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“Hilfe, mein Kind ist in der Pubertät!” Tipps und Strategien für eine starke Eltern-Kind-Bindung auch mit Teenagern.

Ein umfassender Leitfaden zur Pubertät für bindungs- und bedürfnisorientierte Eltern

Die Pubertät ist eine aufregende und oft herausfordernde Phase im Leben eines Kindes und seiner Eltern. Für Eltern, die die gute Verbindung zu ihrem Kind erhalten oder verbessern wollen, ist es besonders wichtig, diese Zeit mit Empathie, Verständnis und Unterstützung zu begleiten.

Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Pubertät und gibt praktische Tipps und Strategien, wie Eltern ihre Kinder in dieser Phase bestmöglich unterstützen können.

Ein typischer Morgen im Leben eines Teenagers

Es ist Dienstagmorgen, und der Wecker klingelt um 6:30 Uhr. Sabine betritt das Zimmer ihres 15-jährigen Sohnes Tim, um ihn für die Schule zu wecken. „Tim, aufstehen! Es ist Zeit für die Schule“, sagt sie. Keine Reaktion. „Tim, wirklich, es ist Zeit, aufzustehen“, wiederholt sie lauter.

Tim brummelt: „Lass mich in Ruhe!“, und dreht sich um. Sabine wird ungeduldig. „Wenn du nicht sofort aufstehst, wirst du zu spät kommen, und dann gibt es Ärger mit den Lehrern.“

Tim antwortet patzig: „Mir egal, ich bin müde!“ Sabine ist frustriert und zieht die Decke weg. „Das reicht jetzt! Aufstehen!“

Tim springt wütend aus dem Bett und schreit: „Warum kannst du mich nicht einfach schlafen lassen? Du machst alles nur schlimmer!“ Sabine seufzt resigniert, und der Morgen beginnt für beide schlecht.

Kleiner Spoiler: So muss das morgens nicht ablaufen. In dem Artikel gebe ich dir später noch konkrete Tipps, wie es morgens leichter laufen kann.

Was passiert eigentlich genau in der Pubertät im Körper und im Gehirn?

Die Pubertät ist eine Zeit intensiver körperlicher und geistiger Veränderungen. Diese Phase beginnt, wenn das Gehirn beginnt, Hormone freizusetzen, die die Reifung der Geschlechtsorgane und andere körperliche Veränderungen auslösen.

Körperliche Veränderungen:

  • Wachstumsschub: Kinder erleben in der Pubertät einen schnellen Wachstumsschub. Arme und Beine wachsen oft schneller als der Rest des Körpers, was manchmal zu unkoordinierten Bewegungen führen kann.
  • Entwicklung der Geschlechtsmerkmale: Bei Mädchen beginnt die Brustentwicklung, und die erste Menstruation tritt auf. Bei Jungen vergrößern sich die Hoden und der Penis, und sie erleben ihren ersten Samenerguss.
  • Haut- und Haarveränderungen: Die Haut produziert mehr Öl, was zu Akne führen kann, und es wächst mehr Körperbehaarung.

Gehirnentwicklung:

  • Präfrontaler Kortex: Dieser Bereich des Gehirns, der für Planung, Entscheidungsfindung und Impulskontrolle verantwortlich ist, reift während der Pubertät weiter. Allerdings ist er erst im jungen Erwachsenenalter vollständig entwickelt, was erklärt, warum Teenager manchmal impulsiv handeln.
  • Limbisches System: Das emotionale Zentrum des Gehirns entwickelt sich schneller als der präfrontale Kortex. Dies kann zu intensiven Gefühlen und Stimmungsschwankungen führen.

Wann beginnt die Pubertät und wie lange dauert sie?

