“Und dann steht er da und wirft die ganzen Duplosteine im Wohnzimmer rum. Er weiß ganz genau, dass er das nicht tun soll. Und wenn ich ihm sage, er soll damit aufhören, grinst er mich an und wirft noch extra eins hinters Sofa. Ich könnte dann platzen vor Wut”, erzählt die Mutter des fünfjährigen Leon.
Sie ist davon überzeugt, dass ihr Sohn sie provozieren und seine Grenzen austesten will.
“Dann packe ich die Kiste mit den Duplosteinen für eine Woche weg. Doch das ist auch keine Lösung. Nächste Mal geht dasselbe Spiel wieder von vorne los”. stöhnt sie.
Wer dachte noch mal, dass das mit dem Eltern sein einfach sei?
Wahrscheinlich vor allem Nicht-Eltern.
Und doch!
Viel schwerer wird es vor allem durch all, das, was in solchen Situationen in unserem Kopf abgeht.
“Der will mich provozieren!”
Erst mal: Völlig normal, so ‘ne Gedanken.
Die haben wir fast alle mal in solchen Situationen. Unser Kopf macht das nun mal.
Viele dieser Gedanken sind noch nicht mal unsere, sondern haben wir von unseren Eltern und der Umgebung übernommen.
Und: Es sind trennende Gedanken.
Keine Gedanken der Liebe und Verbindung.
Kooperation aber entsteht durch Verbindung.
Die Schwierigkeit im Elternsein ist, bei einem herausfordernden Verhalten unseres Kindes unsere trennenden Gedanken wahrzunehmen, aber ihnen nicht zu folgen.
Und uns dann bewusst für Liebe und Verbindung zu entscheiden.
Höre auf die ungesagten Fragen, die dir dein Kind mit seinem Verhalten stellt.
Denn mit ihrem provozierendem Verhalten wollen Kinder immer wieder die Antwort auf 3 Fragen wissen.
1. Werde ich geliebt? (auch wenn ich etwas getan habe, was dir missfällt.)
2. Bin ich willkommen? (auch wenn ich gerade jammere und unausgeglichen bin.)
3. Bin ich sicher? ( Bist du bereit, die Verantwortung und die Führung zu übernehmen, wenn ich das nicht kann?)
Sind die Antworten ihrer Eltern regelmäßig ja, fühlen sie sich geliebt, willkommen und sicher, dann wird auch das provozierende Verhalten nachlassen.
Reagieren wir auf provozierendem Verhalten mit Wut, Drohungen oder Kränkungen, dann ist die Antwort, die das Kind bekommt: “Nein.”
Also wird es weitermachen, um irgendwann ein ja zu bekommen.
Ein Kind handelt nicht logisch. Nicht das Kind kann erkennen, dass es den Eltern dann vielleicht schwer fällt, es willkommen zu halten.
Wir Eltern brauchen die Einsicht, dass das Kind mit seinem Verhalten nach Liebe fragt.
Und dies mit ihrem Verhalten und Worten zeigen.
Elternsein braucht immer wieder die Bereitschaft, bei uns selbst hinzuschauen und gleichzeitig das Kind wahrzunehmen.
Und ja, auch eine Grenze können wir empathisch vermitteln. (darum wird es in einem der nächsten Mails gehen).
Das kostet viel weniger Kraft auf beiden Seiten und hat dazu mehr Aussicht auf Erfolg.
Elternsein kann auch viel leichter werden, als es jetzt vielleicht im Alltag für dich oft ist.
Nämlich dann, wenn wir nicht nur in einer guten Verbindung zu unserem Kind stehen, sondern auch zu uns selbst.
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