Vermeide Kommunikationssperren: Ändere diese Worte für eine liebevollere Verbindung und leichtere Kommunikation
Im Familienalltag sind es oft nicht nur die großen Konflikte, die die Verbindung belasten, sondern auch die kleinen Worte, die schnell gesagt sind. Manche Formulierungen wirken stärker trennend, als uns bewusst ist, und bringen Kinder eher in Widerstand als in Kooperation.
Wie schnell das passieren kann, zeigt die folgende Szene vom Spielplatz:
„Blöde Mama!“
Felix wirft eine Handvoll Sand in die Richtung seiner Mutter und eine Schaufel gleich hinterher.
„Höre sofort auf! Was ist denn jetzt schon wieder los? Warum kommst du nicht? Ich habe bloß gesagt, wir müssen jetzt los. Ich muss noch das Abendessen kochen. Nun komm endlich!“, fordert seine Mutter ihn auf.
„Ich will aber nicht.“ Felix rennt weg.
„Jetzt reicht es mir aber. Du sollst jetzt kommen, sonst hole ich dich“, schreit die Mutter.
Sie rennt hinter ihrem Kind her, schnappt seinen Arm und zieht ihn hinter sich vom Spielplatz.
Felix tritt nach seiner Mutter, die drohend sagt: „Wenn du dich so anstellst, gehe ich nie wieder mit dir hierher. Kannst du nicht einmal tun, was ich sage?“
Der Abend war für beide gelaufen. Felix rennt zu Hause in sein Zimmer und wirft wütend Spielsachen durch die Gegend.
Seine Mutter ist erschöpft und frustriert, denn sie möchte eine liebevolle, zugewandte Mutter sein.
Wieder hat es nicht geklappt. Dabei hatte sie ihm doch rechtzeitig angekündigt, dass sie bald vom Spielplatz weggehen müssen.
Was ist nur schief gelaufen?
Es waren die sogenannten Kommunikationssperren.
In den Aussagen der Mutter gab es mehrere Kommunikationssperren, die eine zugewandte Kommunikation zu ihrem Kind schwer bis unmöglich machten.
Das Kind reagierte auf die ihm eigene Art, seine Integrität zu wahren, es rebellierte. Noch sehr feinfühlig nahm es sofort wahr, dass nicht auf seine Kooperation gebaut, sondern Gehorsam verlangt wurde.
Seine Reaktion ist verständlich, denn es hat wie jeder Mensch das Bedürfnis, wertschätzend angesprochen zu werden.
Wie aber kann die Kommunikation einfacher und leichter werden, sodass die Kräfte von Eltern und Kind sich nicht in Konflikten verbrauchen?
Alltagssprache – und doch blockierend
Die Sprache in unserer Gesellschaft ist voll Gewalt, manchmal eindeutig, manchmal aber auch so subtil, dass wir nur an der Reaktion feststellen, dass unsere Sprache gewalttätig war.
Wollen wir eine wertschätzende liebevolle Beziehung mit unserem Kind leben, dann brauchen wir eine andere Sprache. Eine Sprache, die das Kind nicht zum Objekt macht, sondern es jederzeit als Mensch mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen wahrnimmt.
Es gibt bestimmte Worte, die besonders häufig eine Gegenwehr beim anderen hervorrufen. Diese Worte führen zu den Kommunikationssperren, die zu einem Verhalten wie dem von Felix führen.
Das Kind spürt, dass etwas nicht stimmt, aber es hat noch keine Möglichkeit, die Kommunikation konstruktiv zu beeinflussen. Das ist die Aufgabe der Erwachsenen. Leider wurde mit uns selbst als Kind in der Regel gewaltvoll kommuniziert, sodass es für uns Eltern einen Lernprozess erfordert.
Die Szene auf dem Spielplatz war sowohl für die Mutter als auch das Kind kräftezehrend.
Wie hätte es anders laufen können?
Zum Beispiel so:
„Felix, ich sehe, du bist gerade noch richtig vertieft ins Spielen“, sagt seine Mutter und geht zu ihm in den Sandkasten. Sie hockt sich zu ihm herunter und schaut auf den kleinen Tunnel, an dem er baut.