Die Pubertät beginnt in der Regel zwischen dem 8. und 13. Lebensjahr bei Mädchen und zwischen dem 9. und 14. Lebensjahr bei Jungen. Diese Zeitspanne kann jedoch variieren, da die Pubertät stark von genetischen und Umweltfaktoren beeinflusst wird. Die gesamte Phase der Pubertät dauert normalerweise zwischen 2 und 5 Jahren, aber der Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter kann bis in die frühen 20er Jahre andauern.

Wie verhalten sich Kinder in der Pubertät?

Teenager verhalten sich in der Pubertät oft anders als in ihrer Kindheit. Diese Verhaltensänderungen sind eine natürliche Reaktion auf die körperlichen und hormonellen Veränderungen, die sie durchmachen.

Typische Verhaltensweisen:

  • Stimmungsschwankungen: Durch die hormonellen Veränderungen können Teenager plötzlich von fröhlich zu traurig oder wütend wechseln.
  • Suche nach Identität: Teenager beginnen, ihre eigene Identität zu entwickeln und hinterfragen oft die Werte und Regeln ihrer Eltern.
  • Bedürfnis nach Unabhängigkeit: Ein starkes Bedürfnis nach Unabhängigkeit kann zu Konflikten mit den Eltern führen. Jugendliche möchten ihre eigenen Entscheidungen treffen und ihre Privatsphäre schützen.
  • Soziale Beziehungen: Gleichaltrige werden immer wichtiger, und Teenager suchen Anerkennung und Zugehörigkeit in ihren Freundesgruppen.

Im Alltag: Chaos im Zimmer

Anna betritt das Zimmer ihrer 14-jährigen Tochter Lisa und ist schockiert über das Chaos. „Lisa, kannst du bitte dein Zimmer aufräumen? Hier sieht es aus wie in einem Schlachtfeld“, sagt sie und hebt eine Socke vom Boden auf.

Lisa schaut kaum von ihrem Handy auf und murmelt: „Mach ich später.“ Anna wird ärgerlich. „Nein, nicht später. Jetzt! Es sieht furchtbar aus.“

Lisa rollt mit den Augen und sagt: „Warum musst du immer so nerven? Ich weiß, wo alles ist.“ Anna reißt ihr das Handy aus der Hand. „Nein, das reicht! Du räumst jetzt auf, sofort!“

Lisa springt auf und schreit: „Gib mir mein Handy zurück! Du bist so unfair!“ Beide sind wütend und verletzt, und der Streit eskaliert ohne Lösung.

Kennst du solche Konflikte? Wie löst du sie?  Oder habt ihr immer wiederkehrende Auseinandersetzungen ohne Lösungen?

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Wie können Eltern ihre Kinder in der Pubertät unterstützen?

Eltern können eine entscheidende Rolle dabei spielen, ihren Kindern während der Pubertät Unterstützung und Orientierung zu bieten. Hier sind einige bewährte Strategien, die auch auf den Prinzipien von Jesper Juul, Marshall B. Rosenberg und Ross Greene basieren:

  1. Empathie und Verständnis: Versuche, die Perspektive deines Kindes zu verstehen. Zeige Mitgefühl für die Herausforderungen, die es durchmacht. Wie Jesper Juul betont, ist es wichtig, das Kind als gleichwürdige Person zu betrachten.
  2. Offene Kommunikation: Fördere eine offene und ehrliche Kommunikation. Höre aktiv zu, ohne zu urteilen, und ermutige dein Kind, seine Gedanken und Gefühle zu teilen. Marshall B. Rosenberg’s GFK-Prinzipien sind hier besonders hilfreich, um empathisch und wertschätzend zu kommunizieren.
  3. Regeln: Regeln müssen verständlich sein und Sinn machen. Sonst werden sie missachtet und führen zu Widerstand. Jugendliche brauchen Struktur, aber auch Raum, um ihre Unabhängigkeit zu erkunden. Ross Greene betont die Bedeutung der kollaborativen und proaktiven Problemlösung (CPS), um gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden.
  4. Positive Vorbilder: Sei ein positives Vorbild in Bezug auf Verhalten und Konfliktlösung. Deine Reaktionen und dein Verhalten haben einen großen Einfluss auf dein Kind.
  5. Unterstützung bieten: Biete Unterstützung an, sei es durch Gespräche, Hilfe bei schulischen Problemen oder einfach durch deine Präsenz.

