Alles nur ein Spiel!

Wie etwas mehr Theater viel mehr Leichtigkeit und Freude in dein Familienleben bringen kann

Wir standen zusammen im Kreis und fassten uns an den Händen an. Dann forderte unser Regisseur uns auf, uns gemeinsam nach hinten fallen zu lassen. Der Kreis weitete sich einer Blume gleich, während sich unsere Hände festhielten und die Arme unter Spannung standen.
Würde einer loslassen, würden wir alle fallen.
Wir stützten uns gegenseitig!
Nach einer Weile löste der Regisseur die Übung auf. Wir hatten die Botschaft verstanden:
Jeder ist wichtig. Es gibt keine unbedeutenden Rollen. Nur, wenn wir uns alle stützen und halten, geht es gut.
“Es gibt keine kleine Rollen. Jede Rolle ist gleich viel wert für das Stück. Nur die Aufgaben sind unterschiedlich”, bestätigte unser Regisseur.
Er hat es immer geschafft, diese Wertschätzung während einer Inszenierung allen Mitspielenden zu geben und so eine arme Atmosphäre zu schaffen.

Jeder Einzelne ist genauso viel wert und genauso wichtig.

So ist es auch in der Familie.

Die Bedürfnisse von Jedem zählen. Deine und die Bedürfnisse der Kinder stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Fühlen sich Kinder im Familiengefüge unwichtig und nicht mehr mit ihren Bedürfnissen gesehen, hören sie auf zu kooperieren.

Dasselbe passiert übrigens auch in einer Theatergruppe, wenn den Spielern, die eine Rolle mit einer geringeren Bühnenpräsenz haben, nicht genug Wertschätzung entgegen gebracht wird. Sie kommen zu spät, stören die Proben durch Ablenkung oder “vergessen” gar Probentermine.

Wenn also dein Kind Anzeichen zeigt, dass es sich nicht genug wahrgenommen oder wertgeschätzt fühlt, dann stärke es. Schenke ihm ungeteilte Aufmerksamkeit, nehme wieder genau das wahr, was es zu etwas besonderem in eurer Familie macht. Und am Schönsten für dein Kind ist, wenn es dies auch hört.
Und schenke dir selber genau dieselbe Aufmerksamkeit und Wertschätzung, wenn du denkst, dass deine Bedürfnisse nicht zählen.
Du, deine Kinder, dein Partner, ihr alle seid wertvoll und wichtig in dem, was ihr füreinander seid und tut.

Über das Annehmen

Eine der wichtigsten Regeln beim Improvisationstheater ist:
Nehme die Angebote deiner Mitspielenden an.

Das hört sich einfach an, ist aber besonders für Impro-Anfänger eine ziemliche Herausforderung. Es bedeutet, wenn eine Mitspielende ein Spielangebot macht, es nicht abzulehnen, zu blockieren, sondern sich darauf einzulassen.
Blockieren sieht so aus:

2 Spielerinnen beginnen eine Szene. Vorgegeben ist nur der Ort, ein Flughafen. Schauspielerin A ruft freudig, während sie sich vor dem CheckIn anstellt: “Oh, Frau Doktor Baumer, Sie fliegen ja auch nach Ibiza? Das ist ja praktisch. Mir tut nämlich seit 4 Tagen mein Rücken so weh.”

Blockiert Schauspielerin B das Angebot, würde sie z.B. sagen: “Hä, wen meinen Sie? Ich bin nicht Frau Doktor Bauer!” (Klassiker beim Blockieren)

Oder: “Nein, ich habe meinem Mann nur sein Luchpaket gebracht und bin gleich wieder weg.” (Nicht ganz so starkes Blockieren, macht aber trotzdem das Weiterspiel schwerer)

Warum ist das Blockieren ein NoGo?

Es führt dazu, dass eine Szene sich nicht weiterentwickelt. Blockiert ein Spieler ein Angebot, fangen die Spieler sozusagen jedes Mal wieder neu an. Sie kommen nicht in den Spielflow.
Blockieren geschieht, weil der Spieler bereits eine eigene Idee hat und das Angebot des Spielers nicht dazu passt. Oder weil er die Rolle, die ihm zugeschrieben wurde, innerlich ablehnt. Blockieren ist ein Nein zum Mitspieler.
Annehmen bedeutet, immer wieder von den eigenen Ideen loszulassen, wenn ein Impuls vom Partner kommt. Und durch den Impuls etwas hineinzugeben, was das Spiel vorantreibt.
Es bedeutet auch, die Idee des anderen zu akzeptieren, auch wenn sie sich völlig von den eigenen Vorstellungen unterscheidet.
Nehmen die Spielenden wechselweise die Ideen an, kann ein wunderbarer Spielflow entstehen, der unglaublichen Spaß macht.

Annehmen würde bei der oben beschriebenen Szene zum Beispiel so aussehen:

“Ja, ich ziehe jetzt nach Ibiza zu meinem Geliebten.”
Oder:

“Ja, Sie können mich gerne privat konsultieren.”

“Ach wie schön, meine Lieblingspatientin ist hier. Wie geht es denn ihrem attraktiven Mann? Fliegt er auch mit?” (Frau Doktor Baumer schaut sich suchend um.)
Es gibt noch viele Möglichkeiten die Szene weiterzuentwickeln, indem die Mitspielenden immer wieder gegenseitig ihre Angebote annehmen. Wie sie das Angebot annehmen und was sie dann daraus machen, ist ihre Sache. Hauptsache, sie blockieren nicht.

Zurück zum Familienleben!

