„Das hört sich in deinen Artikeln alles so super an. Schaffst du das denn, mit deinen Kindern so zu leben?“

„Das hört sich in deinen Artikeln alles so super an. Schaffst du das denn, mit deinen Kindern so zu leben?“

Diese Frage bekam ich vor einer Weile von einer jungen Mutter.
Natürlich läuft nicht alles immer nur perfekt bei mir. Um Gottes Willen, natürlich nicht. Ich habe, wie jeder Mensch, Stunden und Tage, an denen ich müde, geschafft und gereizt bin. Und ganz sicher nicht immer gerecht bin!
Das Leben mit Kindern ist eine immerwährende Entwicklung, in der ich mich selbst kontinuierlich weiterentwickle. Auch heute noch.
Viele der Zitate, die ich beim Lesen finde und auf meiner Seite poste, sind auch für mich eine Erinnerung an das, was mir wichtig ist.

Alles, was ich schreibe, schreibe ich auch für mich.

So halte ich es auch in meinem Zuhause: Manche Inspirationen und Werte, die mir gerade sehr wichtig für mein Familienleben sind, schreibe ich auf einen Zettel und klebe ihn dahin, wo ich ihn täglich sehe. Damit ich es im Alltag nicht vergesse.
Alles, was ich schreibe, schreibe ich auch für mich.
Und doch gibt es einige Schwierigkeiten, die ich in den ersten Jahren meines Mutterseins hatte und die ich heute kaum oder gar nicht mehr habe.
Ich bin jetzt seit 26 Jahren Mutter, meine Jüngste ist sechs Jahre alt.

Ich hatte das wahnsinnige Glück, die Entwicklung von Kinder mehrfach zu erleben zu dürfen.

Durch den langen Abstand zwischen meinem zweiten und meinem dritten Kind konnte ich über  mein Leben mit kleinen Kindern reflektieren, bevor ich erneut Mutter von kleinen Kindern wurde. Das hilft mir im Leben mit meinen jüngeren Kindern sehr und es ist für mich ein großes Geschenk.
Meine Vorstellungen über das Leben mit Kindern –bedürfnisorientiert – bindungsorientiert – gewaltfrei – waren bereits bei meinem ersten Kind ähnlich wie heute, aber ich stand mir viel häufiger selbst im Wege.

Heute überwiegen die entspannten, glücklichen und zufriedenen Zeiten mit meinen Kindern bei weitem die stressigen Zeiten.
Was mir dabei geholfen hat, zu dem zufriedenen Familienleben zu kommen, ist die jahrelange Auseinandersetzung mit achtsamer liebevoller Kommunikation  durch Weiterbildungen, Gespräche und Bücher.
Die Arbeit an mir selbst ist für mich der wichtigste Faktor für gute Beziehungen.

Bedürfnisorientierung bezieht meine eigenen Bedürfnisse mit ein

Gleichzeitig ist ein liebevoller Umgang mit mir selbst etwas, was ich erst im Laufe der Jahre gelernt habe. In den ersten Jahren meines Mutterseins bin ich auch in die Falle getappt, in der so viele bedürfnisorientierte Mütter tappen: nämlich die eigenen Bedürfnisse so weit hinten anzustellen, bis ich völlig erschöpft war.

Ich habe gelernt, dass Bedürfnisorientierung keine Einbahnstrasse ist. Und dass ich selbst die Verantwortung für die Erfüllung meiner Bedürfnisse habe.

Nicht mein Partner. Und vor allem nicht meine Kinder.

Verantwortung übernehmen bedeutet auch, klar auszusprechen was ich brauche.

Dabei liebevoll und achtsam mit mir und meinen eigenen Gefühlen und Grenzen umzugehen ist der Schlüssel dafür.
Das hilft mir in Konflikten meine Gefühle und Bedürfnisse besser wahrnehmen und äußern zu können und meinen Kindern einfühlsamer zuhören zu können. Und es hilft mir auch, nach einem Streit das alles noch einmal nachzuspüren, alleine und auch mit meinen Kindern.

Außerdem hilft mir das Wissen, dass das Verhalten eines kleinen Kindes in vielen Fällen ein Ausdruck seines jeweiligen Entwicklungsstandes ist und ich seine Reife nicht beschleunigen kann.  Alles zu seiner Zeit. (Darüber schreibe ich auch hier: https://kindheitinbewegung.net/mein-kind-wirft-alles-runter-wie-kann-ich-ihm-das-abgewoehnen/

Zeigt mein Kind ein für mich schwieriges Verhalten, kann das auch daran liegen, dass unser Bindungsband sich gelockert hat und mein Kind deswegen nicht mehr so kooperiert. Ich habe gelernt, in solchen Situationen nicht mehr den Fokus auf das Verhalten, sondern auch die Stärkung der Bindung zu legen. Dadurch entspannt sich die Beziehung nachhaltiger als wenn ich nur den Fokus auf das Verhalten gelegt hätte.

Ansonsten hilft es mir besonders, geduldig mit mir selbst zu sein.

Veränderungen und Lernprozesse durchlaufen bestimmte Stufen und das betrifft eine Veränderung im eigenen Verhalten ebenso wie das Erlernen einer neuen motorischen Fähigkeit.
Im Coaching sprechen man von den vier Phasen der Kompetenz.

Die vier Phasen der Kompetenz

1.Die unbewusste Inkompetenz

Das ist der Zustand, in dem ich mir über mein Nichtwissenden oder meine fehlenden Fähigkeiten keine Gedanken mache. Entweder, weil ich diese Fähigkeiten (noch) nicht benötige oder mir der Mangel nicht bewusst ist.