„Der ist ja richtig lang geworden. Du willst noch weitermachen, oder?“
Felix nickt. „Ja. Ich bin noch nicht fertig.“
„Das verstehe ich“, sagt seine Mutter. „Es ist auch schwer aufzuhören, wenn man gerade mittendrin ist.“
Sie bleibt einen Moment bei ihm. Dann sagt sie: „Ich möchte gleich mit dir nach Hause gehen, weil ich anfangen will, Abendessen zu machen. Du wärst am liebsten noch länger hier, stimmt’s?“
Felix schaut sie an und verzieht das Gesicht. „Ich will aber noch bleiben.“
„Ja, das glaube ich dir“, antwortet seine Mutter ruhig. „Der Spielplatz macht dir gerade viel Spaß.“
Sie zeigt auf seine Schaufel. „Du kannst jetzt noch den Tunnel fertigbauen und danach noch einmal rutschen. Dann gehen wir los.“
Felix überlegt kurz. „Erst fertigbauen. Dann rutschen.“
„Okay“, sagt seine Mutter. „Ich komme dann wieder zu dir, wenn du mit dem Tunnel fertig bist.“
Nach einer Weile geht sie wieder zu ihm.
„Felix, du hast den Tunnel fertig gebaut. Jetzt kannst du noch einmal rutschen, so wie wir es besprochen haben.“
Felix schaut traurig. „Ich will trotzdem noch hierbleiben.“
Die Mutter nickt. „Du würdest am liebsten noch viel länger bleiben. Komm, wir verabschieden uns noch kurz vom Spielplatz.“
Sie lächelt. „Wollen wir dem Sandhaufen und der Rutsche zusammen Tschüss sagen?“
Felix schaut sie an. „Und morgen wiederkommen?“
„Ja, wir kommen wieder“, sagt seine Mutter. „Nicht heute, aber ein anderes Mal.“
Felix steht auf, nimmt seine Schaufel und geht mit ihr zur Rutsche. Noch einmal rutscht er hinunter, dann nimmt die Mutter seine Hand.
„Tschüss, Spielplatz“, sagt Felix leise.
„Tschüss, Spielplatz“, sagt seine Mutter.
Gemeinsam gehen sie los. Felix schaut sich noch einmal um, läuft dann aber an der Seite seiner Mutter mit.
Noch bindungsorientierter und für kleine Kinder oft besonders hilfreich wäre sogar diese Formulierung:
„Du kannst jetzt noch den Tunnel fertigbauen und dann noch ein letztes Mal rutschen. Danach gehen wir.“
Die ist oft besonders klar, weil sie das Ende schon liebevoll markiert.
Es ist eben nicht egal, was wir sagen.
Die Worte, die wir verwenden, haben eine starke Wirkung, im positiven oder negativen Sinne.
Im Artikel erfährst du, wie auch du durch eine achtsame Sprache den Alltag für euch leichter machen kannst. Ich gebe dir die häufigsten Triggerworte mit und wie du sie ersetzen kannst.
Eine liebevolle, zugewandte Sprache verbessert die Beziehung
Willst du die Kommunikation mit deinem Kind verbessern und liebevoller gestalten, kannst du im ersten Schritt wahrnehmen, wann du eins der Worte benutzt, die ich unten aufführe.
Schau, wie dein Kind reagiert, wenn du die Worte benutzt. Im nächsten Schritt kannst du die Worte vermeiden und durch andere Worte ersetzen, die eine liebevolle klare Kommunikation unterstützen. So machst du es deinem Kind leichter, mit dir zu kooperieren.
Nicht immer kannst oder willst du die aufgeführten Worte vermeiden. Das brauchst du auch nicht.
Es geht vor allem um einen achtsamen Umgang mit Worten, die trennend wirken können. Denn Worte können wie Kommunikationssperren wirken.
Auch in einem Konflikt hilft dir eine bewusste Sprache, die Verbindung nicht abbrechen zu lassen. Sei geduldig mit dir selbst. Eine Sprache voller Gewalt ist Teil unserer Kultur. Sie abzustreifen geht nicht in wenigen Wochen. Aber es lohnt sich. Die Konfrontationen werden viel seltener und euer Alltag gestaltet sich liebevoller.
Kommunikationssperren nach Thomas Gordon
Der Psychologe Thomas Gordon prägte den Begriff der Kommunikationssperren für bestimmte Arten zu sprechen, die Verbindung eher erschweren als fördern. Dazu gehören zum Beispiel Befehle, Drohungen, Vorwürfe, Moralisieren, Beschämen, Belehren, vorschnelle Ratschläge oder abwertende Bewertungen.
