7 Tipps für ein entspanntes Wochenbett und einen stressfreien Stillstart – bei Hausgeburten und ambulanten Geburten

„Spätestens ab dem zweiten Kind informiert mich die Frau lediglich, was sie zu tun gedenkt. Sie ist die Chefin zu Hause“, erzählte mir meine Hebamme Angela, die mich bei der Hausgeburt meines dritten Kindes begleitet hatte.
Diese Aussage drückt gut aus, was für mich der große Vorteil der Geburt zu Hause ist – ich mache einfach, was ich will.

Die Wellen der Geburt, der sanfte Tanz der Annäherung mit einem Neugeborenen, das erste Stillen – all das geschieht in unserem eigenen Tempo. Hebammen sind in der Regel sehr zurückhaltend. Einem ungestörten Kennenlernen steht nur wenig im Wege, wenn die Bedingungen zu Hause stimmen und die Geburt unproblematisch verläuft. Mehr über das Bonding kannst du hier lesen.

Alle meine vier Kinder sind zu Hause geboren worden.

Wie es dazu kam und welche Erfahrungen mit dem Wochenbett zu Hause ich mit euch teilen möchte, erzähle ich in diesem Artikel:

Ich hatte als Kind mit Krankenhausaufenthalten leider nur negative Erfahrungen gemacht und deswegen kein gutes Gefühl, zur Geburt ins Krankenhaus zu gehen. Während meiner ersten Schwangerschaft dachte ich über eine Geburt im Geburtshaus nach. Es gab damals nur das Geburtshaus in Berlin-Charlottenburg, was auch die Adresse für alle Informationen rund um die Geburt war.

In der 16. Woche ging ich dort zu einem Infoabend über Hausgeburten, den die Hebamme Katharina Maduschka gehalten hatte. All das, was ich an dem Abend erfuhr, hatte mich so sehr angesprochen, dass ich mich noch am gleichen Tag bei Katharina zur Hausgeburt anmeldete.

Sie übernahm von nun an einen großen Teil der Vorsorgeuntersuchungen. Wir lernten uns dadurch gut kennen und verstehen. Ich mochte ihre eher handfeste Art, ihren Humor und ihre Zuversicht.
Die Rufbereitschaft der Hebammen bei Hausgeburten beträgt 5 Wochen, drei Wochen vor dem Geburtstermin und 2 Wochen danach. In der gesamten Zeit hatte meine Hebamme ein freies Wochenende. In dieser Zeit würde eine Kollegin die Geburt übernehmen, falls das Baby ausgerechnet dann kommen würde.

Eine Freundin von mir, die auch zu Hause geboren hatte, zeigte mir Bilder von ihrer Geburt und versorgte mich mit Tipps. Ich organisierte jemanden aus dem Freundeskreis als Haushaltshilfe für die erste Woche, damit wir uns entspannt um unser Baby kümmern könnten.

Der Geburtstermin verstrich, die erste Woche nach dem Termin ging ins Land und das freie Wochenende meiner Hebamme nahte. Kaum begann das freie Wochenende um Mitternacht, setzten bei mir die Wehen ein.

So ein Pech.

Mein Baby kam am nächsten Tag zu Hause mit der Hebamme Sylvia, die anstelle von Katharina gekommen war. Das war aber völlig in Ordnung. Das erste Anlegen eines Babys in meinem Leben überhaupt klappte wunderbar. Mein neugeborener Sohn schaute mich mit großen Augen an, fing an zu suchen, fand schnell was er suchte – woher weiß er das nur? Ich war völlig verliebt. Die ersten Tage verbrachten wir stillend und schlafend.

Sylvia war sehr liebevoll und übernahm auch am nächsten Tag die Nachsorge, denn Katharina war erst am Montag wieder da. Den Obstteller, den mir meine Rohkostfreundin mitgebracht hatte, schaute sie allerdings skeptisch an.
Sie erzählte mir, was davon alles Blähungen verursachen würde und dass ich erstmal nur kleine Stückchen Obst zu mir nehmen sollte. Ich sagte erst mal nichts dazu, denn das erschien mir widersinnig.
Ich brauche doch gerade jetzt Vitamine, dachte ich.

Katharina, die am nächsten Tag kam und die ich darauf ansprach, meinte jedoch: “Iss, was Du willst. Wenn dein Kind auf irgendetwas reagiert, kannst Du ja immer noch schauen, woran es liegen könnte.“
Sie hatte bereits in vielen Ländern als Hebamme gearbeitet und erzählte mir, dass in anderen Ländern oft genau das für Stillende empfohlen wird, was hier schädlich sein soll. Das entsprach eher meiner Meinung und ich aß, was mir schmeckte.

