Hilfe, meine Kinder streiten! Buchbesprechung

Kennst du das?

Deine Kinder spielen friedlich im Kinderzimmer mit den Legosteinen.
Eine wunderbare Gelegenheit für eine Tasse Tee und eine Pause, denkst du. Du machst es dir auf dem Sofa gemütlich mit einer Tasse dampfenden Kräutertees und fängst an, in einer Zeitschrift zu blättern.

Plötzlich ertönt ein infernalisches Geschrei aus dem Kinderzimmer:

„Maaaaamaaaaa! Theo hat mich gehauen!“
„Weil du meine Haus kaputt gemacht hast, du Blödi!“

In dir schießt das Adrenalin bis unter die Haarwurzeln und du stellst den Tee zur Seite.

Und….. ?

Wie geht es jetzt weiter?

So wie schon so oft?

„Könnt ihr nicht einmal friedlich sein?“

„Theo, hör auf, Anna zu hauen!“

„Wenn ihr nicht sofort aufhört zu streiten, packe ich die Legosteine weg.“
All diese Sätze führen nicht zu mehr Frieden im Kinderzimmer. Im Gegenteil. Sie werden die Situation noch verschärfen.

In dem Buch „Hilfe, meine Kinder streiten“ gibt das Autorenduo Adele Faber und Elaine Mazlish Hilfen, wie Geschwister lernen können, einander zu respektieren und ihre Konflikte weitestgehend friedlich zu lösen.

Sie laden dich in dem Buch ein, einen Elternkurs zum Thema Geschwisterstreit zu begleiten. Jedes Kapitel des Buches beschreibt eines der Kurstreffen mit einem speziellen Thema.

Welche Rolle hatten wir selbst in unserer Herkunftsfamilie?

Bevor es an die aktuellen Probleme der Eltern mit ihren Kindern geht, fragen die Autorinnen nach den Erfahrungen mit den Geschwistern aus der eigenen Kindheit. Dabei wird klar, wie viel von unserem Verhalten heute mit den Erfahrungen, die wir als Kinder in unserer jeweiligen Rolle gemacht haben, geprägt ist. Waren wir in der Kindheit das jüngste Kind, dem die Spielsachen von den älteren Geschwistern weggenommen wurden, dann triggert uns solch ein Verhalten bei unseren älteren Kindern ebenfalls schnell. Anders ist es, wenn wir selbst die älteren Kinder waren, die zur Rücksicht auf das Jüngste angehalten worden sind. Dann sagen wir vielleicht zum Jüngsten: „Nun lass doch mal deinen Bruder in Ruhe spielen.“

Indem wir über unsere eigene Kindheit reflektieren, öffnen wir uns neuen Verhaltensweisen, die unseren Kindern besser helfen, ihre Konflikte zu lösen.

Ein weiterer wichtiger Punkt, um die Rivalität unter Geschwistern zu minimieren, ist, jedes Kind für seine Individualität zu schätzen. Es geht nicht darum, alle Kinder gleich zu lieben, sondern alle Kinder in ihrer Einzigartigkeit zu lieben. Das ist es, was Kinder lieben. Was macht sie so besonders für ihre Eltern? Indem Eltern das ihrem Kind beschreiben, fühlt es sich geliebt um seiner selbst willen und nicht lediglich in seiner Rolle als Kind.

Um die Bedeutung von Rollen und wie schnell Rollen einengend wirken können, darum geht es den Autorinnen ebenfalls. Sie plädieren dafür, Kinder nicht auf bestimmte Rollen festzulegen. „Dieses Kind ist ordentlich und jenes Kind ist künstlerisch begabt.“ So verteilen wir schnell Rollen, die die Kinder füllen und diese sie zugleich belasten. Denn sie wollen die Erwartungen der Eltern erfüllen und schränken so freiwillig ihre eigene Entwicklung ein.

