Couchsurfing und Co! Gastfreundschaftsnetzwerke – Ein Weg, um mit Kindern anders zu reisen

Die wichtigsten Gastfreundschaftsnetzwerke und viele Tipps, damit das Reisen mit Netzwerken gut klappt.

Ich liebe es, mit meiner Familie die Welt zu entdecken.
In den letzten 25 Jahren war ich in vielen Ländern mit meinen Kindern unterwegs, allein mit meinen Kindern, mit meinem Partner, mit Freunden und auch mit meinen Geschwistern. So unterschiedlich wie meine Reisepartner waren auch die Plätze, wo ich übernachtet habe. Von Wildcampen bis Hotel war alles dabei. Eine Herbergsmöglichkeit mag ich dabei besonders, und das ist die Möglichkeit, bei Menschen zu übernachten, die sich einem Gastfreundschaftsnetzwerk angeschlossen haben.

„Als wenn ich auf der ganzen Welt Familie habe.“

Gastgeber sind in der Regel sehr offene Menschen und Du kannst so einen Einblick in das Leben der Menschen des Landes bekommen, den du sonst nicht erhältst. Es trainiert die eigene Offenheit, sich in das Zuhause von anderen Menschen zu begeben. Dabei geht es nicht vorrangig um eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit, sondern vor allem um die Bereitschaft, andere Menschen kennenzulernen.

Für unsere Kinder ist das eine selbstverständliche Art des Reisens. Sie haben so die unterschiedlichsten Menschen kennengelernt und wissen, dass Schlafen auf Reisen nicht nur ein Hotelzimmer bedeuten kann, sondern auch eine Isomatte im Wohnzimmer einer kleinen Wohnung. Und dass das sogar schöner sein kann, weil die Wärme der Menschen und die guten Gepräche und lange in Erinnerung bleiben.

Eine Servas-Gast aus Israel beschrieb es mit den Worten: “Servas ist, als wenn ich auf der ganzen Welt Familie habe.“

Manchmal ist es sogar recht abenteuerlich, wie einmal in Florida, als wir in der Gartenhütte einer Rosengärtnerei übernachtet hatten. Beim morgendlichen Spaziergang durch den Garten sah ich nicht weit von unserer Hütte an einem kleinen Teich einen großen Alligator in der Sonne liegen. Sollte das der kleine Alligator sein, von dem uns unsere Gastgeber erzählt hatten? Nein, dieser Alligator war ganz neu dabei und sorgt für viel Aufregung, als ich ihn unseren Gastgebern zeigt. Unsere Gastgeber hatten Angst um ihren kleinen Hund und so waren wir dabei, wie (erfolglos) versucht wurde, den Alligator zu vertreiben.

Wir selbst sind auch seit vielen Jahren in einigen Netzwerken Gastgeber und wurden durch Gäste aus aller Welt unendlich bereichert. Nachdem wir einmal eine Familie aus Italien zu Besuch hatten, sagte meine Tochter: „Jetzt habe ich das Gefühl, ich war ein bisschen in Italien.“
Welche Gastgebernetzwerke es gibt und was ich für Erfahrungen mit ihnen gemacht habe, davon erzähle ich dir jetzt mehr:

Allgemeine Gastgebernetzwerke:

Servas
Servas ist wohl das älteste Gastfreundschaftsnetzwerk, das ich kenne. Es wurde bereits 1949 von amerikanischen Studenten in Dänemark gegründet. Servas sieht sich als Friedensorganisation, die es Menschen aus allen Nationen und Einkommensschichten möglich machen will, sich kennenzulernen, Vorurteile abzubauen und Freundschaften zu schließen.
Es gibt über 14.000 Gastgeber in über 130 Ländern.
Bei Servas ist der persönliche Kontakt sehr wichtig. Bevor Du als Reisende in die Liste aufgenommen werden kannst, nimmst Du Kontakt zu einem Servas-Koordinator auf, der ( oder ein anderes längeres Servas-Mitglied) dir in einem Gespräch die Idee von Servas erklärt und Fragen beantwortet. Da Servas in der prädigitalen Zeit geboren wurde, sind die Listen noch nicht im Web. Im Moment wird daran gearbeitet, wie Servas im Web präsent ist.

Ich selbst bin seit über 25 Jahren bei Servas, als Reisende und auch als Gastgeberin und möchte diese Erfahrungen nicht missen.
Meine Kinder haben durch Servas weltweite Gastfreundschaft kennengelernt, sowohl als Reisende als auch als Gastgeber. Wir haben in Finnland auf Wasserbetten geschlafen, in Southhampton im Garten einer WG in einem Zelt, in einer luxeriösen Alpenhütte in den französischen Bergen und in den Everglades in der unmittelbaren Nähe von Alligatoren in einer Gartenhütte.
Alle Gastgeber waren wunderbare Menschen. Die Begegnungen mit den Servasgastgebern gehörten zu den schönsten und berührendsten Erfahrungen unserer Reisen. Besonders für Familien kann ich Servas empfehlen, da viele Gastgeber selbst Familien sind und auch mehrere Gäste aufnehmen können.
http://www.servas.de/cms/index.php?menuid=8

Couchsurfing
Couchsurfing startete 2003 als nicht-kommerzielles Gastfreundschaftsnetzwerk, das 2011 in ein gewinnorientiertes Unternehmen umgewandelt worden ist. Es ist zur Zeit das größte Gastfreundschaftsnetzwerk der Welt. Ich selbst war noch nicht mit Couchsurfing unterwegs, aber meine älteren Kinder haben damit bereits gute Erfahrungen gemacht.
https://www.couchsurfing.com/