 

Wie sieht das praktisch aus?

Hier gebe ich dir einen Beispielsdialog, wie in einem wiederkehrenden Konflikt die Eltern gemeinsam mit ihrer Tochter eine Lösung finden.

Lösungsdialog: Konflikte mit kleineren Geschwistern

Situation: Lena, 15 Jahre alt, hat ständig Konflikte mit ihren kleineren Geschwistern, Max (8 Jahre) und Sophie (6 Jahre). Die Eltern, Sabine und Martin, wollen eine friedliche Lösung finden.

Dialog:

Sabine: (Beginnt mit einer Beobachtung ohne Bewertung) „Lena, mir ist aufgefallen, dass es in letzter Zeit öfter Streit zwischen dir und Max und Sophie gibt, besonders wenn ihr zusammen im Wohnzimmer seid.“

Lena: (genervt) „Ja, sie nerven einfach ständig. Ich kann nichts machen, ohne dass sie mich stören.“

Martin: (zeigt Empathie) „Das kann ich verstehen. Es ist frustrierend, wenn man seine Ruhe haben möchte und immer wieder unterbrochen wird.“

Lena: (etwas entspannter) „Genau. Ich will einfach nur mal in Ruhe meine Sachen machen.“

Sabine: (ausdrücken der eigenen Gefühle und Bedürfnisse) „Wir machen uns Sorgen, weil wir möchten, dass ihr euch alle gut versteht und es zu Hause friedlich ist. Es ist wichtig für uns, dass jeder seinen Raum hat und sich wohlfühlt.“

Martin: (weiterführend) „Wir würden gerne verstehen, was genau dich stört und wie wir dir helfen können, damit du dich besser fühlst.“

Lena: (nachdenklich) „Es ist einfach, dass sie immer in mein Zimmer kommen und meine Sachen anfassen. Und wenn ich im Wohnzimmer bin, wollen sie ständig mit mir spielen.“

Sabine: (zeigt Verständnis und fragt nach Bedürfnissen) „Es klingt, als ob du mehr Privatsphäre und Zeit für dich allein brauchst. Stimmt das?“

Lena: (nickt) „Ja, das wäre gut. Ich liebe sie, aber manchmal brauche ich einfach meine Ruhe.“

Martin: (entwickelt gemeinsam eine Lösung) „Wie wäre es, wenn wir feste Zeiten einführen, in denen du ungestört in deinem Zimmer sein kannst? Und im Wohnzimmer könnten wir eine klare Regel haben, dass du dort ungestört bist, wenn du das möchtest.“

Lena: (offener) „Das könnte helfen, aber sie werden sicher trotzdem kommen und stören.“

Sabine: (kollaborative Problemlösung) „Das verstehe ich. Vielleicht könnten wir mit Max und Sophie sprechen und ihnen erklären, warum du deine Ruhe brauchst. Wir könnten auch Aktivitäten für sie planen, damit sie beschäftigt sind, wenn du deine Zeit für dich hast.“

Lena: (zustimmend) „Ja, das wäre gut. Und vielleicht könnte ich auch mal mit ihnen spielen, wenn ich fertig bin. Dann wissen sie, dass sie auch ihre Zeit mit mir haben.“

Martin: (bestätigend) „Super, dann probieren wir das aus. Wir sprechen mit Max und Sophie und erklären ihnen, wie wichtig deine Ruhezeit ist. Und wenn du merkst, dass es nicht funktioniert, lass uns das wissen. Wir wollen eine Lösung finden, die für alle passt.“

Sabine: (ermutigend) „Genau. Wir sind eine Familie, und wir finden gemeinsam einen Weg, dass sich jeder wohlfühlt.“

