst.

Vielleicht bis du gerade müde und erschöpft und sehnst dich sehr danach, einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Willst dich mal um nichts weiter als um deine Kinder kümmern müssen. Irgendwo am Strand. Oder auch in einer schönen Landschaft. Dann passt vielleicht ein Aufenthalt in einem Familienhotel, Kinderbauernhof oder auch in einer Mutter-Kind-Kurklinik gerade am Besten zu dir.

Oder du brauchst neue Impulse, willst fremde Länder sehen und neue Menschen kennenlernen, Abenteuer erleben und nicht alles verplant haben. Du kannst gut mit einfachen Unterkünften leben und isst auch gerne Streetfood.

Dann wird es Zeit zum Reisen.

Was gerade ansteht, hängt allein von dir und euch als Familie ab. Wählt ihr das eine und braucht eigentlich das andere, kann das allerdings gewaltig in die Hose gehen. Deswegen ist es wichtig, sich vor der geplanten Reise erst mal über die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Mitreisenden auszutauschen. Und dann erst die Reise zu planen.

Wir waren gerade in Spanien beim Worldschoolvillage. Dort haben sich einige Familien getroffen, von denen manche zeitweise oder dauerhaft auf Reisen waren. Das war also eine gute Gelegenheit für uns alle, uns über Vor- und Nachteile vom Reisen mit Kindern auszutauschen.

Und die Erfahrungen, die wir gemacht haben, ähnelten sich doch sehr.

Mit Kindern habe ich einen anderen Kontakt zu den Menschen im Land.

Als positiv sahen wir, dass beim Reisen mit Kindern andere Kontakte mit der einheimischen Bevölkerung entstehen, als wenn wir alleine unterwegs sind. In vielen Ländern werden Kinder sehr freundlich empfangen. Die Menschen sind Familien gegenüber hilfsbereit und zugewandt.

Ich erinnere mich noch, wie ich einmal mit meiner kleinen Tochter und meiner Mutter in Antalya in einem Restaurant saß und die Kellner während des gesamten Aufenthalts von uns mit meiner Tochter gespielt haben.

Unvergessen ist meinen Kindern auch, dass sie in einem Restaurant am Strand in Thailand jeden Tag ein Eis geschenkt bekommen haben.
Oder der Tag, als ich mit Samuel zum Königspalast wollte und wir in China-Town hängengeblieben sind, weil er an dem ungewöhnlich frischen Tag mit ein paar Chinesen ein Feuerchen in einer Keksdose machte.

Mit Kindern Reisen ist toll, doch es gibt auch ein paar Schwierigkeiten. Welche das sind und wie du sie lösen kannst, liest du im Artikel.

Und meine große Tochter, die häkeln (nicht gerade meine Königsdisziplin) in den Everglades bei einer Servas-Gastgeberin lernte.

Mit Kindern bin ich nicht nur die Touristin, sondern eben auch eine Mutter. Und Mutter sein, das ist eine Erfahrung, die Kulturen überspringt.

Intensive Familienzeit

Mit den Kindern zu reisen bedeutet sehr intensiv zusammen zu sein. Wir teilen Erlebnisse, die Erinnerungen für das Leben werden können. Lernen eine Kultur gemeinsam kennen, vielleicht sogar deren Sprache. Das stärkt die Bindung zueinander.

Verantwortung

Sind wir auf Reisen mit unseren Kindern, können wir die Verantwortung für unsere Kinder nicht abgeben. Nicht an eine Kita oder Schule, nicht an die Großeltern und auch nicht an Babysitter. Dadurch sind wir ständig sehr nah an unseren Kindern dran. Gerade, wenn sie sonst viel in der Betreuung sind oder waren, ist das eine Chance, um die Bindung zu stärken und sich besser kennenzulernen und zu finden. Die Verantwortung stärkt auch das Selbstverständnis der Eltern als kompetente Begleiter für ihr Kind. 

