3 Jahre in Bolivien: Mein Leben als Mutter in einem Land, wo das Tragen von Kindern normal und alltäglich ist

Ich habe die Baby- und Kleinkindzeit meiner Tochter, bis sie 2 Jahre und 8 Monate alt war, in Bolivien verbracht. Wir lebten von 2006 bis 2009 in La Paz bei meinem damaligen Lebensgefährten und Vater meiner Tochter. Etwa alle 1 bis 2 Monate fuhren wir in ein Dorf in den Anden, wo die Familie ein ländliches Hotelprojekt am Laufen hatte. Entweder verbrachten wir dort einfach Zeit, es gab etwas zu tun oder manchmal kamen auch Touristengruppen dorthin, für die wir dann ein Programm machten.

Die Architektur im Dorf – wie in den Dörfern allgemein – ist nicht gerade hübsch. Dafür ist aber die Landschaft dort angenehm, ein Tal in den Anden, wo immer noch viel Terrassenbau betrieben wird. Viele Felder sind allerdings auch verlassen, aber man sieht noch die Spuren der Terrassen-Landwirtschaft, sogar oftmals bis hoch in die Berge hinauf.
Nah am Dorf gelegen, etwas weiter unten im Tal, befinden sich heiße schwefelhaltige Thermalquellen. An einem Teil der Quellen ist ein kleines Schwimmbad – die Installationen sind zwar ein bisschen verpekt und heruntergekommen, aber es reicht aus: Es gibt Umkleidekabinen und das Wasser ist angenehm warm, es hat heilende Wirkung, die Muskeln werden entspannt und man kommt super relaxt da raus.

La Paz

La Paz ist eine chaotische, multikulturelle Metropole mit insgesamt 2 Millionen Einwohnern und verschiedenen Klimazonen. Die Stadt befindet sich in einem zerklüfteten Talkessel am Andenhochplateau (Altiplano). Die Höhe variiert zwischen 4000 m auf der Hochebene und etwa 3100 m an ihrem niedrigsten Punkt unten in der Südstadt.

Weiter oben am Rand des Talkessels sind die Temperaturen kälter, da von hier aus die kalten Winde aus der Andenhochebene das Tal hinunterwehen. In den unteren Ebenen der Stadt ist es wärmer, die kalten Winde gelangen hier nicht hin, und vielerorts herrscht sogar ein so mildes Mikroklima, dass Palmen und andere subtropische Pflanzen hier gedeihen, die bei einem Nachtfrost zugrunde gehen würden.
In den höheren und kühleren Stadtteilen wohnen meist ärmere Menschen, während sich in den wärmeren Gegenden der Südstadt die Villen der wohlhabenderen Leute befinden. Der Stadtteil El Alto befindet sich oben am Rand des Talkessels, bereits auf der Andenhochebene, die Hälfte der Einwohner von La Paz lebt hier oben – es sind vor allem aus Dörfern zugewanderte Indianer, die sich dort angesiedelt haben.

Als ich in La Paz angekommen bin, hat es erstmal eine Weile gedauert, bis ich mich in dieser etwas chaotischen und wuseligen Stadt orientieren und zurechtfinden konnte. Der öffentliche Verkehr bestand aus Minibussen mit 2 oder 3 Sitzreihen, wo man sich reinquetschte. Es gab keine Haltestellen, sondern man musste einfach wissen, wo welche Minibusse entlangfuhren, dann konnte man einen davon auf der Strecke anhalten und einsteigen. Wenn man aussteigen wollte, musste man dem Assistenten, der hinten im Stehen mitfuhr und kassierte, Bescheid sagen, dass man an der nächsten Ecke aussteigen möchte.

Wir wohnten etwas nördlich oberhalb vom Zentrum, gemischte Bevölkerung und kühleres Klima.

Schwangerschaft und Geburt ohne Krankenversicherung 😉

Meine Tochter Yasmine kam in La Paz zur Welt, einen Großteil der Schwangerschaft verbrachte ich in Bolivien. Ich war nicht krankenversichert, aber die Gesundheitsversorgung dort ist einfach total günstig, das kann man alles so bezahlen, wenn man nicht gerade in teure ausländische Privatkliniken geht. Ich hatte für die sogenannte „Schwangerschaftsbegleitung“ einen Frauenarzt in dem katholischen Krankenhaus „Arco Iris“, der war sehr nett und lustig. Es war dort alles ganz locker und vor allem gab es nicht diesen schrecklichen gynäkologischen Stuhl, ebenfalls muss man sich dort als Frau nicht ausziehen für so eine Untersuchung.