Lena: (erleichtert) „Okay, danke. Ich werde es versuchen.“

In diesem Dialog zeigen die Eltern Verständnis für Lenas Bedürfnisse und finden gemeinsam mit ihr eine Lösung. Sie respektieren Lenas Wunsch nach Privatsphäre und sorgen dafür, dass auch die kleineren Geschwister einbezogen werden und verstehen, warum Lena ihre Zeit für sich braucht. Durch kollaborative und proaktive Problemlösung entsteht ein Plan, der für alle Beteiligten akzeptabel ist.

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Was brauchen Kinder von ihren Eltern in der Pubertät?

Kinder in der Pubertät brauchen von ihren Eltern vor allem:

  1. Sicherheit: Ein stabiles und sicheres Zuhause gibt Teenagern das Gefühl, dass sie immer einen Rückzugsort haben.
  2. Akzeptanz: Die bedingungslose Akzeptanz ihrer Person stärkt ihr Selbstwertgefühl. Jesper Juul betont, dass es wichtig ist, das Kind so zu akzeptieren, wie es ist, ohne es verändern zu wollen.
  3. Respekt: Respektiere ihre Meinung und ihre Entscheidungen. Das zeigt ihnen, dass du ihnen vertraust und sie ernst nimmst. GFK-Prinzipien helfen dabei, respektvolle und gewaltfreie Kommunikation zu fördern.
  4. Geduld: Pubertät ist eine Zeit der Veränderung und oft auch der Rebellion. Geduld hilft, Konflikte zu entschärfen und Vertrauen aufzubauen.

Welche Risiken gibt es für Kinder in der Pubertät?

Die Pubertät bringt einige Risiken mit sich, darunter:

  1. Psychische Gesundheit: Teenager sind anfällig für Depressionen, Angststörungen und andere psychische Probleme. Studien zeigen, dass elterliche Unterstützung und offene Kommunikation das Risiko für psychische Probleme reduzieren können.
  2. Riskantes Verhalten: Sie neigen dazu, risikoreiche Entscheidungen zu treffen, wie zum Beispiel Alkohol- und Drogenkonsum oder gefährliches Verhalten im Straßenverkehr.
  3. Mobbing und sozialer Druck: Der Druck, in sozialen Kreisen akzeptiert zu werden, kann zu Mobbing und sozialer Isolation führen.

Wenn du dir Sorgen um dein Kind machst, weil es sich stark zurückzieht und wenige ansprechbar ist, zögere nicht, dir Hilfe zu suchen. Lieber zu früh als zu spät.
Hier findest du eine Liste mit hilfreichen Telefonnummern und Adressen:
Ressourcen für Familien in Krisensituationen

Welche Herausforderungen haben sie zu bewältigen?

Jugendliche müssen während der Pubertät viele Herausforderungen meistern:

  1. Identitätsfindung: Sie müssen herausfinden, wer sie sind und wer sie sein wollen.
  2. Schulische Anforderungen: Die Anforderungen in der Schule nehmen zu, und sie müssen lernen, mit Stress und Leistungsdruck umzugehen.
  3. Beziehungen: Sie entwickeln romantische und freundschaftliche Beziehungen, die oft komplex und emotional intensiv sind.

Ein Beispiel für diese Herausforderungen ist Anna, die sich selbst 16 Jahren in der Schule unter großem Druck setzt, gute Noten zu erzielen, während sie gleichzeitig ihre erste Beziehung navigiert. Ihre Eltern unterstützen sie, indem sie sie ermutigen, ihre Gefühle auszudrücken, und ihr helfen, einen gesunden Balanceakt zwischen Schule und Freizeit zu finden.
So kann sie immer mehr ihre emotionalen Kompetenzen entwickeln.

Welche Probleme können Kinder in der Pubertät haben und was hilft ihnen dann?