Solche Aussagen lösen bei Kindern oft nicht Einsicht oder echte Kooperation aus, sondern Widerstand, Rückzug, Scham, Trotz oder Gegendruck. Das Kind spürt: Mit mir stimmt etwas nicht oder Ich werde hier gerade unter Druck gesetzt. Dadurch richtet sich seine Aufmerksamkeit nicht mehr auf eine Lösung, sondern auf den Selbstschutz.
Kommunikationssperren können zwar manchmal kurzfristig Gehorsam bewirken, aber sie erschweren eine Beziehung, in der Kinder sich wirklich gesehen, ernst genommen und innerlich bereit zur Zusammenarbeit fühlen. Eine zugewandte, klare Sprache dagegen hilft, dass Verbindung erhalten bleibt — auch dann, wenn Eltern eine Grenze setzen oder etwas einfordern.
Hier sind die häufigsten Kommunikationssperren in der Sprache:
Müssen
Dieses Wort, was zu den sogenannten Modalverben zählt, flutscht uns im Alltag unglaublich oft aus dem Mund. Das Modalverb müssen wird für eine Notwendigkeit oder eine eingeschränkte individuelle Wahlmöglichkeit verwendet.
Nur wird es im Alltag oft benutzt, um unserer Aussage Nachdruck zu verleihen, obwohl es in der Regel durchaus Wahlmöglichkeiten gibt.
Sagt die Mutter auf dem Spielplatz: „Wir müssen jetzt gehen. Ich muss noch Essen kochen“, dann meint sie: „Ich will jetzt gehen, denn ich will zu Hause noch genügend Zeit zum Kochen haben.“
Die Mutter will kochen und deswegen will sie, dass ihr Kind mitkommt. Alternativen zum Kochen gibt es ja genügend. Keiner zwingt die Mutter zum Kochen. Sie hat die Entscheidung getroffen. So ist das auch bei vielen anderen Sätzen, in denen Müssen benutzt wird.
Das Kind hört „müssen“ und reagiert darauf oft mit Abwehr.
„Du musst noch dein Zimmer aufräumen.“
„Ich muss noch bei meiner Schwester anrufen.“
„Ich muss erst noch die E-Mail zu Ende schreiben, bevor ich dir was vorlesen kann.“
„Du musst dir noch die Jacke anziehen.“
Mit dem Wort müssen verstecken wir uns, scheuen uns vor einer klaren Aussage. Eine vermeintliche Notwendigkeit wird vorgeschoben, statt klar zu sagen, was wir wollen.
Das Kind spürt aber, dass dadurch vor allem seine Wahlmöglichkeiten eingeengt werden. Deswegen reagieren Kinder so stark auf Sätze, in denen „müssen“ vorkommt.
Kinder kommen besser damit klar, wenn Eltern klar sagen, was sie wollen. Das öffnet das Tor zur Kooperation. Das Kind entscheidet sich oft dafür zu kooperieren.
Oder es sagt, was es selbst will. Dann kann die Mutter verhandeln. Oder eine klare Entscheidung treffen. Dann übernimmt sie die Verantwortung und nicht ein ominöses Muss.
Ein Muss erfordert keine Kooperation, nur Gehorsam.
Ersetze doch mal das Wort müssen, so oft es geht, durch können oder wollen.
Was verändert sich dadurch für dich?
Sollen
Sollen bedeutet eine konkrete Aufforderung an eine Person.
„Du sollst damit aufhören.“
„Du sollst nicht immer so laut sein.“
„Du sollst deine Hausaufgaben machen.“
„Du sollst endlich mal ruhig sein.“
„Du solltest dich mal nicht so anstellen.“
„Du sollst mich nicht anschreien.“
Es ist ganz klar eine hierarchische Sprache, die „sollen“ benutzt. Eltern benutzen es, um ihrem Kind Befehle zu geben, um zu moralisieren und zu predigen.
Weder die Bedürfnisse von dir noch die deines Kindes kommen dabei zur Sprache, wenn du sollen benutzt.
Überlege, welches deiner Bedürfnisse hinter dem Sollen steht. Dann kannst du dich deinem Kind klarer mitteilen.
Immer / Nie
Immer und Nie sind Verallgemeinerungen, die, wenn wir sie benutzen, dazu führen können, dass sich der andere uns verschließt.
