Es ist nicht egal, wie wir geboren werden! Warum es auch für Frauen, die im Krankenhaus gebären, wichtig ist, dass jede Frau ihren Geburtsort frei bestimmen kann!

Selbstbestimmte Geburt ist ein Menschenrecht!

Vor wenigen Monaten ging eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs durch die Presse: „Hausgeburten sind kein Menschenrecht“, so lautet das Urteil vom Europäischen Gerichtshof nach der Klage zweier Frauen aus Tschechien. Beide wünschten sich eine Hausgeburt mit Hebammenbegleitung, was die aktuelle Gesetzeslage in Tschechien fast unmöglich macht. Für die Richter war eine Krankenhausgeburt mangels Alternativen jedoch keine Verletzung des Rechts auf Achtung des Privat- und Familienlebens und daher müssten staatliche Behörden Hausgeburten durch Hebammenbegleitung nicht unterstützen.

 Dieses Urteil ist in meinen Augen ein Skandal.

Ich habe meine 4 Kinder zu Hause geboren. Es war für uns der sicherste, beste und schönste Ort, den wir uns vorstellen konnten.
Wir wurden von wunderbaren, verantwortungsbewussten Hebammen begleitet, die mir eine Eins-zu-Eins-Betreuung geboten haben. Sie waren in der Lage, eine Komplikation rechtzeitig zu erkennen und einzugreifen.
In vielen Krankenhäusern dagegen betreut eine Hebamme mehrere Frauen gleichzeitig.
Aus „Sicherheitsgründen“, wohl manchmal eher aus Zeitmangel, werden bei vielen Frauen geburtshilfliche Maßnahmen eingeleitet, die bei einer sorgfältigen Begleitung vermeidbar wären.

Die Geburtshilfe in Deutschland hat versagt.

Die WHO empfiehlt eine Kaiserschnittrate von maximal 15 %, Deutschland ist bei fast 30% angekommen, ebenso wie viele andere westliche Länder. Es wird vorschnell zum Skalpell gegriffen, um nur in keine gerichtliche Maßnahme wegen unterlassenen Eingriffen zu kommen. Also lieber schneiden als abwarten, auch wenn ein Kaiserschnitt selbst ein Risiko birgt.
Viele Ärzte wissen gar nicht mehr, wie besondere Lagen vaginal entbunden werden, haben es nie gesehen, ebenso wie die wenigsten Ärzte bei außerklinischen Geburten dabei waren.

Für mich bedeutet das, die Geburtshilfe in Deutschland hat versagt.

Ein Kaiserschnitt ist eine Operation und hat nach wie vor ein höheres Risiko als eine vaginale Geburt, nicht nur bei dieser, sondern auch bei den nachfolgenden Geburten. So gut es ist, dass es die sichere Möglichkeit zum Kaiserschnitt für Notfälle und schwierige Lagen gibt, so sicher ist es auch, dass der Kaiserschnitt inflationär eingesetzt wird.
Ein Kaiserschnitt hinterlässt nicht nur Narben am Körper.
Vielfach auch an der Seele, ebenso wie eine Geburt, in der die Frau nicht über sich selbst bestimmen konnte.

Was hat das alles nun mit Hausgeburten zu tun? Reicht es nicht, die Klinik zu einem angenehmeren Ort zu machen?

Genau das wird nicht eintreten, wenn Frauen keine Alternative mehr haben. Auch wenn es nur wenige Prozent außerklinische Geburten gibt, so schützen diese außerklinischen Geburten alle Frauen. In den hebammengeführten Geburtshäusern, die in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden sind, hat sich eine Geburtshilfe entwickelt, in der das Wunder der Geburt einen Raum zur Entfaltung fand. Zu Hause entscheiden sowieso die Frauen selbst über die Art der Geburt.

Alles, was eine Geburt zu einer Erfahrung machen kann, die uns tief in der Seele berührt, ist dort vorhanden. Menschen, die das kleine Menschenkind sanft empfangen und in Liebe baden, eine Familie, die das neue Familienmitglied empfängt. Ein Zuhause.

 Es ist nicht egal, wie wir geboren werden

Gibt es diese Möglichkeit nicht mehr, gibt es keine Frau mehr, die davon berichten kann, wie es ist, selbstbestimmt und frei zu gebären, dann wird sich auch die Geburtshilfe in den Krankenhäusern immer weiter verändern.

Es gibt nichts mehr, woran sie sich messen müssen.

