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Wenn die Affen die Führung in deiner Familie haben! (Anders, als du denkst.)

Es war unsere erste Nacht auf dieser paradiesischen Insel. 
 
Wir waren mit unseren vier Kindern erst kurz vorher in Thailand angekommen und hatten eine abenteuerliche Anreise hinter.

Das kleine Familienresort, in dem wir die nächsten Wochen verbringen würden, war nur mit dem Boot erreichbar.

Mitten auf dem offenen Meer stiegen wir von der Fähre in eines der typischen Longtailboote um, was uns zum Resort bringen sollte.
 
Das war für den Tag bereits genug Abenteuer, vor allem für meine Jüngste, die damals erst  3 Jahre alt war.
 
Als wir im Resort ankamen, wollte mein Mann eine Tüte mit Essen zu unserem Bungalow bringen.
Da rief  Ann,  die Chefin vom Resort:“ Oh, no food in the rooms because of the monkeys.“  

Mein Mann  aß  schnell noch die letzte Pizza, die wir am Hafen gekauft haben, auf unserer Terrasse auf. Bloss kein Essen verschwenden.
 
Danach gingen wir erst mal in dem unglaublich warmen Meer baden.
 
Da wir früh aufgestanden sind und immer noch mit der Zeitverschiebung zu kämpfen hatten, gingen wir früh zu Bett. 
 
Meine Jüngste schlief bei mir. Aber wir schliefen unruhig. 
 
Sie wachte mitten in  der Nacht auf und sagte, sie möchte jetzt aufstehen und spielen.  
 
Als sie nach 2 Stunden wieder einschlief, hielten mich die schrillen Schreie der Zikaden wach. 
 
Plötzlich hörte  ich etwas Schweres auf das Dach springen und dort hin und her laufen.
 
Fauchen und Kreischen. 
 
Vom Bett sah ich im fahlen Morgenlicht durch die Lamellen meiner Tür die Affen vorbei laufen. 
 
So sah ich sie zum ersten Mal, die Affen.
 
Einer der Affen rüttelte heftig an der lässig verschlossenen Terrassentür.

Meine Jüngste war inzwischen wieder wach  und flüsterte: “Ich habe Angst, Mama. Ich will nicht mehr nach Thailand.“ 
 
„Die tun uns nichts, Miri. Ich verscheuche sie mal,“ antwortete ich. 
 
Ganz so sicher, ob die Affen harmlos waren, war ich mir aber nicht. 
 
Ein kräftiger Affe rüttelte immer noch an der Tür,  die ich ja nur nachlässig verschlossen hatte.  
 
Ich schob das Mückennetz beiseite,  stand auf und ging zur Tür. Ich rief laut:“Hey, Hey! Ruhe jetzt!“ und schlug zweimal kräftig gegen die Tür. 
 
Tatsächlich verschwanden die Affen und es kehrte Ruhe ein. 
 
Ich zog noch alle Riegel fest an, bevor ich mich wieder hinlegte.
 
Die Nacht war für aber zu Ende, denn wir konnten nicht mehr einschlafen.
 
Später hörte ich, dass die Affen im ganzen Resort auf den Hütten getobt haben. 
 
Ein älterer Deutscher, der hier regelmäßig im Winter ist, sagte mir, dass die Affen auf keinen Fall in die Hütten gelangen dürfen. Dann sind sie Chef und greifen einen auch an. Oha!
 
Monkeymind!
 
Affengeist!
 
So nennen die Buddhisten die Eigenschaft unseres Geistes, das ihm unsere Gedanken wie eine wildgewordene Horde Affen umherspringen und sich kaum beruhigen lassen.

Wir können es Gedankenkarussell, mentale Prozesse, Stimmen im Kopf, innere Unruhe oder inneren Kritiker nennen. 
 
Diese Gedanken sind Teil von uns, und doch sind wir nicht unsere Gedanken.
 
Sich der eigenen Gedanken bewusst zu werden, ohne sich von ihnen steuern zu lassen ist ein wichtiges Ziel im Achtsamkeitstraining.

Denn meistens sind es vor allem unsere Gedanken, die in uns Stress und Unruhe erzeugen.

So kann aus den vergessenen Hausaufgaben deines Drittklässler-Kindes in deinem Kopf ganz schnell ein Jugendlicher ohne Schulabschluss werden. Die Affen erledigen ihren Job gut.
 
Oder aus dem Dreijährigen, der einen Kindergartenfreund haut, wird im Kopf ein nicht mehr zu bändigender Jugendlicher. Was dann noch die anderen wohl denken?

Und so kann die ganze Angelegenheit gleich sehr existentiell werden.

Der Streit viel heftiger werden als beabsichtigt.
 
Uns unserer eigenen Gedanken bewusst zu werden ist der erste Schritt vom Ausstieg aus der Stress-Streit-Spirale.

Die Affen in unserem Kopf sind da. Sie haben ja auch ihre Berechtigung. Sie sind nicht gegen uns.

Entscheidend ist, dass wir im richtigen Augenblick für Ruhe sorgen können und uns von unseren Affengeist nicht treiben lassen. 
 
Sonst sind die Affen im Kopf der Chef.
 
Beobachte doch mal, wie oft im Leben mit deinen Kindern eine Affenhorde durch deinen Kopf rast und was das mit dir macht. 
 
Je besser wir unsere Affen  kennen, desto zahmer werden sie.

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Notfallplan

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Dagmar

Dagmar Gericke von der KINDHEIT IN BEWEGUNG: Ich bin Mutter von vier Kindern im Alter zwischen 6 und 27 Jahren. Außerdem bin ich Kommunikationstrainerin, Theaterpädagogin und Elternbloggerin. Ich bin davon überzeugt, dass wir, indem wir uns selbst und unsere Familien heilen, auch unsere tief zerstrittene Welt heilen. Der Wandel beginnt immer bei uns selbst.

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