Die Schwangerschaftsbegleitung bestand darin, dass einfach in regelmäßigen Abständen Ultraschall-Untersuchungen gemacht wurden. Die liefen so ab, dass ich vorher ganz viel Wasser trinken sollte. Und dann, sobald es mir auf die Blase zu drücken anfing, sollte ich mich auf eine Liege legen, Bauch frei machen und dann wurde auf dem Bauch ein Ultraschall gemacht, ich konnte jedes Mal mein Baby sehen und der Arzt hat die Größe vom Kopf etc. gemessen und geguckt, ob sich alles gut entwickelt. So eine Untersuchung mit Ultraschall kostete umgerechnet etwa 5 Euro.

Während der Schwangerschaft machte ich alles ganz normal, ritt auch auf dem Pferd.

Die Bolivianer sind sehr zuvorkommend gegenüber Schwangeren, sie sind allgemein sehr höflich. Ich wurde manchmal vorgelassen, wenn ich irgendwo in einer Schlange stand oder mir wurden beim Essen Extra-Portionen gegeben.

Geburt im Krankenhaus in La Paz

Für die Geburt entschied ich mich, auch in das katholische Krankenhaus zu gehen. Ich muss dazu sagen, dass es in La Paz so etwas wie Hebammen nicht gibt, zumindest gab es das nicht in meinem persönlichen Umkreis. Sowas ist dort auch eher verpönt, weil dort ganz viele Frauen, die ihre Babys zuhause unter schlechten hygienischen Bedingungen bekommen, auch mit Hilfe sogenannter „Matronas“, bei der Geburt sterben, über das Thema wird nicht gesprochen.

Jugendliche werden nicht aufgeklärt, über Verhütung wird nicht oder kaum gesprochen. Viele Mädchen, vor allem auf den Dörfern, werden sehr früh schwanger, sie wissen nichts von Verhütung und es ist normal dort, viele Kinder zu bekommen, auch wenn die Familie sehr arm ist. In der Stadt werden viele Kinder armer Familien von ihren Eltern von klein an auf die Straße zum Arbeiten geschickt – Autos waschen oder Schuhe putzen gehen – um zum Lebensunterhalt beizutragen.
Ich finde das von den Eltern unverantwortlich und frage mich, wozu sie dann überhaupt Kinder bekommen, wenn sie sie nicht versorgen können und arbeiten oder betteln schicken. Solche Kinder machen schon früh harte Erfahrungen, müssen sich durchschlagen und ohne Geld brauchen sie gar nicht nach Hause kommen. Viele bleiben dann lieber auf der Straße wohnen und behalten das eingenommene Geld für sich.
Da geht es den Kindern auf dem Land wahrscheinlich noch etwas besser, weil sie „nur“ zur Landarbeit herangezogen werden. Allerdings müssen viele Mädchen auf dem Land schon früh heiraten. Eine der härtesten Arbeiten haben die, die bei Potosí leben und von ihren Müttern in die Minen und Stollen zur Bergbauarbeit geschickt werden. So viel zum Thema Familienplanung.

Ein Kaiserschnitt für 600 €

Ich entschied mich also für dieses Krankenhaus und konnte zwischen öffentlicher Gratis-Variante und privater Bezahl-Variante entscheiden. Ich nahm die Bezahl-Variante, denn ansonsten wäre ich mit 10 unbekannten Frauen zusammen in einem Zimmer gewesen und das war nicht so mein Ding. Am Ende entschied ich mich für einen Kaiserschnitt, weil ich so schlimme Wehen hatte, dass ich irgendwann wirklich den Eindruck hatte, dass ich gleich sterbe, und das war dann eine sehr gute Entscheidung. Für alles wurden mir umgerechnet ca. 600 Euro berechnet – also die OP, 3 Tage Einzelzimmer dort im Krankenhaus plus ein paar Medikamente und Verpflegung. Die Leute waren sehr nett und alles war professionell und sauber. Allerdings wunderten sich die Krankenschwestern, dass ich nach dem Kaiserschnitt und einer Nacht dazwischen am nächsten Morgen schon wieder herumlaufen konnte.