„Immer lässt du alles stehen.“ (Wirklich immer?)
„Nie hast du Zeit für mich.“ (Wirklich nie?)
„Immer lässt du deine Wut an anderen aus.“ (Tatsächlich immer?)
„Du hörst mir ja nie zu.“ (Wirklich nie?)
Die Antwort lautet da zum Beispiel: „Stimmt doch gar nicht“ oder „Du doch auch.“
Bei einer Verallgemeinerung folgt kein Gespräch, sondern ein Streit.
Immer und Nie engen ein.
Stattdessen hilft es, in der Gegenwart zu bleiben.
„Auf dem Tisch liegen noch Malsachen von dir.“
„Ich brauche gerade deine Aufmerksamkeit. Ist es dir möglich, mir zuzuhören?“
„Ich möchte gerne am Wochenende mit dir ins Kino gehen. Wollen wir gleich einen Termin festmachen, wenn du auch willst?“
In einem Konflikt in der Gegenwart zu bleiben und genau die Situation zu beschreiben, die gerade da ist, hilft, den Blick offen zu lassen.
Jeder / Keiner / Alle / niemand / man
Das sind auch Verallgemeinerungen, die zur Verstärkung oder Verharmlosung der eigenen Aussage benutzt werden.
„Keiner will mit dir spielen, weil du immer stänkerst.“
„Das macht doch jeder.“
„Alle sind glücklich.“
„Keiner hat Lust darauf, nur du.“
„Alle finden das.“
„Das macht man nicht.“
Verallgemeinerungen tun weh.
Weglassen und stattdessen konkret benennen, um wen es geht. In der Regel ist eine solche Verallgemeinerung eine Aussage über sich selbst.
„Keiner hat Lust darauf, nur du.“
Für das Kind ist kaum zu entschlüsseln, dass die andere Person wahrscheinlich meint: „Ich will das nicht.“
Hinter Verallgemeinerungen verstecken wir uns. Sie anonymisieren unsere Aussage. Wer ist denn „Keiner“ oder „Alle“?
Wenn ich etwas zu sagen habe, dann spreche ich von mir, ohne „man“, „keiner“ oder „alle“. Damit kann mein Kind etwas anfangen.
Es geht um uns.
Lob/Kritik
„Du bist so (schön, süß, langsam, schnell, laut, ungeduldig)“
Das sind allgemein gehaltene Bewertungen und Urteile, ob als Lob oder Kritik gemeint, die, wenn sie häufig benutzt werden, einen ungünstigen Einfluss auf eure Beziehung haben.
Kinder zeigen gerne ihre Bilder. Wenn du jetzt sagst: „Das ist aber schön“, ist das eine allgemeine Antwort, die überhaupt nichts über dieses eine Bild aussagt.
Viele Eltern geben immer die gleiche Antwort auf verschiedene Bilder, nämlich: „Schön.“
Und dein Kind sucht erneut die Bestätigung, denn eins ist ihm durch diese Antwort versagt geblieben: eine echte Wahrnehmung seines Bildes.
Kennst du das?
Du lobst dein Kind, wie toll es auf dem Balken balanciert.
Prompt wackelt es und fällt runter.
Lob kann Stress verursachen. Den Stress, es weiterhin so machen zu wollen, dass Mama wieder lobt.
Kinder wollen gesehen und wertgeschätzt werden, wie jeder Mensch. Indem du das Bild, das dein Kind gemalt hat, beschreibst und sagst, was es in dir auslöst, teilst du deinem Kind mehr mit als durch ein Lob.
„Ich sehe eine Sonne und die Sonne lacht. Da werde ich selbst ganz fröhlich. Und du hast eine Wiese mit bunten Blumen gemalt. Auf der steht ein Kind. Bist du das Kind?“
Indem du deinem Kind sagst, was sein Verhalten in dir auslöst, schaffst du eine Verbindung, ohne Urteil und Bewertung.
„Mein Herz hüpft vor Freude, wenn ich dich sehe.“
„Jetzt hast du die Strecke vom Kinderladen bis nach Hause ohne Pause zu Fuß geschafft. Ich sehe, wie sehr dich das freut.“
Zu einem ähnlichen negativen Effekt führen negative Beurteilungen.
