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Die Tränen des inneren Kindes

Die Tränen des inneren Kindes

Glaubenssätze!

Manche von ihnen stecken so tief in uns drin, dass es einen Auslöser braucht, um sie uns wieder gewahr werden zu lassen.

Sind sie uns immer bewusst, könnten wir sie leichter transformieren. Leider verstecken sie sich gerne. Wäre ja sonst zu einfach.

Vor kurzem durfte ich wieder einen meiner Glaubenssätze transformieren.

Ich nahm an einem Seminar auf Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation teil, mit dem schönen Namen “Abenteuer lebendig sein”.

Dabei konnten auch alle Teilnehmenden ein aktuelles Thema von sich bearbeiten und von 2 anderen Teilnehmenden dabei begleiten lassen.

Einer der beiden war der Empathiepartner, der nah an meinem Prozess blieb, und auch mal anbot, wo genau ich noch mal mehr hinfühlen könnte oder nachfragte.

Und obwohl mein Thema in der Gegenwart angesiedelt war, landete ich in meinen Gefühlen bei meinem inneren Kind. Das Kind in mir, dass sich damals auf eine bestimmte Weise verhielt, um sich zu schützen. Für das Kind machte das alles Sinn. Damals. Seine Gefühle aber erreichten meine Gegenwart.

Und ich weinte. Das alles berührte etwas tief in mir und die Tränen flossen. Als mein Begleiter mich am Ende des Prozesses fragte, ob ich jetzt etwas bräuchte, antwortete ich: “Ein Taschentuch.”

Meine Augen schwammen immer noch davon und meine Nase lief.

“Mir kommen immer ganz schnell die Tränen,” murmelte ich, während er mir ein Taschentuch reichte.

“Das ist okay. Du bist schön, wenn du weinst”, antwortete er ganz ruhig.

Boah. Schön?

Das ging total tief. Und entspannte mich unglaublich.

“Heul dich jetzt nicht an der Schürze deiner Mutter aus”, sagte mein Vater zu uns, wenn er ausrastete und mich oder meine Brüder auf andere Art zum Weinen brachte.

Natürlich flüchtete ich dann zu meiner Mutter, aber so, dass mein Vater es nicht mitbekam. Möglichst schnell weg von ihm, der so wenig Mitgefühl für meine Tränen zeigte.

Seinen eigenen Schmerz hatte er nie zeigen dürfen und er tat es als Vater auf eine Weise, die für uns Kinder völlig unverständlich war. Er ließ uns seinen Schmerz fühlen.

Trost konnte er nicht spenden, dazu war er zu sehr von sich selbst abgeschnitten.

(In „Der Tod meines Vaters und die Reise ins Innerste meiner Kindheit“ habe ich darüber geschrieben).

 

Wenn mich etwas bewegt, berührt oder traurig macht, kommen mir leicht die Tränen. Diese in der Gegenwart von anderen Frauen fließen zu lassen war immer okay. Da konnte ich mich angenommen fühlen. Aufgehoben. Trost empfangen.
Weinen ist für mich nicht nur okay, sondern Teil unseres Gefühlsausdrucks. Und ich habe meine Kinder in meinen Armen, wenn sie voller Traurigkeit und Tränen sind, weil etwas sie so stark berührt.

 

Doch in der Gegenwart von Männern fühlte ich mich immer unwohl mit meinen Tränen, schwach und verletzlich. Und es wiederholte sich in meinem Erwachsenenleben leider zu oft die Erfahrung, dass Männer den Schmerz eines anderen Menschen nicht halten können.

Und dann stand da dieser Mann und sagt mit einer Selbstverständlichkeit, so fast nebenbei:

“Das ist okay. Du bist schön, wenn du weinst!”

Das hatte etwas unglaublich Heilsames. Es löste den alten Glaubenssatz, der sich als Kind gebildet hatte: “Wenn ich weine, mag mein Papa mich nicht und ich bin nicht liebenswert für ihn.”

Für das Kind damals war dieser Glaubenssatz total wichtig. Kinder wollen von ihren Eltern geliebt werden und nehmen dann Meinungen über sich an, um sich zu schützen. Denn sie stellen nicht den Vater oder die Mutter in Frage, sondern sich selbst.

Das läuft auf der Gefühlsebene ab und wird in unserem Körpergedächtnis gespeichert.

Auch noch in unserem erwachsenen Körper stecken diese Erfahrungen.

Das Kind in mir war total alarmiert, wenn ich in einer Umgebung weinte, in der ich verletzt werden könnte. Es wollte sich immer noch schützen.

Doch diesmal schaute es erstaunt auf, weil das Gegenüber  keine Abwehr vor meinen Tränen zeigte. Jetzt konnte es sich entspannen. Es dachte: “Ich darf weinen. Keine Gefahr in Sicht. Dieser Mann da findet mich sogar schön, auch wenn ich weine.”

Es ging dabei gar nicht um ihn persönlich. Er war einfach derjenige, der mir helfen konnte, meinen Glaubenssatz zu transformieren. Solche Engel werden uns immer wieder im Leben geschickt. Wenn sie zum richtigen Zeitpunkt kommen und wir gerade unser Herz öffnen können, dann können sie heilsame Prozesse auslösen.

Und während ich später über diese Erfahrung nachsinnte, schuf ich einen neuen Glaubenssatz, der sich soviel wärmer und lebendiger anfühlt:

“Ich bin schön, wenn ich weine.”

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Dagmar

Dagmar Gericke von der Feeling Family®: Ich bin Mutter von vier Kindern im Alter zwischen 9 und 30 Jahren. Außerdem bin ich Kommunikationstrainerin, Theaterpädagogin und Elternbloggerin. Ich bin davon überzeugt, dass wir, indem wir uns selbst und unsere Familien heilen, auch unsere tief zerstrittene Welt heilen. Der Wandel beginnt immer bei uns selbst. Willst du mehr über mich wissen? Dann schaue hier: https://feelingfamily.com/about/