Tragen im Tragetuch

In Bolivien ist es ganz normal, dass Kinder im Tragetuch getragen werden. Zumindest bei den indigenen Leuten ist das so. Die Mittelklasse und die Oberschicht ziehen dann schon eher mal den Kinderwagen vor oder benutzen „modernere“ Tragemodelle. Viele haben auch eine indigene Nanny.

Mir war schon vorher klar gewesen, dass ich mein Kind im Tragetuch tragen würde, ob nun in Bolivien oder anderswo. Ich kannte das von meiner Schwester, die schon 3 Kinder hatte und ich hatte auch schon vor langer Zeit Jean Liedloff gelesen. Ich fand den Körperkontakt einfach wichtig für das Baby, um sich geborgen zu fühlen.

Deswegen bin ich schon bereits in der Schwangerschaft losgegangen, um mir verschiedene Tragetücher zu besorgen. Es wurden auf den Straßenmärkten auch unterschiedliche Tragemodelle und „Carrier“ angeboten. Auch Rucksäcke gab es. Ein langes Tragetuch ließ ich mir von einer befreundeten Schneiderin anfertigen. Ein kleines Baby kann man ja noch nicht in einen Rucksack setzen. Ich kaufte auch eine Trage, die man sich um den Hals hängt, wo das Baby drinnen liegt.

Als Yasmine dann da war, trug ich sie am Anfang auch ohne Tuch viel auf dem Arm. Sie war ja noch so leicht. Dann wurde das rote lange Tragetuch von der Schneiderin der Favorit. Die Trage zum Umhängen fand ich nicht so praktisch. Das Tuch war auch prima zum drin einschlafen. Allerdings trug ich sie damit nur vorne. Auf dem Rücken habe ich das mit dem Tuch nie hinbekommen zu binden, es war einfach zu kompliziert für meinen Geschmack oder mir fehlte die Geduld. Ich band das Tragetuch aber irgendwann auch so, dass sie nach vorne schaute, wenn sie drin saß und das mochte sie sehr gerne. So ging ich mit ihr spazieren und sie konnte alles sehen.

                                                                        

Später, als sie besser sitzen konnte, trug ich sie auch oft hinten im Rucksack. Diese Tragerucksäcke fand ich sehr praktisch. Sie sind leicht, man kann sie zusammenklappen und man kann sie mit eingeschlafenem Kind auf den Boden stellen. Yasmine hat dann immer einfach weitergeschlafen.

Übrigens hatten wir später auch einen Kinderwagen, den wir ab und zu für Ausflüge benutzten, als Yasmine schon über ein Jahr alt war und laufen konnte. Man konnte den Kinderwagen zusammenklappen und mitnehmen und sie mochte gerne darin sitzen und herumgeschoben werden. Ich bin also keinesfalls ein Kinderwagen-Feind J

In Bolivien habe ich 3 Jahre verbracht und am Anfang fand ich es sehr faszinierend – es ist einfach vieles ganz anders als in Europa und ich wollte zu der Zeit auch einfach mal etwas völlig anderes. Bevor ich nach Bolivien gegangen war, hatte ich schon 4 Jahre in Spanien gelebt und hatte mich dort eigentlich sehr wohl gefühlt – ich liebte die Architektur, die weißen Dörfer, die Landschaft und fühlte mich auch mit den Leuten sehr wohl. Der Umgang gefiel mir viel besser als in Deutschland. Irgendwie passte alles und ich dachte, bevor ich mich dort festsetze, möchte ich gerne noch eine Zeit lang nach Südamerika, denn mich hatten schon immer die alten Kulturen und Indianervölker interessiert, sowie auch das Thema Schamanismus. Also zog ich nochmal los, verliebte mich dann dort und dachte mir: Warum nicht eine Weile dort bleiben?

Ich saugte das Neue alles in mich auf:
Frühstück auf den Märkten mit Kaffee und Avocado-Tomatensandwich oder frischem Fruchtshake aus Früchten, die man sich aussuchte (Erdbeere, Mango, Papaya, Banane, Kiwi, Orange, Ananas etc.

In La Paz ist es interessant, wenn man etwas kaufen will. Es gibt ganze Straßenzüge mit Geschäften und auch Ständen für ein und dieselbe Produktart – z. B. ein ganzer Straßenzug mit Geschäften für Wandfarbe, Tapeten, Pinsel etc., etwas weiter höher eine andere Straße mit lauter Elektroartikeln wie Glühbirnen, Batterien, Kabeln, Ladegeräten etc. Woanders mehrere Straßen mit Möbeln und Tischlereiartikeln usw. – Bei uns würde man sich schon fragen, wie es 2 ähnliche Geschäfte in derselben Straße wohl schaffen zu überleben. Obwohl es eventuell bei uns früher auch so gewesen sein kann, denn wo sonst kommen denn Namen wie Bäckerstraße, Schmiedegasse etc. her?