„Du bist zu hibbelig. Setz dich doch mal hin.“
Damit legst du die Verantwortung für dein Bedürfnis nach Ruhe bei deinem Kind ab. Es ist deine Verantwortung, für die Erfüllung deiner Bedürfnisse zu sorgen, nicht die deines Kindes.
Es ist aber sehr oft bereit zu kooperieren, wenn du von deinem Bedürfnis sprichst, denn es fühlt sich dann nicht angegriffen.
„Ich werde von der Musik ganz unruhig. Mir ist sie zu laut, aber ich sehe, wie gern du dazu tanzt. Ich brauche gerade Stille.“
Jetzt erst kannst du dein Kind bitten, die Musik leiser zu drehen. Oder in einen anderen Raum zu gehen. Oder selbst in einen anderen Raum zu gehen.
Ein Beispiel am Morgen:
„Du bist so langsam. Kannst du dich mal beeilen, sonst komme ich wegen deiner Trödelei zu spät.“
Das ist eine perfekte Steilvorlage für Stress. Beim Kind, bei dir.
Auch hier liegt wieder bei dir die Verantwortung, die Bedingungen so zu gestalten, dass es ohne Hetze geht.
Das klappt nicht jeden Tag. Dann stehe dazu, dass es in deiner Verantwortung liegt und lade mit Zuschreibungen nicht die Verantwortung beim Kind ab.
„Ich bin gerade nervös, denn ich habe in einer halben Stunde einen Termin und bin leider zu spät aufgestanden. Mir ist der Termin wichtig. Ich sehe, du hast noch den Schlafanzug an. Brauchst du Hilfe beim Anziehen?“
Wenn du dein Kind nicht beurteilst, sondern von deinen Empfindungen und Bedürfnissen sprichst, kann es viel leichter kooperieren. Gleichzeitig lernt es so, wie es seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken kann.
Warum?
Kinder fragen zwar gerne „Warum?“, aber sie antworten äußerst ungern auf Warum-Fragen.
Eltern benutzen das „Warum“, wenn das Kind etwas getan hat, was ihnen nicht gefällt, z. B. ein anderes Kind gehauen oder etwas kaputt gemacht hat.
„Warum machst du das?“
„Warum haust du deine Schwester?“
Kinder spüren, dass es keine echte Frage, sondern ein Urteil ist. Nämlich: Es ist falsch, was du getan hast.
Deswegen antworten sie darauf mit: „Weil du blöd bist.“
Oder: „Weil sie blöd ist.“ „Weil sie alles kaputt macht.“
Es gibt einen Grund für das Verhalten deines Kindes. Nur finden wir ihn mit einer Warum-Frage kaum heraus. Das Kind spürt, dass es beurteilt wird und geht in die Abwehr.
Als Alternative kannst du fragen, wozu es das getan hat, um seine Intention herauszufinden.
Oder lass dein Kind bzw. alle beteiligten Kinder erzählen, wie es zu dem Vorfall kam. Ohne zu bewerten und Schuldzuweisung.
Kinder erzählen gerne ihre Sicht, wenn sie spüren, dass ihnen offen zugehört wird. Das ist eine gute Grundlage für ein Gespräch.
Oft löst es den Konflikt bereits, wenn jedes Kind seine Sicht darlegen konnte.
Wenn, dann, sonst…
„Wenn du nicht sofort damit aufhörst, dann können wir nicht mehr hierher gehen.“
„Komme jetzt sofort, sonst gehe ich.“
Sätze mit wenn, dann, sonst sind als sogenannte logische Konsequenzen getarnte Strafandrohungen. Möchtest du, dass dein Kind mit dir freiwillig kooperiert, dann lasse sie weg.
In meinem Artikel „Was du tun kannst, um einen Konflikt mit deinem Kind ohne Strafen zu lösen“ habe ich ausführlich über Handlungsalternativen zu Strafen geschrieben.
Eigentlich
„Eigentlich will ich lieber Zeitung lesen.“ „Eigentlich wollte ich gar nicht ins Kino gehen.“
Das Wort eigentlich deutet darauf hin, dass du dein Bedürfnis ignorierst.
Ebenso, wenn dein Kind „eigentlich“ sagt, dann höre genau hin. „Eigentlich“ ist weder ein klares Ja noch ein entschiedenes Nein.
