Das habe ich mir anders vorgestellt – wie schmerzliche Geburtserfahrungen heilen können!

Buchvorstellung: „Es war eine schwere Geburt“

Manche Geburten hinterlassen tiefe Spuren in der Seele der Mutter, die lange Zeit nicht heilen können. Frauen mit traumatischen Geburtserlebnissen verzweifeln oft an sich selbst. „Ich müsste doch glücklich sein“, werfen sie sich vor, „warum bloss nicht, ich habe doch alles?“
Von der Umwelt erhalten sie nur wenig bis gar keine Unterstützung bei der Verarbeitung ihres Traumas.

„Sei doch froh, dass es deinem Baby und dir gut geht. Vor hundert Jahren wärt ihr gestorben“, hören sie von ihrem Partner, Verwandten und Freunden. Die Mütter verschließen ihren Kummer tief in sich und versuchen ihn zu verdrängen. Doch das belastende Geburtserlebnis steht nicht nur ihrem eigenen seelischen Gleichgewicht entgegegen, es belastet auch die Beziehung zu ihrem Baby und ihrem Partner.
 Besonders in einer weiteren Schwangerschaft brechen traumatische Geburtserlebnisse wieder hervor. Wie aber können Frauen es schaffen, eine traumatische Geburt zu verarbeiten?
Die Hebamme und Traumatherapeutin Viresha J. Bloemeke bietet mit dem Buch „Es war eine schwere Geburt“ 
viele konkrete Hilfen an, um die belastende Erfahrung zu verarbeiten.

Was ist ein Trauma?

Ein Trauma kann durch eine starke körperliche Verletzung als auch durch eine seelische Erschütterung hervorgerufen werden. Ein Schock ist die erste direkte Folge eines Traumas. Viele Menschen reagieren auf einen Schock, indem sie sich anschließend in einem Alarmzustand befinden. Andere Menschen sind desorientiert und leiden unter Gedächtnisverlust, sind blass und zittern. Das schockauslösende Ereignis kann wie ein Film immer wieder vor ihrem inneren Auge ablaufen. Menschen brauchen nach einem Schock Unterstützung für ihren Kreislauf, Schlaf und andere Menschen, die sie beruhigen und mit denen sie sprechen können.

Posttraumatische Belastungsstörung

Als langfristige Folge eines Traumas kann eine posttraumatische Belastungsreaktion entstehen. Dabei treten Symptome wie Alpträume, Konzentrationsstörungen, Panikattacken und/oder innere Starre auf.
Im Laufe der Zeit, meistens nach ca. 3 Monaten, mindern sich die Symptome und die Menschen blicken positiver in die Zukunft.
Bei manchen Menschen aber war die psychische Belastung so hoch, dass eine langfristige posttraumatische Belastungsstörung entsteht.
Viresha Bloemeke schreibt dazu:

„Im Allgemeinen kann man sagen, dass ein einmaliges und nicht von Menschen verursachtes Trauma leichter selbst bewältigt wird, als ein länger dauerndes, wiederholtes oder von Menschen zugefügtes Trauma.“

Posttraumatische Belastungsstörungen können nach Naturkatastrophen, Unfällen, Kriegen, sexuellen und anderen Gewalterfahrungen auftreten. Erst seit Kurzem werden auch bestimmte Geburten als Ereignisse gesehen, die eine posttraumatische Belastungsstörung auslösen können.

Wie kommt es zu einer schmerzlichen Geburtserfahrung?

Es gibt eine Reihe von Komplikationen und Eingriffen während der Geburt, die die Geburtserfahrung nachhaltig beeinflussen. Dazu zählen:

  • eine sehr lange Entbindungsdauer
  • mangelnde Betreuung
  • lebensbedrohliche Blutungen
  • schlechte Herztöne, Angst um das Kind
  • Trennung von Mutter und Kind nach der Geburt
  • Totgeburt
  • (Not-)Kaiserschnitt
  • PDA
  • Zangen- oder Saugglockengeburt
  • Manipulationen am Körper der Frau während der Austreibungphase
  • Notoperationen

Was sind die Folgen einer schmerzlichen Geburtserfahrung?

Besonders, wenn die Frau in ihrem Leben bereits Gewalterfahrung erlebt hatte, kann durch eine gewaltvolle Geburtserfahrung ein Trauma ausgelöst werden. Mütter fühlen sich mit den Folgen einer schmerzlichen Geburt allein gelassen. Unverarbeitete Traumata können die Bindung zum Baby erschweren und ein Faktor für das Aufkommen einer Wochenbettdepression sein. Auch kann jede weitere Schwangerschaft davon übeschattet sein.