Ich war froh, in Katharina eine Ansprechpartnerin zu haben, die mich bestärkte und die ich jederzeit hätte anrufen können. In den ersten 10 Tagen nach der Geburt kam sie jeden Tag vorbei, gab mir Tipps wegen meinen wunden Brustwarzen und half mir über meinen ersten, fiebrigen Milchstau hinweg. (Mehr zu Stillschwierigkeiten findest du hier)
Alles, was mich beunruhigte, wie das Ausspucken der Milch meines Sohnes, rückte sie ins rechte Licht. Ich war richtig etwas traurig, als die Nachsorgezeit endete und wir uns nicht mehr regelmäßig sahen. Aber ich wusste, dass ich mich bei Problemen jederzeit an sie wenden konnte. Jedenfalls war durch die Betreuung eine gute Grundlage für eine lange, intensive Stillzeit gelegt.

Meine zweite Geburt verlief sehr schnell.
Ich war gerade alleine zu Hause. Ich fühlte mich so gut, als die Wehen begannen, dass ich kurz überlegte, mein Kind alleine zu bekommen. Dann rief ich aber doch noch alle an, die dabei sein sollten. Da kamen die Wehen schon in kurzen Abständen.
Erst kurz vor der Geburt kamen mein Freund mit unserem Dreijährigen, meine Mutter, meine Freundin und die Hebamme.

Katharina konnte nur kurz ihre Sachen auspacken und schon war meine Tochter da, ein Riesenbaby mit ihren 57 cm und über 9 Pfund.
Trotz der Größe eine leichte, schnelle Geburt!
Mit der Nachgeburt hatte ich diesmal allerdings ziemlich viel Blut verloren und ich fühlte mich sehr schwach. Meine Kleine kam mit einem Wahnsinnshunger auf die Welt und begann beim ersten Anlegen zu trinken, als hätte sie nie etwas anderes getan.

Und so war das auch in den ersten Tagen nach der Geburt.
Sie trank und trank und trank.
Bei mir löste das heftige Nachwehen aus, die ich weitaus unangenehmer fand, als die Geburt selbst. Ich veratmete während des Stillens die Nachwehen und versuchte daran zu denken, dass das ja gerade gut ist, weil sich so die Gebärmutter wieder fest zusammenzieht.
Nach 4 Tagen wurden die Nachwehen allmählich schwächer und ich konnte das Stillen endlich genießen.

Meine Rohkostfreundin, die auch bei der Geburt mit dabei war, kümmerte sich diesmal um den Hauhalt und bereitete köstliches Essen für uns zu. Meine Tochter blieb in den ersten Wochen ein sehr stillhungriges Kind, was dafür aber schon wenige Wochen nach der Geburt durchschlief. Tagsüber stillten wir fast nonstop und nachts schliefen wir.

Mein drittes Kind, das nach 14 Jahren Abstand kam, war mein absolutes Genußbaby. Es war eine wunderbare Geburt zu Hause.
Ich war während der Geburt in einer Art von Trance, die alles so leicht erscheinen ließ.

Auch beim Stillen lief alles super. Trotz des langen Abstands zur letzten Geburt ging mir alles sofort leicht von der Hand. Die von mir gefürchteten Nachwehen blieben erträglich. Ich war inzwischen eine erfahrene Mutter, die sich kaum noch irritieren ließ.

Nur eins machte mir immer mal Probleme und das war meine Neigung zum Milchstau. Ich hatte eine starke Milchproduktion und wenn mein Baby mal 2 Stunden länger schlief als sonst, reichte das manchmal schon als Auslöser. Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen, das ganze Programm hatte ich wiederholt. Ich habe alles Mögliche ausprobiert – Quark, Kohlblätter, Homöopathie – doch nur eines half wirklich:

Das absolute Heilmittel gegen Milchstau lernte ich nach der Geburt meines vierten Kindes knapp drei Jahre später kennen. Da stillte ich noch mein drittes Kind. Das Tandemstillen hatte bei mir erstmalig jeden noch so kleinen Milchstau erfolgreich verhindert. Jede Frau, die weiß, wie schmerzhaft ein Milchstau sein kann, kann nachvollziehen, wie froh ich darüber war. Der Ältere trank einfach jede Überproduktion von Milch ab. Und als er sich dann 8 Monate später abstillte, hatte sich alles schon eingespielt, so dass ich keinen Milchstau mehr befürchtete.

Meine Tipps für einen guten Stillstart bei einer Hausgeburt:
(Vieles gilt ebenso auch für ambulante oder Geburtshausgeburten)