Die Geburt als technischer Überwachungsraum könnte das Resultat sein. Es gebären immer noch 80% aller Frauen in Rückenlage, obwohl das für eine Frau die denkbar ungünstigste Haltung neben dem Kopfstand ist. Während der Schwangerschaft wird Frauen abgeraten, auf dem Rücken zu liegen, weil das Baby auf die große Hohlvene drückt.

Kaum im Krankenhaus, liegt die Frau auf dem Rücken, nur weil es für die Ärzte die bequemste Position ist.

Es gibt ein paar Krankenhäuser, die es anders machen, bequeme Betten und Geburtswannen anbieten. Aber was ist, wenn der Geburtspool besetzt ist und das Familienzimmer auch, weil ein anderes Kind sich zur selben Zeit auf den Weg macht? Dann geht’s doch wieder auf das ungeliebte Krankenhausbett.

Zu Hause suche ich mir den Platz, wo ich mein Kind gebären will und den macht mir dort niemand streitig. Für das Bonding, das wunderbare Kennenlernen von Mutter und Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt, sind hier optimale Bedingungen. Eine Klinik kann nur versuchen, diese Bedingungen nachzuahmen. Doch gerade dieser wichtige Moment zwischen Mutter und Kind, dessen alleine die beiden bestimmen sollten, wird nur zu oft den Abläufen in der Klinik geopfert.

Heute heißt es, Hausgeburten sind kein Menschenrecht, morgen heißt es vielleicht, vaginale Geburten sind kein Menschenrecht.
Der Zug fährt gerade unhaltbar in diese Richtung, wenn wir ihn nicht aufhalten.

Es ist nicht egal, wie wir geboren werden

Zu Hause muss ich nicht gegen irgendwelche Vorschläge vom wohlmeinenden Klinikpersonal kämpfen. Die Hebamme hilft mir, wenn ich sie brauche. Ich wäre in einem Notfall jederzeit in die Klinik gegangen, aber nur dann. Denn nur dafür wären bei meinen Geburten die Kliniken da.

Für den Notfall, nicht für die normale Geburt.

Ich fühle mich in Krankenhäusern nicht besonders wohl und sicher. Warum sollte sich das für meine Geburten ändern?
Der Ort, an dem sich eine Frau geborgen fühlt, das ist bei einer normalen Geburt auch der sicherste Ort für die Geburt.
Eine Hausgeburt ist über Stunden oft sehr ruhig. Meine Hebamme sagte mir mal, sie könnte nicht mehr im Krankenhaus arbeiten.
Dort schreien die Frauen bei der Geburt so sehr.

Aber Hausgeburten sind nicht ruhiger, weil die Frauen ihr Schreien unterdrücken.  Sondern weil der gesamte Ablauf sich komplett von einer Geburt unterscheidet, die an einem unvertrauten Ort stattfindet. Die Gebärende kann sich ganz dem Rhythmus der Geburt hingeben. Die Hormone, die ohne äußere Störungen genauso so ausgeschüttet werden, wie es von der Natur vorgesehen ist, schaffen bei der Gebärenden zu Hause häufig einen Zustand zwischen Trance und Flow.

Eine selbstbestimmte Geburt ist ein derart tiefgreifendes existenzielles Erlebnis, dass die Mutter in Euphorie versetzen kann. Sie kann sich frei ihrem Neugeborenen widmen, der als erstes die Menschen sieht, die zu seiner Familie gehören. Das Neugeborene hört die Stimmen, die es aus dem Bauch kannte, und keine anderen. Es muss keine zusätzlichen Reize verarbeiten.

 Freie Wahl des Geburtsortes ist unabdingbar für eine zugewandte Geburtshilfe

All diese Erlebnisse haben Frauen, Ärzte, Hebammen nach außen getragen und damit auch die Geburtshilfe in den Kliniken verändert.
Es geht auch anders, liebevoller, zugewandter, menschlicher. Und trotzdem genauso sicher. Das war die Botschaft der Pioniere der selbstbestimmten Geburt, wie Sheila Kitzinger, Michael Odent, Ina May Gaskin und Frederic Léboyer.
Deswegen ist auch für Frauen, die nur in der Klinik gebären wollen und nirgendwo anders, es wichtig, dass es das Recht der freien Wahl des Geburtsortes gibt. Dieses Recht ist nur durch eine ausreichende Hebammenhilfe gesichert.

Wenn wir weder Zwangsklinikgeburten noch unfreiwillige Alleingeburten wollen, dann müssen wir die Frauen, die neugeborenen Kinder und die Hebammen stärken.

Den Ort und die Art der Geburt frei zu wählen, ist eins der wichtigsten Rechte von schwangeren Frauen.

Es ist ein Menschenrecht.

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