Läusealarm! Wie ein Vater seinen Kindern die Läuse austrieb!

Ein Vater, nennen wir ihn Max, hat eine ältere Schwester, die in einem hübschen kleinen Schloss in der Bretagne lebte. Nach dem Tod ihres Mannes wollte sie das Schloss verkaufen, denn der Unterhalt des Schlosses war teuer. Nun endlich hatte sie einen Käufer gefunden.

Das alles erfuhr Max, der zufällig bei seiner anderen Schwester mit ihr skypte. Sofort verabredeten sie, dass er doch unbedingt noch einmal mit seiner Familie dort vorbei kommen müsste. Er kannte das Schloss noch nicht und wollte es so gerne seinen Kindern zeigen, bevor es verkauft sein würde. Die Herbstferien schienen dafür ein guter Zeitpunkt zu sein. Sein Neffe und seine Nichte mit ihren Kindern wären dann auch dort. Max freute sich.

So saßen also im Oktober 2017 sechs Menschen im Auto auf dem Weg in die Bretagne. Max, seine Frau, die drei Kinder und die Oma. Gut gelaunt fuhren sie in Paris vorbei und bestiegen dabei noch schnell einmal den Eiffelturm, denn den sollten die Kinder auch gesehen haben.
Dann, am späten Nachmittag, ging es weiter in die Bretagne.

Einer der Söhne und die kleine Tochter kratzen sich im Auto ausgiebig am Kopf. Hm. Sie kratzten sich wieder. Immer wieder. Wirklich oft. Seltsam.

Die Eltern wurden stutzig. „Sollten wir, ähm, vielleicht,… mal, ob sie vielleicht, … äh, … hatte der Nachbarjunge nicht Läuse?! Schauen wir doch mal lieber nach.“

Bisher hatten die Kinder noch nie Läuse gehabt.

Aber okay! Anhalten. Nachschauen.

Oh, verdammt. Der ganze Kopf war voller Nissen.
Und was nun?
„Die Läuse hat er bestimmt vom langhaarigen Nachbarjungen und seinen Öko-Eltern“, schimpfte Max „wir können doch nicht so verlaust bei meiner Schwester aufkreuzen.“
Max war das total unangenehm. Er wollte mit seiner Familie einen guten Eindruck machen. Seine Schwester kannte seine Kinder noch gar nicht. Was würde sie denken, wenn seine Söhne ihren Enkelkindern ein paar Läuse als Erinnerung überlassen würden. Oder wenn sie sich die ganze Zeit jucken würden? Oh nein, bitte bloß das nicht. Panik stieg in Max auf. Sein Puls raste.
„Wir müssen dringend zur nächsten Apotheke“, rief er.

Doch wo war nur eine Apotheke, mitten auf dem Land? Mittlerweile war dichter Nebel aufgezogen, der die Sicht erschwerte. Sie durchfahren langsam die nächste Ortschaft. Es war bereits nach 18 Uhr.

Um 18 Uhr wartete die Schwester auf sie mit dem Abendessen.

Da, endlich, eine Apotheke.

Die Vorräte an Läuseshampoo wurden komplette von Max aufgekauft. Der Apotheker schwatzte ihnen auch gleich noch ein Umgebungsspray für die Kopfkissen auf. Das müsste man benutzen, damit ja keine Läuse übrig bleiben würden.

Bewaffnet mit Läuseshampoo begab sich die Familie zum Auto und machte sich direkt vor der Apotheke an die Behandlung. Einer nach dem Anderen musste nun den Kopf aus dem Wagen lehnen und wurde gründlich mit Läuseshampoo behandelt. Das Zeug sollte eine Stunde in den Haaren bleiben und dann ausgewaschen werden.
„Wo waschen wir das Zeug denn aus? Bei deiner Schwester?“ , fragte die Mutter.
„Bloß nicht! Wir können doch auf einen Campingplatz fahren. Hier gibt es sicher welche“, antwortete Max.

