Die Macht unserer Gedanken auf unser Familienleben

Die Macht unserer Gedanken auf unser Familienleben

Vor ein paar Tagen starrte ich auf meinem Unterarm und sah dort einen dunklen Fleck.
 
„Huch“, dachte ich, „der war doch vor kurzem noch nicht da. Sieht aus wie ein ganz dunkler Leberfleck.“
Ich nahm meine Lesebrille, hielt meinem Unterarm unter den Schein meiner Nachtischlampe und studierte den Fleck ganz genau. Sah eigentlich wie ein normaler Leberfleck aus, aber halt, da, in der Mitte, da war er richtig schwarz.
Sofort schoss mir der Gedanke „Schwarzer Hautkrebs“ in den Kopf.
Ich war beunruhigt. Hatte der Brustkrebs vielleicht doch schon gestreut?
Ich zeigte meinem Mann den Leberfleck. „Der sieht wirklich komisch aus. Da hattest du doch noch nie was“ sagte er.
Überhaupt neige ich nicht zu Leberflecken.
 
Das gab meiner Fantasie noch mehr Futter.
Schnell googelte ich, wie denn schwarzer Hautkrebs aussieht und wie schnell er sich entwickeln kann. Boah, das sieht doch genau so aus.
Verdammt!
 
Und dann….
 
…drückte ich die Stopptaste.
 
Merkte, dass ich gerade einen inneren Film abspulte, weil ein äußeres Ereignis einen Schmerzpunkt in mir triggerte.
Ich hatte bereits einmal eine schlimme Diagnose erhalten, die Brustkrebsdiagnose vor 7 Monaten, und mein Gehirn spult schnell ähnliche Gedanken ab, wenn dieser Schmerzpunkt wieder angesprochen wird.
 
Bisher neigte ich überhaupt nicht zu einem solchen Verhalten in Bezug auf körperliche Zeichen, doch der Schock durch die Diagnose hatte mein Gehirn dafür sensibel gemacht.
 
Ich bemerkte diesmal, dass es meine Gedanken waren, die mich da immer weiter reinsteigern ließen.
 
Und ich konnte wieder aussteigen, indem ich meine Gedanken nicht wie wildgewordene Hunde von der Leine ließ, sondern sie mir bewusst machte.
 
Ganz oft laufen unsere Gedanken Amok, weil etwas im Äußeren uns triggert und wir kennen den ursprünglichen Schmerzpunkt nicht.
Kann auch sein, dass es noch nicht mal etwas im Außen braucht, damit die Gedanken losrennen. So verrennen wir immer mehr in eine Vorstellung über etwas, was geschehen könnte.
 
Oder was andere denken.
 
Oder was jemand vielleicht gerade tut.
 
Oder was der Grund ist, warum jemand das gerade tut.
 
Und in den allermeisten Fällen liegen wir damit falsch. Denn es sind unsere Gedanken, die von einem zum anderen führen und eine Spirale an Gefühlen auslösen können. Das, was wirklich ist, braucht damit gar nichts zu tun haben.
Unsere Gedanken hängen sich an einen bekannten Trigger wie ein Blutegel an ein Bein und saugen sich mit Phantasien und Gefühlen voll. Damit erzeugen wir in uns jede Menge Stress.
 
Und dieser Stress, wenn er im Unbewussten bleibt, kann sich auf meine Kinder übertragen.
Auf meinen Partner.
Denn auf den gefühlten Stress folgen meisten Handlungen.
Das ist die Macht unserer Gedanken. Leider auch der negativen.
 
Paul Watzlawick beschreibt das so treffend in der Geschichte von dem Hammer:
 
Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er “Guten Tag” sagen kann, schreit ihn unser Mann an: “Behalten Sie Ihren Hammer”.
 
(aus P. Watzlawick: Anleitung zum unglücklich sein.)

Im Kopf nichts Neues

 Jeden Tag denken wir ca. 70.000 Gedanken. Die allermeisten Gedanken sind Gedanken, die wir bereits gestern, vorgestern und vorvorgestern gedacht haben.
 
Und diese Gedanken schaffen immer wieder dieselben Situationen, bestätigen sich sozusagen selbst.
 
Denn Gedanken führen zu Gefühlen und Gefühle führen zu Handlungen. Mit diesen Gefühlen kann ich mir selbst wehtun und mit den Handlungen kann ich auch anderen Menschen weh tun, wenn ich sie anmeckere.
 
Das ist ziemlich blöd.
 
Und gleichzeitig super, denn wir können diese Gedankenkette unterbrechen.

Gedanken unterbrechen

 Auch mir passieren solche Gedankenketten. Inzwischen erkenne ich sie oft (nicht immer) und sage mir dann innerlich (manchmal auch laut): „Stopp.“
 
Ich bringe mich bewusst auf andere Gedanken, bis der sich die Kette wieder gelöst hat.
 
Nein, nicht immer erkenne ich den ursprünglichen Schmerzpunkt. Der kann manchmal ganz weit zurückliegen.
 
Und doch habe ich jetzt, in der Gegenwart, die Möglichkeit, den Gedankenfluss zu unterbrechen, wenn ich ihn bemerke.
 
Das Bewusstwerden ist zu Beginn ziemlich anstrengend, denn es ist viel leichter, den bekannten Gedankenfluss zu folgen. Auch wenn er mich nicht zu dem führte, was ich wirklich will.
 
Doch je öfter ich den Gedankenfluss unterbreche und selbst die Richtung meiner Gedanken bewusst bestimme, desto leichter etablieren sich die neuen Gedanken.
Und dadurch etablieren sich auch andere Gefühle und Handlungen.
 
Das ist richtig cool, weil sich dadurch auch wirklich etwas verändert. Nicht immer sofort, aber ganz sicher mit der Zeit.
Ich habe das selbst oft erfahren.
 
Kennst du das auch?
 
Der „Leberfleck“ ist übrigens wieder verschwunden.
 
War wahrscheinlich nur ein ganz kleiner Bluterguss.

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