Wie oft blockieren wir vorschnell ein Angebot der Kinder, weil es nicht zu dem passt, was wir gerade vorhaben.
Ein Nein rutscht im Familienalltag so schnell heraus. Eine annehmende Haltung bedeutet nicht, alles zu tun, was das Kind will, genauso wenig wie beim Impro. Es bedeutet, das Angebot vom Kind stehen zu lassen und eine nicht blockierende Haltung dazu zu entwickeln.
Und wieder gibt es unzählige Möglichkeiten der Annahme, die so viel kreativer sind als ein schlichtes Nein.

Gefühle – die Würze des Lebens

Gefühle prägen unser gesamtes Leben.
Wenn wir uns einer Situation ausgeliefert fühlen, sind wir meistens von der Wucht unser Gefühle überwältigt. Das passiert Kindern und auch Eltern.

Im Theater spielen Gefühle eine zentrale Rolle. Sie sind der Motor für die Weiterentwicklung einer Szene. Doch dafür braucht es die Fähigkeit der Spielenden, ihre Gefühle nicht nur wahrzunehmen, sondern auch bewusst steuern zu können.

Beim Method Acting, einem von dem Russen Stanislawski bereits im 19 Jahrhundert entwickelte Schauspieltraining, erleben die Schauspieler die Gefühle, die sie zeigen, real auf der Bühne. Ebenso wichtig ist es, dass sie das Gefühl loslassen und in das nächste Gefühl gehen können, was die Szene braucht.

Schauspieler können also auf der Bühne etwas leben, was wir in vielen Alltagssituationen brauchen könnten.
Dafür nutzen Schauspieler ihr emotionales Gedächtnis. Erforschen, wo sie selbst solch ein Gefühl erlebt haben.
Und genauso wie die geübten Spieler ihre Gefühle bewusst selbst erzeugen, erzeugen auch wir unsere Gefühle selbst. Meistens ohne das entsprechende Bewusstsein über diesen Prozess und ohne die Fähigkeit, sie wieder loszulassen.
Ein Satz, eine Handlung oder ein Ort kann eine unbewußte Erinnerung aus unserem emotionalen Gedächtnis hervorholen mit den entsprechenden Gefühlszuständen.
Der Auslöser des Gefühls, zum Beispiel ein Satz von deinem Kind, ist zwar der Auslöser, doch nicht die Ursache für das Gefühl. Denn unsere Gefühle erzeugen wir in uns selbst.
Theater lehrt auf eine spielerische wunderbare Weise mehr Bewusstsein für die eigenen Gefühle und die Verantwortung dafür zu übernehmen.
Beim Improtheater gibt es eine Unzahl an Spielen, um sich dem Thema Gefühlen anzunähern. Manche eignen sich auch für Kinder.

Sich selbst neu kennenlernen

Theaterspielen, ob nun beim Improtheater oder bei der Arbeit an einer Inszenierung, ist eine herrliche Möglichkeit, sich in verschiedenen Rollen auszuprobieren. Wir können eine schüchterne Verkäuferin spielen, die sich kaum traut, einen Satz zu sagen. Oder einen aggressiven Kunden, der auf seinem recht pocht. Oder einen ehrgeizigen Tennislehrer. Eine selbstbewusste Tänzerin..
Und damit wir nicht immer wieder dieselben Charaktere spielen, gibt es auch dafür Übungen.
So können wir immer wieder erleben, was alles in uns steckt. Und dass das, was wir im Alltag leiben und von uns zeigen, nur ein Teil unserer Möglichkeiten zeigt. Vielleicht gefällt dir eine Eigenschaft deiner Figuren so sehr, dass du Elemente davon in dein Leben nehmen möchtest.

Unsere Persönlichkeit entwickelt sich ein Leben lang weiter und das Theater bietet einen geschützten Raum, um sich auszuprobieren.

Freude

Der vielleicht wichtigste Aspekt vom Theaterspielen: Es bereitet unglaubliche Freude.

Es gibt beim Improtheater so viele grandiose Spiele, die uns in eine gelöste Stimmung bringen, die viele zuletzt als Kind gespürt haben. Denn der Spieltrieb verschwindet nicht mit dem Ende der Kindheit. Er ist oft nur verschüttet unter den Konditionierungen unserer Gesellschaft, die erwartet, dass wir uns “erwachsen” verhalten.

Theater kitzelt unseren ursprünglichen Spieltrieb wieder hervor.

Es war für mich jedes Mal berührend, wenn ich in einer Gruppe, die ich angeleitet habe, bei einem neuen Mitspieler den Wandlungsprozess sehen konnte.
Da kommt dann jemand gerade aus dem Büro und zum Aufwärmen gibt es ein Fangespiel. Meist sind die Neulinge erst irritiert – sie wollen schließlich ernsthaft Theater spielen – um nur kurze Zeit später lachend durch den Raum zu jagen.
Auch mit einer Gruppe zusammen an einer Inszenierung zu arbeiten verbindet uns in großer Freude und schafft zugleich eine starke Verbindung. Denn, wie ich oben beschrieb: “Jeder ist wichtig.”

Theaterspielen bringt nicht nur in dein eigenes Erleben mehr Leichtigkeit und Freude. Du kannst auch viele der Theaterspiele in dein Familienleben integrieren und so manche anstrengen Situationen auflösen.
Es gibt auch Methoden beim Theater wie beim Forumtheater, die uns erlauben, durch das Potential der Spieler neue Wege in einem festsitzenden Konflikt zu finden.

Der aller – allerwichtigste Punkt aber ist: Theaterspielen macht glücklich.

 

P.S.
Am 3. Dezember startet der Onlinekurs Weniger Streit – Mehr Liebe, in den ich auch Impulse aus dem Theaterspiel einfließen lasse. denn Konflikte lösen sich manchmal spielerisch viel leichter.
Hier findest du mehr Infos zu dem Kurs: Weniger Streit – Mehr Liebe

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