Jugendliche können auf eine Vielzahl von Problemen stoßen, einschließlich:

  1. Selbstwertprobleme: Ein geringes Selbstwertgefühl kann zu Selbstzweifeln und Depressionen führen. Hier hilft es, positive Verstärkung und Anerkennung zu geben.
  2. Soziale Konflikte: Streitigkeiten mit Freunden oder Mobbing können das Selbstbild und die mentale Gesundheit stark belasten. Eltern sollten hier als Zuhörer und Ratgeber zur Verfügung stehen.
  3. Schulische Herausforderungen: Schwierigkeiten in der Schule können zu großem Stress führen. Unterstützung bei den Hausaufgaben und Lernstrategien kann hilfreich sein.

Studien zeigen, dass eine unterstützende und offene Eltern-Kind-Beziehung das Risiko für psychische Probleme und riskantes Verhalten reduziert. Ein Beispiel hierfür ist die Studie von Steinberg und Silk (2002), die herausfanden, dass elterliche Unterstützung und eine gute Kommunikation das Wohlbefinden von Jugendlichen signifikant verbessern.

Wie können Eltern und Kind einen guten Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter schaffen?

Ein guter Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter erfordert:

  1. Starke Bindungen: Pflegt eure Beziehung durch gemeinsame Aktivitäten und regelmäßige Gespräche.
    In meinem Minikurs “Bindungsmagie – Bindung stärken leicht gemacht” findest du eine Vielzahl an Ideen, die auch die Bindung zu Jugendlichen stärken.
  2. Vorbereitung auf die Zukunft: Helft eurem Kind, realistische Ziele zu setzen und unterstützt es bei der Planung seiner Zukunft.
  3. Förderung von Unabhängigkeit: Gebt eurem Kind Raum, eigene Entscheidungen zu treffen und aus Fehlern zu lernen.

Ein Beispiel dafür ist die Familie Schneider, die die Wünsche ihres Sohnes Lukas sehr ernst nahm und ihn ermutigte, verschiedene Interessen zu erkunden. Sie unterstützten ihn dabei, Praktika zu absolvieren und gaben ihm gleichzeitig die Freiheit, seine eigenen Entscheidungen zu treffen.

Die Pubertät ist eine herausfordernde, aber auch aufregende Zeit, die mit der richtigen Unterstützung und Kommunikation gut bewältigt werden kann. Eltern, die auf eine bindungsorientierte Elternschaft setzen, können ihren Kindern helfen, diese Phase mit Selbstbewusstsein und emotionaler Stärke zu durchlaufen.

Durch Empathie, offene Kommunikation und bedingungslose Akzeptanz können Eltern eine starke und unterstützende Beziehung aufrechterhalten, die ihren Kindern hilft, sich zu gesunden und selbstbewussten Erwachsenen zu entwickeln.

Die Bedeutung der gewaltfreien Kommunikation (GFK) in der Pubertät

Die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg bietet einen wertvollen Rahmen, um die Kommunikation zwischen Eltern und Jugendlichen zu verbessern. Sie basiert auf vier grundlegenden Komponenten: Beobachtungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten.

  1. Beobachtungen: Beschreibe, was du siehst, ohne zu bewerten. Zum Beispiel: “Ich sehe, dass du in letzter Zeit viele Stunden mit deinen Freunden verbringst.”
  2. Gefühle: Teile deine Gefühle mit, ohne zu beschuldigen. Zum Beispiel: “Ich fühle mich besorgt, weil ich nicht weiß, wie es dir geht.”
  3. Bedürfnisse: Ausdruck deiner Bedürfnisse. Zum Beispiel: “Ich brauche Sicherheit, dass du sicher bist und es dir gut geht.”
  4. Bitten: Formuliere klare und machbare Bitten. Zum Beispiel: “Könntest du mir bitte Bescheid sagen, wenn du später nach Hause kommst?”