Gründe für das Langzeitreisen:

Familien reisen aus unterschiedlichen Gründen. Manche wollen die Elternzeit nutzen, um andere Länder kennenzulernen. Andere Familien nehmen sich für mehrere Monate oder ein Jahr frei, um mit ihren älteren Kindern zu reisen. Und immer mehr Eltern sind als Dauerreisende unterwegs, weil sie mit der Schulpflicht in Deutschland nicht einverstanden sind und entweder keinen Platz an einer freien Schule bekommen hatten oder weil sie ihre Kinder ganz ohne Schule lernen lassen wollen.

Besonders, wenn eine Familie länger unterwegs ist, gibt es auch einige Schwierigkeiten zu bewältigen.

Bei unserer Gesprächsrunde drehte es sich ganz schnell um die Schwierigkeiten.

Und der Nachteil beim Reisen, das merkten vor allem die Mütter, ist, Zeit für sich zu finden. Denn selbst wenn die Eltern gemeinsam reisten, waren in erster Linie die Mütter die Ansprechpartner für die Kinder. Die Kinder wandten sich meistens an die Mütter, wenn sie Hunger hatten, wenn sie sich weh getan hatten, wenn sie etwas brauchten oder ihnen langweilig war.

Anscheinend ist es für Väter leichter, sich abzugrenzen, wenn sie gerade mit etwas anderem beschäftigt sind, als für Mütter. Allerdings trat dieselbe Problematik bei einem gleichgeschlechtlichen Paar auf. Auch dort gingen die Kinder mit ihren Bedürfnissen vor allem zu ihrer Mutter, die sich auch zu Hause hauptsächlich um die Kinder kümmerte.

Es war sogar so, dass die Mütter meinten, es fällt ihnen leichter, Zeit für sich zu finden, wenn sie mit den Kindern ohne ihren Partner unterwegs sind. Dann groovt sich ein gemeinsamer Rhythmus ein, der einen überschaubareren Tag schafft.

Wenn sie Zeit für sich brauchen, meinten die Mütter, dann müssten sich dafür die Meisten einen anderen Ort suchen.
Sehr schwierig ist es auch, wenn die Eltern gemeinsam reisen, Zeit für sich als Paar zu finden. Das kann zu Spannungen führen, weil es nicht leicht ist, Probleme anzugehen, wenn die Exklusivzeit zum ungestörten Reden als Paar fehlt.

Was gibt es für Möglichkeiten, damit die Bedürfnisse aller miteinander beachtet und erfüllt werden können?

Wir überlegten uns im Gespräch, was die Kinder brauchen, um zufrieden zu sein und wie ihre Bedürfnisse erfüllt werden könnten – und wie dabei trotzdem Freiraum für die Eltern entsteht.

Kinder, dass stellten wir fest, brauchen einen aus ihrer Erfahrung heraus zuverlässigen Ansprechpartner für ihre Bedürfnisse. War das bisher eben die Mutter, dann wenden sie sich an die Mutter. Mütter reagieren noch dazu häufig unmittelbarer, als die Väter. Das ist sicher durch die ersten Lebensjahre bedingt, in denen die Mutter die meiste Zeit mit den Kindern verbrachte. Sie haben die Babys gestillt und nahe bei sich gehabt.

Und selbst jetzt, auf Reisen, und auch ohne Kleinkinder, bleibt das erhalten.

Diese Muster innerhalb einer Familie ändern sich nicht so schnell. Das braucht Zeit und ein Bewusstsein darüber bei den Eltern, wie sie ihre Zeit mit den Kindern gestalten wollen.

Absprachen treffen

Es hilft, klare Absprachen zu treffen, wer sich wann um die Kinder kümmert, um Freiraum für jeden Elternteil zu schaffen. Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse zu übernehmen fällt Müttern oft schwer. Und Vertrauen zu haben, dass der Vater es auf seine Weise es gut und richtig macht.

