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Haben friedvollere Eltern friedvolle Kinder?

Der Dreijährige schleuderte seinen Roller weg, trat noch mal hinterher, stampfte mit den Füßen und begann aus vollem Halse zu brüllen.
So ein schreiendes Kind auf dem Bürgersteig erregt Aufmerksamkeit. 
Auch meine. 
Ich stand auf der anderen Strassenseite und beobachtete die Szene.

Kinderschreien wird von den meisten Menschen als ähnlich unangenehm empfunden wie das Geräusch einer quietschenden Kreide über der Tafel. Das liegt daran, dass beides hochfrequente Geräusche sind, die unser Gehör aufschreckt. 
Evolutionär hatte das Sinn, denn dadurch wurden wir in Urzeiten sofort auf unser Kind aufmerksam, wenn ihm Gefahr drohte.

Und das ist auch der Grund, weswegen Menschen so ungern schreiende Kinder hören: Es versetzt uns innerlich in Alarmzustand. Unser Körper reagiert mit einem milionenjahre alten Programm.
Das ist sicher auch ein Grund, weswegen die meisten Menschen Kinder lieber ruhig haben. Es ist für sie einfach das angenehmste. Daran ist auch gar nichts falsch.
 
Doch was ist mit den Kindern?

Der kleine Wutzwerg von der Strasse gegenüber tobte weiter. Sein Vater ging zu ihm und ging vor dem Jungen in die Hocke, so dass er seinem  Sohn in die Augen schauen konnte. Der Junge schrie ihm ins Gesicht. Der Vater sah ihn weiter an, sagte einige wenige Worte und blieb präsent. Nach einer Weile beruhigte sich der Junge, der Vater nahm den Roller und sie gingen.

Warum erzähle ich dir diese Geschichte?

Weil mich die ruhige Gelassenheit des Vaters berührt hatte. Das Weinen seines Sohnes  irritierte ihn nicht. Der Sohn durfte sein wie er war und konnte seine Wut gehen lassen.

Wut ist ein so wichtiges Gefühl. Darf ein Kind es spüren und erleben, dass Wut kommen und auch wieder gehen kann, wird es mit starken Gefühlen immer leichter umgehen können. 
(Wenn du mehr zum Thema Gefühle lesen willst, dann schaue dir meinen Artikel über Gefühlssprache an. https://kindheitinbewegung.net//gefuehlssprache-lernen/)

Wut ist auch heute noch notwendig. Würden wir in manchen Situationen keine Wut spüren, könnten wir sie nicht verlassen, wenn sie für uns nicht gut sind. Aus unterdrückter Wut kann Ohnmacht werden. Ein Gefühl, dass viele Frauen und auch ein paar Männer nur zu gut kennen.
Die Fähigkeit, Wut ausdrücken zu können, sollte ein Mensch nie verlernen können.

Deswegen ist ein möglichst ruhiges Kind nicht erstrebenswert, wenn der Preis ist, dass es dafür lernt, stillzuhalten, auch wenn es gerade nicht gut für das Kind ist.

Kinder durchlaufen in ihrem Größerwerden viele Zeiten, in denen sie ziemlich von ihren Gefühlen gebeutelt werden. Sie lernen ja erst, wie sie damit umgehen können, ohne dass die halbe Nachbarschaft dabei Tango tanzt.

Und Kinder haben auch unterschiedliche Temperamente. Manche Kinder drücken ihre Gefühle einfach lauter aus als andere, reagieren stärker und brauchen länger, um sich wieder zu beruhigen.

Das ist auch kein Manko der Eltern, sonder meistens einfach angeborenen. Menschen sind vielfältig. Kinder auch.

Aus einem lautstarken Dreijährigen wird deswegen noch kein dreissigjähriger Hooligan später. Das hat ganz andere Gründe.
 
 
Wenn dein Kind also laut ist, schreit, schimpft, stampft, meckert, dann ist das der Ausdruck, der ihm gerade zur Verfügung steht. Es wird noch andere Wege lernen. Wirklich.

Und auch friedvolle Eltern sind ja auch nicht immer so friedvoll. Ich bin es auch nicht immer.
Friedvolle Elternschaft doch eher ein Weg als ein Ziel. Nämlich der Weg, präsent zu sein und die innere Bereitschaft zu haben, weiterzuwachsen und sich zu entwickeln. 

Und auf diesem Weg ist auch ein Wutanfall unseres Kindes ein Geschenk. Denn der zeigt uns genau, wo es noch wunde Punkte bei uns gibt. Zum Beispiel wenn das Begehren da ist nach einem friedlichen Kind und nicht nach einem Wutzwerg, mit dem du dich kaum zum Verwandtengeburtstag traust. Wie würdest du in einer solchen Situation deinem Kind gegenüberstehen, wenn du Anerkennung dafür bekommen würdest, dass dein Kind sich traut, Wut zu zeigen?

Andere Menschen haben ihre eigene Geschichte und damit ihre eigenen Bewertungen.

Wie wäre es, wenn  nicht entscheidend wäre, wie andere über dich und dein Kind urteilen, sondern einzig die Qualität eurer Beziehung?
Wenn du die stärkst und immer wieder in die Verbindung gehst, auch wenn es manchmal schwer ist, dann ist das friedvoll. Auch wenn dein Kind wütet.

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Dagmar

Dagmar Gericke von der KINDHEIT IN BEWEGUNG: Ich bin Mutter von vier Kindern im Alter zwischen 6 und 27 Jahren. Außerdem bin ich Kommunikationstrainerin, Theaterpädagogin und Elternbloggerin. Ich bin davon überzeugt, dass wir, indem wir uns selbst und unsere Familien heilen, auch unsere tief zerstrittene Welt heilen. Der Wandel beginnt immer bei uns selbst.

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