Durch die Anwendung der GFK können Eltern eine offenere und respektvollere Kommunikation mit ihren Jugendlichen fördern, die zu einem besseren Verständnis und einer stärkeren emotionalen Verbindung führt.

Hier erfährst du mehr über die GFK: Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation

Jesper Juuls Ansatz der gleichwürdigen Beziehung

Jesper Juul betont die Bedeutung gleichwürdiger Beziehungen zwischen Eltern und Kindern. Gleichwürdigkeit bedeutet, dass die Gefühle und Meinungen der Kinder genauso wichtig sind wie die der Eltern. Diese Haltung fördert das Selbstwertgefühl und die Eigenverantwortung der Jugendlichen.

Ein Beispiel für Juuls Ansatz ist die Familie Meier. Ihre Tochter Sophie, 13 Jahre alt, fühlt sich oft missverstanden. Die Eltern nehmen sich bewusst Zeit, um Sophies Ansichten anzuhören und ihr das Gefühl zu geben, dass ihre Meinung zählt. Sie beziehen Sophie in Entscheidungen ein und respektieren ihre Wünsche, was zu einer stärkeren Bindung und mehr Vertrauen führt.

Ross Greenes kollaborative und proaktive Problemlösung (CPS)

Ross Greene betont die Bedeutung der Zusammenarbeit bei der Problemlösung. Sein Ansatz der kollaborativen und proaktiven Problemlösung (CPS) hilft Eltern und Kindern, gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden. Dies fördert die Autonomie und die Problemlösungsfähigkeiten der Jugendlichen.

Beispiel: Hausaufgabenproblem mit einem 15-jährigen Jugendlichen

Situation: Max, 15 Jahre alt, macht seine Hausaufgaben nicht regelmäßig. Seine Eltern, Thomas und Julia, sind besorgt über seine schulischen Leistungen und möchten das Problem gemeinsam mit ihm lösen.

Dialog:

Thomas: (Beginnt mit einer Beobachtung ohne Bewertung) “Max, mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit deine Hausaufgaben nicht gemacht hast. Ich habe gesehen, dass einige Aufgaben noch unvollständig auf deinem Schreibtisch liegen.”

Max: (genervt) “Ja, und? Ich habe einfach keine Lust darauf.”

Julia: (zeigt Empathie) “Das kann ich verstehen. Hausaufgaben können wirklich nervig sein, besonders wenn man schon den ganzen Tag in der Schule war.”

Max: (entspannter) “Ja, genau. Ich bin einfach müde und möchte lieber etwas anderes machen.”

Thomas: (ausdrücken der eigenen Gefühle und Bedürfnisse) “Wir machen uns Sorgen, weil wir möchten, dass du in der Schule gut zurechtkommst und dir später alle Türen offen stehen. Gute Noten sind dafür wichtig.”

Julia: (weiterführend) “Wir würden gerne verstehen, warum es dir so schwerfällt, die Hausaufgaben zu machen. Gibt es etwas, das wir tun können, um dir zu helfen?”

Max: (nachdenklich) “Ich weiß nicht… Ich finde einfach, dass die Aufgaben langweilig sind und manchmal verstehe ich sie auch nicht richtig.”

Thomas: (zeigt Verständnis und fragt nach Bedürfnissen) “Es klingt, als ob du Unterstützung und vielleicht auch mehr Abwechslung bei den Aufgaben brauchst. Stimmt das?”

Max: (nickt) “Ja, vielleicht. Manchmal weiß ich nicht, wie ich anfangen soll, und dann gebe ich auf.”

Julia: (entwickelt gemeinsam eine Lösung) “Wie wäre es, wenn wir uns zusammen hinsetzen und die Aufgaben durchgehen? Vielleicht können wir eine feste Zeit am Tag finden, in der wir dir helfen, und du dann den Rest alleine machst?”

Max: (offener) “Das könnte helfen, aber ich möchte auch noch Zeit für meine Hobbys haben.”