Mit Kindern Reisen ist toll, doch es gibt auch ein paar Schwierigkeiten. Welche das sind und wie du sie lösen kannst, liest du im Artikel.

Kinder brauchen mehr als nur die Eltern

Sonst ist selbst der schönste Strand irgendwann langweilig.

Kinder brauchen nicht nur die Eltern, sie brauchen auch andere vertraute Erwachsene und Kinder.  Für Vertrauen braucht es Zeit. Die meisten Kinder sind erst nach einer Weile bereit, sich an andere Erwachsene zu wenden, wenn sie etwas brauchen.

Ebenso ist es mit den Kindern untereinander. Sie brauchen Zeit, um Freundschaften zu finden und ins Spiel zu kommen. „Geht doch mal spielen!“ geht eben nicht einfach so. Nur weil Kinder gerade im selben Alter sind, bedeutet das nicht, dass sie sofort miteinander spielen. Es gibt Kinder, die nehmen schnell zu anderen Kontakt auf, und andere Kinder, die da mehr Zeit brauchen.

Haben sie sowohl Spielkameraden als auch Beziehungen zu anderen Erwachsenen aufbauen können, dann entsteht mehr Freiraum für die Eltern.

Gerade für Reisefamilien, ob als Dauer- oder als Teilzeitreisende, ist es deshalb sinnvoll, längere Zeit an einem Ort, so wie beim Worldschoolvillage in Benimeli, zu verbringen.

„Wir brauchen mehr solche Orte!“ war der Wunsch von allen Familien. Orte, an denen die Menschen sich wiedersehen können und die Kinder ihre Freunde wieder treffen.

Zur Zeit vernetzen sich viele reisende Familien, so dass es immer leichter sein wird, auch beim Reisen nicht alleine zu sein und sich erneut an einem anderen Ort zu treffen, so dass die Kinder ihre Freunde und die bekannten Erwachsenen wiedersehen können.

So war es in diesem Jahr bei uns: Wir lernten Isabel und Adrian mit ihren Kindern im Januar auf Koh Phangan kennen, sahen uns im Sommer in Berlin wieder und trafen uns im Herbst beim Worldschoolvillage, wo wir uns ein Haus teilten.

Das ist für mich inzwischen eine richtig schöne Freundschaft. (Wenn du mehr über das Treffen in Koh Phangan lesen willst, was dieses Jahr wieder stattfindet, lies hier weiter: https://kindheitinbewegung.net/co-living-auf-ko-phangan/)

Unsere Kinder kennen sich mittlerweile so gut, dass sie sich schon aufs nächste Treffen freuen. Irgendwo auf der Welt!

Was habt ihr für Erfahrung mit dem Reisen mit euren Kindern gemacht. Wo hakte es? Was lief super? Was würdet ihr nächste Mal anders machen?

Wenn ihr euch mit anderen Familien vernetzen und treffen wollt, findet ihr hier Reisepartner und Treffen:

Nooba – Family Workation and Co-living

Alternative Familien weltweit

Das Alltagsalphabet

Antje Thiele und Boris Gräfe haben über ihr Leben als Reisefamilie ein Buch geschrieben. Hier erfahrt ihr mehr über das Buch mit vielen Tipps für werdende Reiseeltern oder einfach nur Neugierige: Das Alltagsalphabet

Viele Tipps zum Weltreisen mit Kind

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Schreib auch einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Dein Kommentar ... *

Dein echter Name *

Deine aktive E-Mail-Adresse * Deine Website

Newsletter abonnieren und nichts mehr verpassen

Werde über neue Artikel informiert und erhalte Tipps und Infos für dein Familienleben nur für Abonnenten!

Mit der Anmeldung stimmst du unserer Datenschutzerklärungzu. Du kannst dich jederzeit vom Newsletter abmelden. Datenschutzerklärung