Die Mutter suchte bei Google hektisch nach dem Campingplätze. Zwei Campingplätze waren in der Nähe.  So ein Glück.

Die Schwester rief an: „Habt ihr euch verfahren? Sollen wir mit dem Essen auf euch warten?“
„Ja, ja, wir sind bald da. Macht euch keine Sorgen“, wiegelte Max ab.

Der erste Campingplatz tauchte aus dem Nebel auf. Kein Licht war zu sehen. Trotzdem liefen Max und seine Frau zum Eingang, in der Hoffnung, doch noch jemanden anzutreffen. Doch die Saison war bereits vorbei. Auch der nächste Campingplatz war geschlossen.

„Dann waschen wir uns in einem Hotel die Haare aus. Lass uns da hinfahren“, schlug Max vor.
Wir können auf keinen Fall mit diesen öligen schleimigen Haaren bei meiner Schwester auftauchen, dachte er. Es war ihm, der soviel Wert auf die Meinung seiner Schwester legte, unglaublich unangenehm.

Sechs Menschen mit triefenden Haaren, die in ein Hotel wollen, ob das einfacher ist?

Sie fanden das Hotel in einer abgelegenen Straße. Zombiegleich stiegen dies sechs Gestalten aus dem Auto und gingen zum Hotel. Das Hotel hatte geschlossen!

Sie stiegen wieder ins Auto ein.

Max fluchte. Alle anderen im Auto schwiegen. Es war schon fast 9 Uhr abends. Die Schwester rief wieder an. Wo sie jetzt wären? Ob ihnen jemand entgegenfahren sollte, wenn sie den Weg nicht finden würden? Nein, nein, alles gut. Sie wollten ja nur ihre fettigen, strähnigen Haare loswerden. Aber das verschwieg Max.

Nebelschwaden waberten über die Landstrassen. Sie fuhren immer weiter umher, noch mal am geschlossenen Hotel vorbei.

Zweimal kamen sie an dem Schloss vorbei. Max hielt nicht an.

Als das dritte Mal das Schloss im Nebel auftauchte, hielt er wortlos vor dem geschlossenen Tor. Das Tor öffnete sich automatisch und langsam fuhr Max den Weg zum Schloss hinauf. Keiner im Auto wagte ein Wort zu sagen.

Um 9:30 Uhr abends, die Handtücher fest um die in Läuseshampoo getränkten Köpfe gewickelt, waren sie da. Die gesamte französische Verwandtschaft wartete an der Eingangstür des Schlosses auf sie. Sie hatten mit dem Essen gewartet. Doch die Sechs sagten nur kurz Hallo und ließen sich schnell ihre Zimmer zeigen. Zum Glück war bei jedem Zimmer ein Bad dabei und sie wuschen sich dort eilig das Läuseshampoo aus den Haaren.

Und nun, endlich, gingen sie gemeinsam hinunter zum Abendessen. Keiner der französischen Verwandten machte eine Bemerkung zu ihrem seltsamen Auftritt. Sie plauderten höflich.
Am nächsten Tag bei Mittagessen fragte die Schwester leise ihren Bruder Max: „Sag mal, was war eigentlich gestern Abend mit euch los?“

Das ist eine wahre Geschichte.

Es gibt kaum eine Familie mit mehreren Kindern im Grundschulalter, die noch nie einen Läusealarm erlebt hat und ein paar ähnliche Geschichten kennt.

Diese Geschichte ist mir vor kurzem von mehreren Personen, die dabei waren, zugetragen worden. Inzwischen können sie darüber lachen. Wer schon mal in einem äußerst unpassenden Moment Läuse bei seinen Kindern entdeckt hat, kann die Gefühle, die damals in den Eltern vorgingen, wohl nachvollziehen.