  1. Organisiere dir eine Haushaltshilfe für die erste Zeit nach der Geburt. Kaum eine andere Maßnahme beugt der Erschöpfung junger Mütter so gut vor wie eine Haushaltshilfe. Wenn kein anderer den Haushalt führen kann, übernehmen die Krankenkassen die Kosten dafür während der ersten Woche. Bei Stillproblemen wie einem fieberhaften Milchstau kann die Zeit verlängert werden.
    Aber auch, wenn dein Partner sich Urlaub nehmen kann, besorge dir eine Haushaltshilfe und bezahle sie selbst.
    Bei http://www.wellcome-online.de unterstützen erfahrene Mütter ehrenamtlich gegen einen geringen Betrag junge Mütter beim Haushalt und der Versorgung der älteren Kinder.
  2. Haltet euch die ersten Wochen für euer Baby frei. Auch dein Partner ist Vater geworden und braucht den Raum, um sein Baby kennenzulernen und sich um dich zu kümmern. Falls noch ein älteres Kind vorhanden ist, wird er sich auch viel um das ältere Kind kümmern. In vielen Kulturen kümmern sich die Nachbarn um die junge Mutter, nur hier glauben viele, schon nach ein paar Tagen alles alleine schaffen zu müssen. Gerade bei einer Hausgeburt ist es wichtig, den Rücken frei zu haben. Ich hatte bei meinem 3. und 4. Kind eine Haushaltshilfe über ein Nachbarschaftsheim. Beide Male dieselbe Frau, denn es war wunderbar mit ihr. Ich fühlte mich sehr gut versorgt, sie kochte, putzte und ging einkaufen. Ich konnte in Ruhe mein Baby kennenlernen.
  3. Besorge dir rechtzeitig, am besten, sowie du von deiner Schwangerschaft erfährst, eine Hebamme für die Nachsorge. Am Besten ist es, wenn sie auch bereits die Vorsorge zum Teil oder ganz übernimmt. Dann hast du in den ersten Wochen eine kompetente Ansprechpartnerin bei Stillschwierigkeiten. Sie haben meistens auch alles dabei, um auftretende Stillprobleme zu behandeln wie z.B. homöopathische Mittel, Heilwolle oder Salbe für die Brustwarzen. Wenn du deine Hebamme bereits in der Schwangerschaft kennengelernt hast, weißt du auch, ob ihr zueinander passt.
  4. Sorge für Ruhe. Eine Hausgeburt und ein Neugeborenes sind sehr anziehend für andere Menschen und sie sind sicher neugierig, wie es euch geht. Aber euer Wohlergehen ist das Wichtigste. Wenn du keinen Besuch möchtest, dann steh’ dazu. Wenn Besuch da ist, dann scheue nicht, den Besuch zu verabschieden, wenn du Ruhe brauchst. Gehe nach den Bedürfnissen von dir und deinem Baby.
  5. Meine Hebamme gab uns bei der Geburt unseres ersten Kindes den Tipp, dass Besucher in den ersten Wochen Essen mitbringen sollten. So wie es noch heute in vielen anderen Kulturen üblich ist. Diese Tradition hielt auch bei uns Einzug. Wir baten unsere Besucher vorher, etwas zu Essen mitzubringen, was sie auch alle gerne taten und wirklich sehr leckere Sachen mitbrachten. So musst du dich nicht darum kümmern, dein Stillhunger wird gestillt und die Besucher bringen statt der xten Rassel etwas Sinnvolles für euch mit.
  6. Umgebe dich mit stillfreundlichen Menschen. Steht deine Schwiegermutter dem Stillen skeptisch gegenüber, weil sie selbst nicht gestillt hat, dann warte mit dem Besuch, bis sich das Stillen eingespielt hat. In der ersten Zeit nach der Geburt sind alle Sinneskanäle offen und du bist sehr empfindsam. Das ist wichtig, denn so kannst du dich einfühlsam um dein Baby kümmern. Der Nachteil ist, dass du dadurch stärker auf negative Einflüsse reagierst. Deswegen schütze dich und dein Baby und umgib dich mit wohlwollenden Menschen.
  7. Und das Wichtigste: Alles, was Euch gut tut, ist richtig.


Ich wünsche euch eine wunderbare Neugeborenenzeit.
Wenn ihr Fragen zu Hausgeburten habt, versuche ich sie euch gerne zu beantworten.

Hier findest du alle wichtigen Adressen, die du brauchst, um dir dein Wochenbett zu organisieren

 

Buchtipp zum Thema:

Geburt und Stillen: Über die Natur elementarer Erfahrungen
Michel Odent und Vivian Weigert
C.H. Beck Verlag

Michael Odent hat auch als Gynäkologe in der Klinik als einer der ersten Geburtshelfer versucht, sanfte Geburten in Krankenhäusern zu ermöglichen. Er hat aber auch viele Frauen als Arzt bei Hausgeburten begleitet und kam zu dem Schluss, dass zu Hause der optimale Ort für eine gewaltfreie sanfte Geburt ist . Dort kann das körpereigene Hormonsystem ohne Störung ablaufen und so die Geburt voranbringen und die Grundlage für einen entspannten Stillstart legen. Je mehr das Krankenhaus es schafft, eine häuslich geborgene Atmosphäre herzustellen, desto leichter werden auch dort Geburten für Mutter und Kind.
Spannend zu lesen, da er die biologischen Prozesse während der Geburt verständlich erläutert, ebenso wie die Faktoren, die zu einem Geburtsstillstand führen können.

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