Geschwisterstreit begleiten

Wie aber löst du nun einen Geschwisterkonflikt. Dazu erklären die Autorinnen folgendes Paradoxum:
„Auf positive Gefühle zwischen den Geschwistern zu bestehen erzeugte negative Gefühle.
Schlechte Gefühle zwischen den Kindern zuzulassen erzeugte positive Gefühle.“
(Faber/Mazlish, Seite 61)

Sie schlagen vor, die Gefühle des Kindes zu spiegeln und anzunehmen. Auch Gefühle wie Wut, Hass und Zorn werden nicht abgelehnt, sondern gehört.

Oft löst sich ein Konflikt bereits, wenn ein Kind sich wirklich gehört fühlt.

Die Lösung für einen Konflikt können die Kinder selbst finden, davon sind die Autorinnen überzeugt.

Sie empfehlen folgende Vorgehensweise:

  • Beschreibe in einer Konfliktsituation genau, was du siehst, ohne Bewertung.
  • Gebe allen beteiligten Kindern die Möglichkeit, ihre Sicht der Situation zu schildern.
  • Bestärke sie in dem Glauben, dass sie nun selbst eine Lösung finden werden, die für alle okay ist
  • Verlasse den Raum

Für komplexere und wiederholende Konfliktsituationen ist eine Zusammenkunft außerhalb des akuten Streits sinnvoll, in dem Vorschläge für eine Lösung gesammelt werden. Die Eltern übernehmen sozusagen die Rolle des Mediators. Anschließend wird der Vorschlag (oder auch mehrere Vorschläge) gewählt, der für alle annehmbar ist.
Kommt es zum Beispiel immer wieder zum Streit über die morgendliche Badnutzung, dann kann hier eine Familienversammlung für eine friedliche Konfliktbewältigung genutzt werden.

Mir gefällt an dem Buch, dass es sehr praxisorientiert und unterhaltsam geschrieben ist. Jedes Kapitel ist in sich abgeschlossen, so dass du das Buch auch mal für eine Weile aus der Hand legen kannst und trotzdem wieder leicht in den Lesefluss kommst.
Viele Kapitel enthalten Comics, in denen die herkömmliche und die neue Art der Konfliktbewältigung dargestellt wird.
Am Ende der Kapitel steht eine Zusammenfassung der wichtigsten Strategien. Da hätte ich mir gewünscht, dass am Ende des Buches noch einmal die wichtigsten Tipps als Notfallset für die Eltern sofort ohne groß nachzuschlagen zu finden sind.

Auf jeden Fall ist das Buch für alle, die manchmal am Geschwisterstreit verzweifeln, ein große Hilfe. Es zeigt neue Wege der Verständigung auf, die auch wirklich funktionieren.
Die Autorinnen sehen dabei in einer liebvollen Verständigung innerhalb der Familie auch die Hoffnung auf eine friedlichere Welt:

„Man stelle sich eine Welt vor,…..in der Brüder und Schwestern in Familien aufwachsen, in denen Verletzungen nicht erlaubt sind; in der Kindern beigebracht wird, ihren gegenseitigen Zorn auf gesunde und ungefährliche Weise auszudrücken; in der jedes Kind als Individuum wertgeschätzt wird, nicht im Verhältnis zu den anderen; in der Zusammenarbeit eher die Norm ist als Wettstreit; in der niemand in einer Rolle gefangen ist; in der Kinder täglich Erfahrungen und Unterstützungen darin erleben, ihre Meinungsverschiedenheiten zu klären.
Und was, wenn diese Kinder zu Erwachsenen heranwachsen, die die Welt von morgen formen?
Was für ein Morgen das sein würde!
Die Kinder, die in solchen Familien aufwachsen würden, , würden wissen, wie man die Probleme der Welt angreift, ohne unsere kostbare Welt anzugreifen. Sie hätten die Fähigkeit und die Überzeugung, das zu tun. Sie würden unsere globale Familie retten.“
( Faber/Mazlish, Seite 198)

Und das ist es doch, von dem wir hier träumen!

Hilfe, Meine Kinder streiten
Adele Faber und Elaine Mazlish
ObersteBrink Verlag
ISBN978-3-934333-60-4

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