Unterwegs in Bolivien

Die Busfahrten in die Anden waren schon krass. Es war faszinierend, wie die buntbemalten total alten Busse von El Alto auf der Hochebene aus, bis aufs Dach vollbepackt, in die Anden starteten. Die Busse starteten morgens früh, wenn es noch dunkel war und um die Uhrzeit konnte man sich, bevor man den Bus bestieg, ein heißes Quinoa- oder Macagetränk mit Zimt in einer Tüte mit Strohhalm kaufen, ein sehr powervolles Frühstück. Unsere Fahrt dauerte 7 Stunden, es war eine Entfernung bis zu unserem Dorf von etwa 200 km. Man kam aber nur langsam voran, die anfangs asphaltierte Straße wurde irgendwann zur Schotterpiste und wir überquerten die Kordillere auf einer Höhe von ca. 5000 m. Die Abfahrt ins Tal zum Dorf hin war schon auch gruselig, weil man tief nach unten blicken konnte, der Bus klapperig war und die Straße, die nach unten führte, viele Kurven hatte. Letztendlich sind wir aber nie abgestürzt oder umgekippt, sonst würde ich wahrscheinlich jetzt nicht hier sitzen.

Als wir die Strecke einmal mit dem Auto machten und zwischendurch anhielten, machte ich auf ca. 4700 m Höhe die Erfahrung, dass mir schwindelig wurde, sobald ich etwas schneller lief. Das lag an der dünnen Höhenluft.

Generell ist die Landschaft immens und die Distanzen sind viel größer als bei uns, es ist eben Amerika. Wir hatten einmal in den Anden eine Reifenpanne und es gab keinen Handyempfang. Einer der Mitfahrer musste zu Fuß zum nächsten Dorf laufen und einen Mechaniker ausfindig machen, um dann mit ihm zurückzukommen – es gab aber keine Telefonverbindung, von daher wussten wir nicht, ob und wann ein Mechaniker kommen würde und so warteten wir halt mehrere Stunden im Ungewissen.

Da Bolivien näher am Äquator ist, ist es in 2000 Höhenmetern nicht etwa kalt wie bei uns, sondern tropisch warm und es wächst Kaffee.
Die Landschaften sind vielfältig und sehr unterschiedlich, Bolivien hat schneebedeckte 6000er-Berge, Hochebenen, den Titicaca-See mit seinen Inseln, die Yungas – hügelige Gegenden mit tropischem Klima, Urwald und natürlich die Amazonas-Tiefebene. Es gibt in Bolivien 36 verschiedene Ethnien und 4 Hauptsprachen: Spanisch, Quechua, Aymara und Guaraní. Auch interessant sind die alten Ruinen und Ausgrabungsstätten.

Es war für mich eine interessante und faszinierende Erfahrung, aber richtig zuhause fühlte ich mich nie. Es gab auch einige Sachen, die mich richtig störten.

Was mich an Bolivien störte!

Lifestyle

Was mich am meisten störte, war glaube ich der Dreck, Staub und Gestank an allen Ecken und der für meinen Geschmack fehlende Sinn für Schönheit. Ich denke, auch wenn man arm ist, kann man es sich schön und gemütlich machen mit dem, was man hat. Deshalb denke ich auch nicht, dass dieser Lifestyle viel mit Armut zu tun hat. Auf Dachterrassen in der Stadt, und jetzt beziehe ich mich auf Häuser der Mittelschicht, halten die Leute sich Hunde. Mit den Hunden wird nicht rausgegangen, damit sie draußen ihr Geschäft verrichten, sondern sie machen das auf der Terrasse. Die Dachterrassen sind somit leider dreckige Orte voller Fliegen und Bakterien.

Und ich verstehe nicht, warum man sich so etwas antut, dort, wo man lebt, anstatt sich auf die Terrasse Pflanzen zu stellen und sich einen schönen Ort zum gemeinsamen Zusammensitzen zu schaffen. Auf dem Land und auch am Stadtrand in El Alto leben die Leute auch lieber im Staub als sich mit Hilfe von Pflanzen kleine Oasen zu schaffen. Die Häuser der wohlhabenderen Schicht sind meistens sehr dekorativ und zur Schau gestellt mit viel Schnörkeln und ohne individuellen Stil, da fehlt mir die persönliche Note.

