Das Schulfreifestival 2017

“Ich wünschte, das Fest würde für immer gehen, und alle Menschen, die gerade hier sind, würden auch dabei bleiben.” Samuel, 8 Jahre.

Vom 7. bis zum 10. September fand in Klein-Leppin, einem wirklich sehr kleinen Ort in Brandenburg, das Schulfreifestival statt.

Beim Schulfreifestival treffen sich Menschen jeden Alters, die sich für eine selbstbestimmte Bildung einsetzen. Es geht darum, mit dem Festival ein Zeichen zu setzen; für die Abschaffung der Schulpflicht und für ein Recht auf Bildung.

Vor sechs Jahren fand das Festival erstmalig statt. Seitdem wächst das Schulfreifestival mit jedem weiteren Jahr. In diesem Jahr nahmen bereits fast 1200 Menschen am Festival teil.

Im letzten Jahr wollten wir auch teilnehmen, aber die 600 verfügbaren Karten waren bereits wenige Stunden nach Eröffnung des Vorverkaufs ausverkauft. Pech gehabt.
Dieses Jahr gab es mehr Karten und so konnten wir endlich auch daran teilnehmen.

Die Anreise zum Festivalgelände zog sich über schier endlose Landstraßen lange hin. Wir fuhren durch fast menschenleere Dörfer, in denen nur selten in einem Haus ein Licht schien.
Die Dämmerung am Donnerstagabend ging bereits in die Dunkelheit über, als am Horizont eine Ansammlung von Lichtpunkten erschien, einer Raumstation auf dem Mond gleich.

Ich ahnte es schon: Das dort ist das Festival!

Mitten in dieser menschenleeren Landschaft fuhren wir in eine große Ansammlung  von Zelten, Wohnmobilen und Wohnwagen hinein. Menschen in bunten Kleidern und vor allem ganz viele Kindern liefen dort herum, rannten und lachten. Ich suchte den Wagen von Marko, meinen Mann und stellte mich, als ich ihn fand, daneben. Es war bereits dunkel und sehr windig. Also verschob ich den Aufbau unseres Zeltes auf morgen.

Jetzt wollten wir lieber zum Festivalgelände. Ich fragte eine Frau nach dem Weg. Sie zeigte mir einen Weg am Feldrand, der durch Solarlampen markiert war. Von unserem Stellplatz aus war das Festivalgelände ca 500m entfernt Diese Strecke liefen wir in den nächsten Tagen ziemlich oft.

Unser Stellplatz auf dem Schulfreifestival

Auf dem Festivalgelände sah ich Marko sogleich. Er hatte schon ein paar Pizzen für uns geholt. So konnte ich meinen Hunger erst stillen, bevor ich mich anmeldete und mich umschaute.
Es gab dort eine Bühne für Musik, Theater und Performance, einen Openspace für spontane Darstellungen und Vorträge, einen Workshopraum und einen Konferenzraum. Außerdem fanden in den mehreren Zelten ebenfalls Workshops statt. Für das leibliche Wohl gab es drei Essensstände, einen für herzhafte Gerichte, und zwei Stände für Crepes und Waffeln.

Wir waren von der Fahrt müde und gingen an diesem Tag früh schlafen. Ich hatte in unserem Bus ein Schlaflager gerichtet und schlief dort mit unserer Fünfjährigen, während mein Mann mit unserem Achtjährigen in unserem Transporter schlief.

Die Lernbühne für spontane Angebote

Die Musik abends war ziemlich geil, und auch von den Kindern gut besucht.

Der Dauerregen am Freitag vermieste uns nicht die Stimmung.

Am nächsten Tag ging es für uns richtig los. Unser Sohn entdeckte schnell die Kinder, die er bereits von seiner freien Schule und von privaten Treffen kannte und tauchte kaum noch bei uns auf.
Ich freute mich, viele Leute wiederzusehen, die ich von den unterschiedlichsten Orten auf der Welt kannte. Sich persönlich zu treffen ist doch viel schöner, als nur über das Internet Kontakt zu halten.
Leider war das Wetter nicht so toll. Es regnete am Freitag fast den ganzen Tag und war ziemlich kalt. Wir waren alle durchnässt und verfroren. Die Räume unter den Zelten, den Pavillons und im Haus waren gut belegt. Die Kinder dagegen trotzten den Regen und matschten in den Pfützen nach Herzenslust herum.

Doch trotz des Wetters war die Stimmung gut. Ich kam mit jedem leicht ins Gespräch. Denn uns alle einte der Wunsch nach einer selbstbestimmten Bildung für alle Menschen, von jung bis alt. Deswegen waren wir hier und dafür wollten wir uns einsetzen.

Selbst das lange Warten an einem der drei Essensstände war nicht langweilig. Dabei lernte ich immer neue, interessante Menschen kennen.
Ich war bei einigen Vorträgen und Gesprächsrunden dabei, half meiner jüngsten Tochter beim Papierschöpfen, und genoss vor allem die vielen angeregten Gespräche mit anderen Menschen.
Aus dem angrenzenden Wald hörte ich von früh bis spät ein Knistern, Knacken, Krachen und Lachen. Dort waren die Kinder unterwegs, die sich in mehreren Banden zusammengefunden hatten. Mein Achtjähriger gehörte zur Haselnussbande, die jedoch mehrmals ihren Namen änderte und sich selbst nach einigen Namensänderungen schließlich Atombombentigerbande nannte. Die anderen Kinder nannten sie nur noch Chamäleonbande. Fast jedes Kind hatte einen Stock dabei, um das Gestrüpp zur Seite zu schieben, zu kämpfen oder um Stocktricks zu üben.

Der Wald der vielen Kinder

Der Spielplatz war Treffpunkt für die Jüngsten

Die jüngeren Kinder hielten sich vor allem am Spielplatz auf. Durch die spontane Selbstorganisation der Kinder hatten auch wir Erwachsenen Zeit für uns.
Mir fiel positiv auf, dass ich wirklich extrem selten jemanden auf dem Festivalgelände habe rauchen oder Alkohol trinken gesehen. Das war wieder einmal ein lebendiger Beweis dafür, dass wir keine Drogen brauchen, um glücklich zu sein und Spaß zu haben. Unsere Kinder leben uns das ja auch jeden Tag vor, mit ihrer unbändigen Lebenslust und ihrer Lebensfreude.

Die Zeit ging viel zu schnell um. Am letzten Tag des Festivals schenkte uns die Sonne ihr schönstes Gesicht und machte uns den Abschied schwer.
Wir sind nächstes Jahr sicher wieder dabei. Unsere Kinder freuen sich jetzt schon darauf.

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