Wie können schmerzliche und traumatische Geburtserfahrungen heilen?

Viresha Bloemeke stellt in ihrem Buch verschiedene Wege vor, die Frauen helfen können, ihre traumatischen Geburtserlebnisse zu verarbeiten. Sie schlägt zum einen Methoden vor, für die fachliche Hilfe benötigt wird, wie bei der Begleitung durch eine Hebamme, eine Psychotherapie oder einen Arzt.
Sie beschreibt gut, weche fachliche Hilfe die passende sein kann.

Außerdem gibt sie viele Tipps zur Selbsthilfe, wie zum Beispiel:

  • ein Heilungs-Tagebuch anzulegen
  • Phantasiereisen
  • Körpermeditationen
  • Bewegungübungen
  • Selbstmassage
  • den Geburtsbericht anfordern, um zu verstehen, was passiert ist
  • ein Traumaverständnis entwickeln anhand des 7-Geißlein Trauma-Modells

Wie kann das Kind nach einer schweren Geburt unterstützt werden?

Eine schwere Geburt hinterlässt auch beim Neugeborenen Spuren. Manche sind deutlich sichtbar, wie ein Schlüsselbeinbruch oder ein deformierter Kopf.
Andere Folgen äußern sich durch langanhaltendes Weinen oder starke Spannungszustände und/oder Unruhe.

Hilfe beim KiSS-Syndrom

Das KiSS-Syndrom, entstanden durch starke Verschiebungen der Schädelknochen oder der oberen Halswirbel, kann dem Baby Unwohlsein und Schmerzen bereiten. Ausgebildete Chiropraktiker, Cranio-Sacral-Therapeuten und Osteopathen können einem Baby mit KiSS-Syndrom helfen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser für das Baby und seine Entwicklung.Wenn ein Baby sich immer wieder stark durchdrückt, empfindlich auf Berührungen reagiert, sich kaum beruhigen lässt, auch nicht durch Stillen und Tragen, dann sollte man an das KiSS-Syndom denken.

Auch das Neugeborene hat bei einer schweren Geburt starken Stress erlebt und kann Symptome entwickeln, die einer posttraumatischen Belastungsreaktion ähneln. Das Neugeborene braucht Schutz, Reizreduktion und entspannte Eltern, um sich der Welt wieder mit Vertrauen zuzuwenden.
Dafür sollten sich die Eltern nicht scheuen, Hilfe anzunehmen, wie zum Beispiel durch Therapeuten der Emotionellen Ersten Hilfe (Schreiambulanz).

Ein Geburtstrauma zu heilen braucht Zeit

Das Buch von Veresha J.Bloemeke füllt eine wichtige Lücke auf dem Buchmarkt. Sie gibt dem Erlebnis der Geburt den Stellenwert, den es im Leben einer Frau – und letzendlich in unser aller Leben, verdient.
Ich selbst hatte bei einer Fehlgeburt in der 11. Woche eine Sturzblutung. Das Gefühl, die Kontrolle über das zu verlieren, was mit meinem Körper passiert, hatte mich damals sehr erschüttert. Für mich war es sehr wichtig, es mithilfe meiner Hebamme und meiner Frauenärztin aufzuarbeiten. Auch, um herauszufinden, ob ich eine Neigung zu starken Blutungen habe. Das hatte mir geholfen, mich auf eine weitere Schwangerschaft einzulassen.
Veresha J.Bloemeke schlägt in ihrem Buch verschiedene Wege vor, eine belastende Geburtserfahrung zu verarbeiten, so dass jede Frau das finden kann, was zu ihr persönlich passt.
Sie macht mit ihrem Buch Frauen mit schweren Geburten Mut, ihre Erlebnisse zu verarbeiten, den Heilungsprozess in Gang zu setzen und so die Geburtserfahrung langfristig konstruktiv in ihr Leben zu integrieren.

Es war eine schwere Geburt
Viresha j. Bloemeke
Kösel Verlag
ISBN: 978-3-466-34607-3
16,99 €

Noch ein paar Links zu dem Thema:

Schreiambulanzsuche
Zentrum für Primäre Prävention
Bahnhofstrasse 12
28195 Bremen
Tel. 0421-3491236
www.zepp-bremen.de
kontakt@zepp-bremen.de

Wochenbettdepressionen und Geburtstrauma:
Schatten und Lichte.V.
Obere Weinbergstr. 3
D-86465 Welden
Tel.: 08293 / 965864
Fax: 08293 / 965868
Email: info@schatten-und-licht.de

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