Freundschaften

Es war auch echt schwer dort, richtige Freundschaften zu schließen. Ich musste anfangs immer wieder feststellen, wenn ich mich mit jemandem anfreundete, dass es von den Leuten gar nicht ernst gemeint war. Man redete nicht über tiefere Themen. Die Frauen funktionierten für die Männer und für ihren Status. Es war alles sehr oberflächlich. Das gemeinsame Zusammensein im Haus von Freunden aus dem Freundeskreis mit Grillen und anschließender kleiner Party war oft ganz angenehm, meine Tochter war schon als Baby mit und im Laufe des Abends konnte sie immer in einem Zimmer schlafen.
Was mich aber störte, war, dass diese Treffen immer sehr lange bis in die Nacht dauerten und wir uns nie einigen konnten, gemeinsam nach Hause zu gehen. Ich habe generell nichts dagegen, auch mal 1 oder 2 Gläschen zu trinken, aber es hat mich richtig schockiert, dass die anderen sich so in das Trinken hineinsteigerten, dass oftmals um 1 oder 2 Uhr nachts nochmal jemand losfuhr, um Nachschub zu holen. Um die Uhrzeit finde ich es dann eigentlich auch okay, es dabei zu belassen und einfach nach Hause zu gehen.
Ich hatte später durchaus auch 2 richtige Freundinnen, die in meinem Sinne waren, aber das waren auch besondere Menschen.

Familie

Es wurde nicht gerne gesehen, wenn ich etwas in Frage stellte. Ich wollte zum Beispiel eigentlich nicht so gerne, dass die alte Mutter von meinem Partner sich überall einmischte, was meine Tochter anging. Es wurde auch nicht gerne gesehen, wenn ich das einfach sagte. Ich mochte nicht, dass sie dabei war, als ich meine Tochter zum ersten Mal badete, sie konnte einfach nicht ihren Mund halten und musste mir Ratschläge bezüglich der Wassertemperatur geben. Sie wollte mich ständig bevormunden, was ich als sehr respektlos empfand. So sagte sie mir, wenn wir zusammen unterwegs waren, ich solle meiner Tochter eine Jacke überziehen. Wenn ich „nein“ sagte, schauten mich alle vorwurfsvoll an. Aber für die Menschen dort ist so etwas völlig normal, die Oma ist da so etwas wie eine Königin und man soll zu allem „ja“ sagen und freundlich lächeln, dann aber hintenrum oder im Nachhinein es trotzdem so machen wie man möchte. Das war wirklich total anstrengend und ich dachte sehr oft, ich bin im falschen Film. Vor allem, wenn sich mein Partner dann noch auf ihre Seite stellte, anstatt zu seiner kleinen Familie zu stehen.

Fazit:

Yasmine hat dennoch eine fröhliche Baby- und Kleinkinderzeit dort gehabt, die Leute waren lieb mit ihr und sie ist in La Paz sogar die letzten 8 Monate unseres Aufenthaltes 3-4 Std täglich in den Kindergarten gegangen – den hat sie total geliebt! Das war ein privater Kindergarten, es wurde dort sehr viel aktiv mit den Kindern gemacht, sie hat sich da vom ersten Tag an sehr wohlgefühlt.

Letztendlich stellte ich fest, dass Bolivien einfach nicht länger etwas für uns war, trotz des schönen Kindergartens und anderer guter Momente. Es war für mich einfach kein richtiges Zuhause-Gefühl, sondern einfach ein Einblick und eine Zeit in einem anderen Kontinent.
Finanziell war es ein Auf und Ab, da ich zusätzlich noch als Reiseleiterin und Deutschlehrerin arbeiten musste, das Hotel-Projekt in den Anden warf nicht genug ab – außerdem hing da eine ganze Familie dran, die sich irgendwann gar nicht mehr darüber einig war, wem was davon gehörte. Das war anstrengend.
Ich vermisste das Mittelmeer, meine Familie in Deutschland, Leute mit denen ich richtig reden konnte und brauchte eine Auszeit.

Mittlerweile ist viel Zeit vergangen, wir waren dann mehrere Jahre in Deutschland und leben jetzt in Spanien. Irgendwann werde ich meiner Tochter zeigen, wo sie geboren wurde und ihre ersten Jahre verbracht hat.

 

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