Warum ich über meine Krebserkrankung schreiben werde

Krebs ist ‘ne fiese Sache.

Weiß ja wohl jeder. Aber ich, so dachte ich, kriege doch keinen Krebs.
Nicht ich.
Immer, wenn es um ein Brustkrebsrisiko steigerndes Verhalten ging, dachte ich, super, mache ich ja nicht.
Wenn irgendwo erwähnt wurde, das dies oder das das Risiko an Brustkrebs zu erkranken mindert, dachte, super, mache ich ja bereits.
Ergo: Ich kriege keinen Krebs.

Doch das Leben hat sich nicht an meine Vorgaben gehalten. Und so hat sich der Krebs in mein Leben geschlichen und es auf den Kopf gestellt.

Jede achte Frau erhält in ihrem Leben die Brustkrebsdiagnose.
Fast 30 Prozent der Frauen davon sind unter 54 Jahren, jede Zehnte ist unter 45 Jahren. Es trifft also viele Mütter.

Mütter, die sich oft und viel um andere kümmern. Viel zu selten um sich.
Vielleicht noch ganz kleine Kinder haben. Manchmal sogar schwanger sind bei der Diagnose.
Oder Grundschulkinder haben so wie ich. Pubertierende Kinder, die selbst im Gefühlschaos leben.

Für Mütter ist der Brustkrebs eine doppelte Herausforderung, denn es geht bei der Erkrankung immer auch um die Kinder.

Für all diese Mütter möchte ich schreiben und natürlich auch für mich selbst. Ich möchte eine Stimme sein für die, die gerade keine haben.

Und auch für die Mütter, die keinen Krebs haben, doch völlig erschöpft sind und sich vielleicht dadurch daran erinnern, wie wichtig es ist, sich selbst zu schützen.

Bei mir hat aus irgendeinem Grund der Selbstschutz versagt.

In unserem Körper schwirren ständig jede Menge seltsame Zellen umher. In den allermeisten Fällen kickt unser Immunsystem sie K.O.
Manchmal aber eben nicht und eine bösartige Zelle schafft es anzudocken und zu wachsen und sich zu vermehren.

Was genau die Immunabwehr des Körpers lahmgelegt hat, darüber gibt noch keine eindeutige Antwort.
Manche Onkologen sagen, ein großer Teil der Krebserkrankungen sind rein zufällig.
Krebs als Russisch Roulette.
Es gibt Theorien zu krebsauslösenden Viren oder Parasiten, oder auch zu seelischen Traumata, die dies verursacht haben könnte.

Genausowenig wie über den Auslöser einer Krebserkrankung kann eine genaue Prognose über den Krankheitsverlauf erstellt werden.

Krebs hat, trotz aller medizinischen Erfolge, immer noch etwas unberechenbares.
Keine Frau weiß bei der Diagnose, ob sie in 5 Jahren zu den quasi geheilten 85 % gehören wird.
Oder zu den 15%, die die fünf Jahre nach der Diagnose nicht überleben werden. Auch ich weiß das nicht.

Das ist es, das die Erkrankung so bedrohlich machen lässt.

Gleichzeitig birgt die Krankheit, gerade durch ihre Lebensbedrohlichkeit eine Chance, alles im Leben auf den Prüfstand zu stellen und radikaler zu leben denn je.
Intensiver.

Die Diagnose Brustkrebs ist heftig.
Ein Schock.
Für Jede.
Für mich auch.
Ich bin durch tausend Gefühlszustände gegangen, sah bereits meine Beerdigung, aber auch meine Heilung. Das wechselt.

Der Krebs macht mich wahnsinnig verletzlich. Nein, er zeigt mir nur, wie verletzlich ich bin. Schon immer.
Wie verletzlich jeder Mensch ist.

Doch im Alltag sind wir uns desssen selten bewusst.

Der Krebs holt das an Tageslicht, meine Verletzlichkeit.
Ich fühle mich damit so nackt, weil mein Alltagsschutzmantel weggefallen ist und ich mir noch keinen neuen zulegen konnte.
Manche Menschen behandeln mich ddurch wie ein rohes Ei, was zerbricht, wenn es runterfällt.

Und gleichzeitig wächst aus dieser Verletzlichkeit eine neue Stärke. Die Stärke, wirklich für mich selbst einzustehen. Denn wenn ich den Brustkrebs überleben will, und das will ich ohne Frage, ist das notwendig.

Das ist mein Weg und meine Reise. Ich werde von meiner Reise berichten, denn mir ist von Anfang an klar, dass es nicht reicht, nur den Körper zu behandeln.
Und ich weiß bereits jetzt, dass all die Ressourcen, die ich mir in den letzten Jahren aufgebaut habe, mir helfen können, diese Reise gut zu überstehen.

Ja, ich gehe mit guten Ressourcen auf diese Reise. Sehe auch, wo ich mich noch mehr stärken kann und was ich vernachlässigt habe.
Und es wird mir bewußt, wie wichtig es ist, die eigenen Ressourcen zu stärken. Immer.

Und das ist was jede Mutter braucht: starke Ressourcen.

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