Wer „eigentlich“ sagt, scheut vor der Verantwortung für sein Bedürfnis. Es ist keine klare Entscheidung. Kinder brauchen Klarheit von den Eltern, denn daran können sie sich orientieren.
Kinder sind selbst noch sehr klar in dem, was sie wollen und was sie nicht wollen. Uns fällt es schwerer, weil unsere Kultur mit wiederholter Bedürfnisverleugnung einhergeht.
Es ist für viele Erwachsene eine echte Herausforderung, ohne Einschränkung wie durch das Wort „Eigentlich“ ja oder auch nein zu sagen. Und zu seiner Entscheidung zu stehen.
Das heißt nicht, dass wir dann nicht auch verhandlungsbereit sein können. Denn dann können wir eine Lösung finden, zu der wir alle ja sagen können.
Der konfliktfreie Raum
Thomas Gordon beschreibt, dass es im Alltag auch einen konfliktfreien Raum gibt: Situationen, in denen gerade kein akutes Problem zwischen Eltern und Kind besteht. Das ist entlastend, denn du musst nicht ständig jedes Wort kontrollieren.
Entscheidend ist vor allem die Fähigkeit, wahrzunehmen, wann eine Situation kippen könnte. Genau dann wird achtsame, bindungsorientierte Sprache besonders wichtig.
Es geht also nicht um Daueranspannung, sondern um bewusstes Umschalten in den Momenten, in denen Beziehung und Kooperation auf dem Spiel stehen.
Kenne deine Stolperfallen
Es gibt noch viele andere Wörter, die hinderlich für eine lebendige Beziehung sind. Das sind nur ein paar Beispiele und sicher findest du noch andere Wörter, wenn du darauf achtest.
Kaum einer schafft es, im Alltag 100 % bewusst und konstruktiv zu sprechen. Das ist auch nicht notwendig. In der konfliktfreien Zeit haben wir eine große Bandbreite an Verhalten, die keine Probleme verursachen.
Wichtig ist es, die Stolperfallen zu kennen und im Gespräch umschalten zu können, wenn sich ein Konflikt anbahnt.
Im Laufe der Zeit wird die gewaltlose Sprache immer mehr Teil deines Lebens sein, sodass auch die Anzahl der Konflikte geringer wird. Das betrifft übrigens nicht nur die Konflikte mit deinem Kind, sondern auch die mit deinem Partner und allen übrigen Menschen.
Warum Sprache in der Gewaltfreien Kommunikation so bedeutsam ist
Marshall B. Rosenberg lenkte in der Gewaltfreien Kommunikation den Blick sehr bewusst auf Sprache, weil Worte nie nur Worte sind. Sie transportieren immer auch ein Menschenbild. Worte wie „müssen“, „sollen“, „man macht das so“ oder „du darfst nicht“ klingen im Alltag oft ganz normal.
Und doch tragen sie häufig Druck, Bewertung, Hierarchie und Fremdbestimmung in sich. Rosenberg sprach davon, dass vieles in unserer Alltagssprache eher trennend als verbindend wirkt, weil sie schnell in Kategorien von richtig und falsch, brav und ungezogen, gut und schlecht denkt.
Gerade Kinder reagieren auf diese Sprache oft mit Widerstand, Rückzug oder Gegendruck, weil sie spüren, dass es nicht mehr um echte Begegnung geht, sondern um Kontrolle.
Dabei prägt Sprache nicht nur, wie wir mit anderen sprechen, sondern auch, wie wir mit uns selbst umgehen.
Wenn wir innerlich ständig denken: Ich muss geduldiger sein. Ich sollte das besser hinkriegen. Ich darf jetzt nicht wieder laut werden, dann setzen wir uns selbst unter Druck.
Auch unsere Selbstgespräche können hart, antreibend und beschämend sein. Gewaltfreie oder achtsame Kommunikation beginnt deshalb nicht erst im Gespräch mit dem Kind, sondern auch in unserem Inneren.
Sie lädt uns ein, hinter Worte zu schauen und zu fragen: Was fühle ich? Was brauche ich? Was braucht mein Kind? Und wie kann ich das so ausdrücken, dass Verbindung möglich bleibt? Genau darin liegt ihre Kraft.
Denn wenn sich unsere Sprache verändert, verändert sich oft auch unser Blick — auf unser Kind, auf Konflikte und auf uns selbst.
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Dann gehen wir jetzt! Logische Konsequenzen sind auch nur Strafen
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