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Wie Kinder lernen, sich selbst zu vertrauen!

Meinem zweiten Kind , meiner Tochter, war keine Mauer zu schmal, kein Klettergrüst zu hoch und kein Ast zu wackelig.
 
Sie kletterte mit affenartiger Geschicklichkeit in Windeseile überall hoch und strahlte mich dann freudig an.
 
Eine befreundete Mutter, die einmal mit der damals Fünfjährigen auf dem Spielplatz war, erzählte mir, wie ihr fast das Herz stehen geblieben war, als sie meine Tochter mit einem Bein kopfüber ziemlich hoch an einem Gerüst baumeln sah.
 
Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich immer nur cool dabei geblieben bin.
 
Meistens schon. Ich habe beobachtet, wie wirklich sicher und trotz ihrer Schnelligkeit achtsam sie sich in die Höhe hangelte.
 
Doch es gab durchaus Situationen, die mich herausforderten und ich einen Sturm in meinem Bauch spürte, wenn ich sie sah.
 
Und dann hatte ich einen Konflikt.
 
Mit mir.
 
Rufe ich sie zurück, weil dort gerade echte Gefahr für sie droht?
 
Oder rufe ich sie zurück, weil ich dieses Unwohlsein in dem Moment nicht aushalte und mich selbst erlösen will?
 
Und immer geht es um Vertrauen. Und um Selbstvertrauen.
 
Kann sie mir vertrauen, dass ich sie bremse, wenn sie sich in eine riskante Lage bringt.
 
Kann ich ihr vertrauen, dass sie nur so weit geht, wie sie es kontrollieren kann?
 
Spürt sie mein Vertrauen, wird sie nicht verunsichert und sie vertraut sich selbst. Egal, wie ich entscheide.
 
Im Vertrauen ruhen bedeutet: Das Leben ist für mein Kind und es findet einen Weg, auch wenn es auf dem Weg Hindernisse zu überwinden gibt.
 
Das vollzieht sich im Alltäglichen, indem wir unserem Kind keine Dinge abnehmen, die es tun möchte, nur weil es bei uns schneller oder „richtiger“ geht.
 
Und es drückt sich auch aus, wenn unser Kind in uns Ängste anrührt.
 
Denn je mehr unsere Kinder ins Leben streben, desto eher kann das in uns ganz tiefe Ängste triggern, die oft von Generation zu Generation weitergegeben worden sind.
 
Es ist die Angst vor dem Verlust unserer Kinder. Sind wir dessen nicht gewahr, können wir unsere Kinder von wichtigen Erfahrungen fernhalten.

Sie brauchen die Erfahrung, auch schwierige Situationen bewältigen zu können. So entsteht Selbstvertrauen bei Kindern.
 
Der außergewöhnliche Pädagoge Janusz Korczak veröffentlichte bereits 1918 in der „Magna Charta Libertatis“ die Grundrechte von Kindern
Das zweite Recht aus der „Magna Charta Libertatis“ lautete : Das Recht des Kindes auf seinen eigenenTod“.
 
Puh, das ist erst mal ein krasser Satz. Doch es geht dabei um die Würde und die Selbstbestimmung des Kindes.
 
Er sah bereits damals die Tendenz vor allem bürgerlicher Eltern, ihre Kinder immer mehr zu beschneiden und sie von elementaren Erfahrungen fernzuhalten. Gleichzeitig trat er für das Recht des Kindes ein, über seinen Körper selbst zu bestimmen.
 
Vertrauen hat ganz viel mit dem Selbstbestimmungsrecht des Kindes zu tun. Da einzugreifen braucht einen wichtigen Grund.
 
Es lohnt sich, bei sich hinzuschauen, wo ich mein Kind von Erfahrungen fernhalte, weil ich die beängstigenden Gefühlen, die dadurch ausgelöst werden, nicht spüren möchte.
 
Das bedeutet nicht im Gegenzug, dass ich ein kleines Kind einfach auf die Strasse rennen lasse, ohne einzugreifen.
 
Sondern viel mehr, das Kind in seiner Würde und seinen Bestrebungen anzunehmen, auch wenn es für für mich mal unbehaglich ist.
 
Ein Kind, was starkes Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten hat, wird seinen Weg im Leben finden. Unser Kind in seinem Selbstvertrauen zu stärken ist eine Aufgabe als Eltern.
 
Denn nicht nur das Kind wächst durch seine selbst gewählten Herausforderungen, sondern auch wir als Eltern.
 
Wie geht es dir mit dem Vertrauen, wenn du in dir Unruhe bei dem spürst, was dein Kind macht?
 
P.S. Meine große Tochter hat durch ihre Kletterpartien jedenfalls so viel Vertrauen in sich gesammelt, dass sie nach dem Abitur 10 Wochen allein mit dem Rad durch Osteuropa gefahren ist, dort auch manchmal allein im Wald übernachtet hat und auch mal die Wölfe heulen gehört hat.
Für sie war es eine der besten und spannendsten Zeiten ihres Lebens. Sie konnte auf dem Selbstvertrauen aufbauen, was sie als Kind erworben hat.
 

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Dagmar

Dagmar Gericke von der Feeling Family®: Ich bin Mutter von vier Kindern im Alter zwischen 9 und 30 Jahren. Außerdem bin ich Kommunikationstrainerin, Theaterpädagogin und Elternbloggerin. Ich bin davon überzeugt, dass wir, indem wir uns selbst und unsere Familien heilen, auch unsere tief zerstrittene Welt heilen. Der Wandel beginnt immer bei uns selbst. Willst du mehr über mich wissen? Dann schaue hier: https://feelingfamily.com/about/
  • Ich weiß, was du meinst. Wir haben leider unseren Sohn (2.Schwangerschaft) in der 39.SSW ohne erkennbare Gründe noch verloren. Warum hört so ein Herz einfach so auf zu schlagen?? Das hat mich in große Unsicherheit gestürzt. Mir war auch klar, dass diese Unsicherheit sich auch stark auf meine Tochter auswirken kann, denn plötzlich konnte ich es ganz schlecht ertragen wenn sie furchtbar hoch schaukelt, weit voraus rennt und so weiter. Was ist schlimmer, als ein Kind zu verlieren? Zwei zu verlieren, weil man nicht aufpasst! Eine Traumatherapie hat mir sehr geholfen und auch die Einsicht, dass sie ihre Erfahrungen machen muss und Gefahr auch nicht überall lauert. Heute haben wir zwei tolle Töchter, wo die Große auch lieb auf die Kleine achtet und ich Ihnen Vertrauen schenken kann. Und wenn die Schaukel doch mal zu hoch für mein Gefühl ist, guck ich kurz zur Seite 😉
    Liebe Grüße und danke für deinen Blog und deine Emails. Brauche ich gerade sehr.

    • Liebe Annina, ein Kind ziehen zu lassen ist eine der schlimmsten Erfahrungen, die wir als ELtern machen können. Mein ganzes Mitgefühle ist bei dir. Und gleichzeitig sehe ich, welche Stärke in dir ist, dass du nicht nur aktiv mit der Traumatherapie zur Verabeitung beiträgst, sondern auch bewusst mit deiner Angst umgehst. Danke für das Teilen.❤️