Ein Beispiel bei mir ist gerade das Windsurfen. Bis vor kurzem habe ich mir null Gedanken über das Windsurfen gemacht und Windsurfer hatten bislang keinen Wunsch in mir ausgelöst, es ihnen gleich zu tun.
In der Kommunikation kann es zum Beispiel ein Satz von den Eltern sein, der sich so tief eingeprägt hat, dass du ihn automatisch wiederholst.
Nehmen wir an, du sagst, wenn dein Kind dir ein selbstgemaltes Bild zeigt, automatisch: „Das ist aber schön.“

2. Die bewusste Inkompetenz

In dieser Phase wird mir mein Nichtwissen über etwas bewusst. Entweder, weil ich eine neue Fähigkeit erlernen will.
Oder, weil ich ein Verhalten, was ich als schwierig erkannt habe, ändern will.
Beispiel Windsurfen:
Hier im Urlaub habe ich die Möglichkeit, Windsurfer zu beobachten und das hat in mir den Wunsch erweckt, das auch zu erlernen. Gleichzeitig wird mir klar, dass ich keine Ahnung habe, wie ich das Board lenken kann.
Beispiel Malen: Dir wird bewusst, dass der Satz „Das ist aber schön“ ein Automatismus ist, der weder etwas mit dem gezeigten Bild zu tun hat noch eine echte Beteiligung zeigt. Gleichzeitig wünscht du dir eine lebendige authentische Kommunikation mit deinem Kind, weißt aber noch nicht, was du stattdessen sagen kannst.

3. Die bewusste Kompetenz

Nachdem uns unser Nichtwissen bewusst geworden ist, konzentrieren wir uns in dieser Phase darauf, Wissen zu sammeln und neue Fähigkeiten zu üben. Bewusst deshalb, weil uns die neuen Fähigkeiten noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen sind, sondern wir sie willentlich steuern.
Beispiel Windsurfen:
Ich nehme an einen Windsurfkurs teil und erlerne die Grundbegriffe. Übe es gleich auf dem Wasser.
Außerdem unterhalte ich mich mit Menschen, die bereits länger windsurfen und lasse mir Tipps geben.
Ich selbst befinde mich noch auf einer ganz frühen Stufe der bewussten Kompetenz und es gibt beim Windsurfen noch große Bereiche von bewusster Inkompetenz bei mir.
Beispiel Malen:
Du informierst dich, wie du die Anerkennung und Wertschätzung auch ausdrücken kannst. Du fragst, was dein Kind braucht, wenn es dir ein Bild zeigt. Eventuell unterhältst du dich auch mit anderen Eltern darüber, wie sie das machen.
Bei den nächsten Gelegenheiten unterdrückst du den Impuls „Das ist aber schön“ zu sagen und wählst deine Worte der Wertschätzung bewusst und dem Bild entsprechend.

4. Die unbewusste Kompetenz

Das neue Verhalten oder die neue Fähigkeit ist so selbstverständlich geworden, dass wir nicht mehr darüber nachdenken, wenn wir sie anwenden. Die Kompetenz ist Teil von uns selbst geworden und unser Repertoire hat sich erweitert.
Beispiel Windsurfen:
Die Stufe der unbewussten Kompetenz liegt noch weit vor mir. Beobachten kann ich sie an meinem Surflehrer, wenn er leicht wie eine Feder über die Wellen gleitet.
Beispiel Malen:
Ebenso automatisch, wie du vorher „Das ist aber schön“ gesagt hast, kannst du nun das Bild deines Kindes automatisch wertschätzend beschreiben, ohne über deine Worte nachdenken zu müssen.. Du fühlst dich mit dieser Art der Kommunikation in Einklang mit deinen Werten.

Es braucht Geduld nicht nur mit den Kindern…

Mache ich mir bewusst, dass auch eine Verhaltensänderung bei mir Zeit braucht, kann ich Geduld mit mir haben. Im Laufe meines Familienlebens habe ich an unzähligen Punkten diese Kompetenzstufen durchlaufen. Daher habe ich viele Probleme, die ich noch vor einigen Jahren hatte, nicht mehr.

Gleichzeitig gibt es im Familienleben, ob mit großen oder kleinen Kindern oder auch persönlich, immer wieder Herausforderungen, die mich zu einer Weiterentwicklung bringen. Und das ist auch gut so. Leben ist Bewegung.

Auch du wirst vieles, was dich jetzt in Schwierigkeiten bringt, in einigen Jahren mit Leichtigkeit meistern. In vielen Bereichen hast du wahrscheinlich schon die unbewusste Kompetenz erreicht. Es ist gut, sich mal aufzuschreiben, worin wir bereits diese Stufe erreicht haben. Denn es gibt immer sehr viel, was wir bereits gut und richtig machen. Sich das bewußt zu machen, schafft Wertschätzung und Dankbarkeit sich selbst gegenüber.

Wir alle sind Lernende

Das, was wir hier alle beginnen zu leben, -Liebe, Gleichwürdigkeit, Achtsamkeit, Einfühlsamkeit – ist ein junger Weg im Vergleich zu Tausenden von Jahren Gewalt.
Und so sehe ich das: als einen Weg, den ich gehe, auf dem ich manchmal stolpere, langsamer laufe, strauchele, und manchmal beschwingt und energiegeladen. Zum Glück gehe ich den Weg nicht alleine (ein Dank hier an alle meine Wegbegleiter).

Und ich möchte mit dieser Seite und in meinem Leben gerne Wegbegleiterin für andere Menschen sein.

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