Die Meisten, wie auch ich bei unserer ersten Läusegeschichte mit meinen älteren Kindern, reagieren sehr gestresst und mit heftigem Aktionismus. Alle Kuscheltiere werden in Tüten gepackt und wochenlang weggeschlossen, die gesamte Wäsche wird gewaschen und gekocht und das alltägliche Geduldsspiel ist die Suche nach Nissen. Der Nissenkamm, so las ich kürzlich, müsse auch unbedingt jedesmal abgekocht werden.

Früher wurden bei Läusealarm sogar die Einrichtungen geschlossen und bis in die hinterste Ecke mit dem Dampfstrahler desinfiziert. Das erlebte ich in dem Kinderladen meines ältesten Sohnes, als dort ein Kind Läuse hatte.
Kein Wunder, dass so ein Programm auf Dauer nur wenige durchhalten.

Läuse haben jedoch nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, sondern treten auf gewaschenen Köpfen genauso auf wie auf ungewaschenen.

Wie werde ich Kopfläuse wieder los?

Was aber ist nun richtig, was ist sinnvoll, um diese lästigen Mitbewohner auf Dauer loszuwerden?

Kopfläuse heißen Kopfläuse, weil sie sich am Kopf aufhalten. Sie springen und hüpfen nicht, sondern krabbeln von Kopf zu Kopf. Deswegen sind beim Kopflausbefall am ehesten die Menschen mit betroffen, die einen engen körperlichen Kontakt mit dem Kind haben, wie Freunde, Geschwister und Eltern. Eine Ansteckung über andere Wege als den direkten Kontakt ist sehr selten. Trotzdem benutzt man in der Läusezeit lieber eine eigene Haarbürste und bewahrt vorsorglich die Mützen getrennt voneinander auf.

Nissen brauchen körpernahe Temperaturen um sich weiterzuentwickeln. Sie können fern vom Kopf nicht schlüpfen. Auch Läuse machen schnell schlapp, wenn sie kein Blut mehr saugen können. Sie brauchen alle paar Stunden eine Blutmahlzeit, sonst werden sie träge und sterben schließlich.

Also, wenn Läuse auftreten, ist es sinnvoll, da Läuse nun mal nicht springen können und auf dem Kopf bleiben, sich erstmal in Ruhe zusammenzusetzen und eine Strategie zu überlegen. Die wichtigste Maßnahme ist die regelmäßige Behandlung des Kopfes. Alles andere ist zweitrangig und dient vor allem der eigenen Beruhigung.
Es gibt Mittel aus der Apotheke, die ohne Insektizide funktionieren. Es gibt aber auch einige gute Hausmittel, die, konsequent angewandt, durchaus die Läuse komplett abtöten. Bei meinen älteren Kindern gab es in der Apotheke nur Mittel mit Insektiziden, die wir nicht wiederholt nehmen wollten. Mit einer mehrmals wiederholten Olivenölhaarmaske wurden wir die Plage auch los.
Heute gibt es zum Glück auch in der Apotheke rein physikalisch wirkende Shampoos zur Lausbekämpfung.

Allen Mitteln, ob aus der Apotheke oder Hausmittel, ist gemein, dass sie wiederholt angewandt werden sollen. Auch ist es wichtig, die Haare regelmäßig auf Nissen zu kontrollieren und mit dem Nissenkamm durchzukämmen. Sonst bleiben ein paar Nissen übrig und der ganze Spaß beginnt von vorne.

Deswegen ist es auch wichtig, das Umfeld zu informieren, damit Kontaktpersonen vom Kind auch auf Läusebefall kontrolliert werden können.

Gute Informationen zur Lausbekämpfung findet ihr auf der Website vom Robert-Koch-Institut:
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Kopflausbefall.html

Oder hier:
https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/kopflaeuse/behandlung/

Kopfläuse sind der Alptraum wohl jeder Familie. Manchmal werden die Läuse im denkbar ungünstigsten Moment entdeckt, wie bei diesem Vater.

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