Thomas: (kollaborative Problemlösung) “Das ist verständlich. Lass uns gemeinsam einen Plan machen. Wie klingt es, wenn du jeden Tag eine Stunde für Hausaufgaben einplanst und vorher Freizeit hast? Wir könnten das anpassen, wenn du mehr oder weniger Unterstützung brauchst. Passt die Zeit vor dem Abendessen für dich oder direkt nach der Schule?”

Max: (zustimmend) “Vor dem Abendessen die Stunde. Direkt nach der Schule brauche ich erst mal eine Pause.”

Julia: (bestätigend) “Super, dann probieren wir das aus. Und wenn du merkst, dass es nicht funktioniert oder du weiterhin Probleme hast, lass uns das wissen. Wir wollen dir helfen, eine Lösung zu finden, die für dich funktioniert.”

Max: (zustimmend) “Das klingt fair. Ich kann es versuchen.”

Thomas: (ermutigend) “Genau. Wir sind ein Team, und wir schaffen das gemeinsam.”

Max: (erleichtert) “Okay, danke. Ich werde es versuchen.”

In diesem Dialog nach den Prinzipien von Ross Greene und Marshall B. Rosenberg zeigen die Eltern Empathie, hören aktiv zu und entwickeln gemeinsam mit Max eine Lösung. Sie respektieren seine Bedürfnisse und sorgen dafür, dass er sich gehört und unterstützt fühlt, während sie gleichzeitig ihre eigenen Sorgen und Bedürfnisse ausdrücken. Durch kollaborative und proaktive Problemlösung entsteht ein Plan, der für alle Beteiligten akzeptabel ist.

Studienergebnisse zur Eltern-Kind-Beziehung in der Pubertät

Zahlreiche Studien haben die Bedeutung einer positiven Eltern-Kind-Beziehung in der Pubertät bestätigt. Eine Studie von Allen und Hauser (1996) zeigt, dass Jugendliche, die eine enge und unterstützende Beziehung zu ihren Eltern haben, weniger anfällig für psychische Probleme sind und besser mit Stress umgehen können.

Eine weitere Studie von Smetana, Campione-Barr und Metzger (2006) unterstreicht die Bedeutung von Vertrauen und Kommunikation. Sie fanden heraus, dass offene und vertrauensvolle Kommunikation das Risiko von Konflikten reduziert und die emotionale Bindung stärkt.

Deswegen sollten Eltern es nicht einfach hinnehmen, wenn die Kommunikation sich in der Pubertät verschlechtert. Es ist nie zu spät, die Kommunikation in der Familie zu verbessern. 
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Pubertät: Zeit des Wandels und der Chancen

Die Pubertät ist eine transformative Phase, die sowohl Herausforderungen als auch Chancen bietet.

Für Eltern ist es entscheidend, ihre Kinder mit Empathie, Verständnis und Unterstützung zu begleiten. Die Prinzipien der gewaltfreien Kommunikation, gleichwürdige Beziehungen und kollaborative Problemlösung bieten wertvolle Werkzeuge, um eine starke und unterstützende Eltern-Kind-Beziehung zu fördern.

Indem Eltern offen und respektvoll kommunizieren, ihre Kinder als gleichwürdige Partner betrachten und gemeinsam Lösungen erarbeiten, können sie ihren Kindern helfen, sich zu selbstbewussten und emotional starken Erwachsenen zu entwickeln.

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Dagmar

Dagmar Gericke von der Feeling Family®: Ich bin Mutter von vier Kindern im Alter zwischen 9 und 30 Jahren. Außerdem bin ich Kommunikationstrainerin, Theaterpädagogin und Elternbloggerin. Ich bin davon überzeugt, dass wir, indem wir uns selbst und unsere Familien heilen, auch unsere tief zerstrittene Welt heilen. Der Wandel beginnt immer bei uns selbst. Willst du mehr über mich wissen? Dann schaue hier: https://feelingfamily.com/about/