Trustroot
Ein recht neues Netzwerk ist Trustroots, gegründet 2015 als Non-Profit-Organisation. Es ist international und dort können sich interessierte Gastgeber in Gruppen zusammenfinden. So kannst Du speziell nach veganen Gastgebern, Fahrradfreunden oder Familien mit Kindern suchen. Ich habe mit Trustroots noch keine persönliche Erfahrung. Die Idee spricht mich sehr an und sicher werde ich da bald von eigenen Besuchen berichten können.
https://www.trustroots.org/

Hospitility Club
Im Hospitility Club bin ich zwar seit mehreren Jahren Mitglied, habe aber weder als Reisende noch als Gastgeberin Erfahrung gesammelt. Vor unserer USA-Reise vor 9 Jahren meldete ich mich dort an, konnte aber leider die Liste nicht nutzen, da es zu dem Zeitpunkt kaum Gastgeber gab, die mehr als 1 oder 2 Menschen beherbergen konnten. Da wir mit unseren Kindern reisten, schied das also aus.  Aber Freunde von mir haben das Netzwerk oft genutzt und gute Erfahrungen gesammelt.
http://www.hospitalityclub.org/

BeWellcome
Ein weiteres Gastfreundschaftsnetzwerk ist BeWellcome, das 2007 gegründet wurde und hat mittlerweile über 90.000 Mitglieder. Als Träger fungiert der der gemeinnützige Verein BeVolunteer. BeWelcome basiert auf einen Open Source System und will Entscheidungen transparent und demokratisch treffen.
https://www.bewelcome.org/main

Gastfreundschaftsnetzwerke für Radreisende:

ADFC Dachgeber
Es gibt einige Netzwerke, die speziell für Radreisende sind. Der ADFC Dachgeber, den es schon seit mehreren Jahrzehnten gibt, hat Gastgeber aus ganz Deutschland in seiner Liste. Die Liste beruht auf dem Gegenseitigkeitsprinzip. Du musst selber Gastgeber sein, um unterwegs aufgenommen zu werden. Wenn Du bei jemanden zu Gast sein willst, fragst Du vorher per Mail oder Telefon nach, ob es passt.Der Eintrag in die Liste kostet 15 € für ein Jahr.
Ich bin mehrmals mit dem Dachgeber gereist und habe durchweg gute Erfahrungen gemacht. Für Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien existieren auch Dachgeber-Listen der Fahrradverbände.
http://www.adfc.de/adfc-reisenplus/uebernachten/adfc-dachgeber/adfc-dachgeber

Warmshowers
Warmshowers würde 1993 gegründet und ist ein internationales Gastfreundschaftsnetzwerk für Tourenradler mit über 34.000 Gastgebern und 84.000 Reisenden weltweit. Es beruht wie der Dachgeber auf der Bereitschaft, jemand aufzunehmen, aber es ist auch okay, dass diese Bereitschaft auf die Zukunft gerichtet ist. Es muss also keiner aussen vor bleiben, nur weil er selbst grad zur Untermiete wohnt und keinen beherbergen kann. Warmshowers ist kostenlos, aber bittet zur Finanzierung ihrer Arbeit um Spenden.
https://www.warmshowers.org/

Ein paar Tipps für das Reisen mit Gastgebernetzwerken:

  1. Nehme rechtzeitig, möglichst 1-6 Wochen vorher, zu den Gastgebern Kontakt auf. Manche können zwar auch kurzfristig jemanden aufnehmen, aber besonders in den Ferienzeiten wird es eng,
  2. Erzähle bei der Kontaktaufnahme, meist per Mail, etwas über Dich und deine Reise. Je persönlicher die Mail, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Antwort. In manchen Regionen bekommen einige Gastgeber viele Anfragen und Massenmails sind da schnell unten durch.
  3. Nehme ein kleines Gastgeschenk mit. Am besten etwas, was typisch für den Ort ist, wo du her kommst. Schön ist auch, wenn du ein paar Fotos von deiner Heimat und deiner Familie zeigen kannst.
  4. Die Übernachtung bei Gastgebern der Netzwerke ist kostenlos. Gerade, wenn du wenig Geld hast, planst du vielleicht auf einer Reise überall bei Gastgebern zu übernachten. Doch bedenke, da du nach ein paar Besuchen oft eine Pause brauchst, denn du kannst dich dort manchmal nicht jederzeit zurückziehen. Nicht immer hast du ein eigenes Zimmer. Ich habe auf Reisen zwischen Gastgebern und anderen Unterkünften gewechselt.
  5. Kostenlos ist die Übernachtung, aber für dein Essen sorgst du selbst. Meistens wirst du zwar von der Gastgeberfamilie mitversorgt, aber es ist nicht selbstverständlich. Wir haben mit eingekauft oder auch mal gekocht.
  6. Ziehe nicht nur die Gastfreundschaftnetzwerke mit den meisten Mitgliedern in Betracht. Kleine Netzwerke haben manchmal sehr aktive Mitglieder, so dass du trotz weniger Mitgliedern mehr Kontakte findest.

 

Ich wünsche dir viel Freude bei dem Reisen mit Gastgebernetzwerken. Wenn du damit einmal angefangen hast, möchtest du es sicher nicht mehr missen, diese intensive Art des Reisens, die mit dem Reisen mit Kindern wunderbar harmoniert.
Kennst du noch weitere Gastfreundschaftsnetzwerke oder hast eigene Erfahrungen? Dann freue ich mich, wenn du mir davon erzählst.

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