5 eher unbekannte Pluspunkte vom langen Stillen

„Brust geht immer“

Die Erkältungswelle hat uns wieder im Griff. Meine Jüngste fiebert, schnieft und hustet, mag nichts essen und nur wenig trinken. Sie ist drei und schnappt im Vorübergehen fast jeden Infekt auf, den sie kriegen kann. Keine einfache Zeit für uns alle. Aber zum Glück habe ich ein Zaubermittel, was den akuten Hustenreiz lindert, die Flüssigkeitszufuhr sicherstellt und manchmal auch die Medikamenteneinahme erleichtert. Ich stille noch, und das ist gerade auch gut so. Auch wenn sie sonst nicht mehr so oft an der Brust trinkt, bei einer Krankheit wird die Brust ganz schnell wieder Hauptnahrungsquelle und Trost zugleich. Die ganze Qual der Krankheit wird erträglich, wenn sie sich in den Schlaf stillt. Und gerade in den Krankheitsphasen wird mir immer bewusst, wie wichtig das Stillen auch nach der Babyzeit sein kann. In manchen Ländern ist es sogar überlebenswichtig. So empfiehlt die WHO eine Stillzeit von 24 Monaten und darüber hinaus. Bei uns stirbt kein Kind, weil es nicht oder kurz gestillt wird. Zum Glück. Aber auch bei uns gibt es einiges, das das lange Stillen sinnvoll machen kann. Die erste Voraussetzung ist dafür, dass es beide, Mutter und Kind, wollen. Nur dann kann die Stillzeit mit einem Kleinkind eine schöne Zeit sein. Hört das Kind auf, an der Brust zu trinken, ist es eh vorbei. Kein Kind trinkt gegen seinen Willen an der Brust. Möchte die Mutter die Stillzeit beenden, ist das auch ihre Entscheidung, die genauso zu respektieren ist. Wollen beide, steht einer langen Stillzeit nichts entgegen, denn nur sie geht es etwas an.

Vier lang gestillte Kinder

Ich habe vier Kinder, durch die ich die Vorteile vom langen Stillen erfahren habe. Ich hatte nie den Anspruch, länger zu stillen, aber auch nie den Vorsatz, nach einer bestimmten Zeit abzustillen. Das hat sich einfach ergeben, wenn wie bei mir Abstillen kein von der Mutter bewusst eingeleiteter Prozeß im Babyalter ist.

Über gesundheitliche Vorteile vom Stillen über das erste Lebensjahr hinaus, die oft erwähnt werden, will ich hier nicht sprechen. Auch nicht über den Widersinn, Kleinkinder mit Kuhmilch zu ernähren, anstatt ihnen einfach weiter Muttermilch zugeben. Stattdessen möchte ich über Aspekte sprechen, die selten erwähnt werden, aber genauso wichtig sind und die wahrscheinlich jede Mutter kennt, die lange stillt.

Es ist lustig

Ja, richtig, es ist manchmal unglaublich lustig, ein stillendes Kleinkind zu haben. Fangen Kinder an zu sprechen, entwickeln sie auch eine eigene Sprache für das Stillen. Die Stillsprache ist bei jedem Kind einzigartig. Allein die Bezeichnungen für die Brust sind sehr kreativ. Meine ältere Tochter hatte mal gehört, wie sich Erwachsene zuprosteten. Prost, fand sie, klingt doch fast wie Brust. Seitdem rief sie laut, wenn sie stillen wollte: „ Brrrruuust.“, das Prost der Erwachsenen imitierend. Ich hätte es 1000 mal hören können, es zauberte mir jedes Mal ein Lächeln auf die Lippen. Ein anderes Mal fragte ich sie, wie die Milch eigentlich schmecke. „Lecker,“ meinte sie und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, „manchmal schmeckt sie wie Honig und manchmal wie Marmelade.“

Meine Jüngste sagt gerne genießerisch: „Mjam, mjam, Brusti, mjam, mjam, Brusti, jetzt.“ Da hat wahrscheinlich jede Mutter, die lange stillt, ihre eigenen Geschichten zu.

Eine der schönsten Geschichten hatte ich mit ihr erlebt, als wir auf Reisen waren. Ich saß mit meiner damals 3jährigen Tochter und meinem 6jährigem Sohn im vollbesetzten Regionalzug auf einer langen Sitzbank. Töchterchen unterhielt mit ihrem Charme alle Reisegäste. Mit einem strahlenden Lächeln verkündete sie: „Ich bin schon 3 Jahre alt…“ kurze Pause, in der sie sich vergewisserte, dass sie die Aufmerksamkeit aller hatte, “ aber ich trinke immer noch an der Brust.“ Sie strahlte weiterhin, betretene Gesichter der anderen Reisenden, die nicht wussten, was sie sagen sollten. Stillen über das Babyalter hinaus ist ein Tabu, an dem meine Kleine gerade gerüttelt hatte.

 Reisemedizin

Stille ich über die Babyzeit hinaus, ist ein weiterer Vorteil für mich und mein Kind beim Reisen. Wir reisen gerne, auch außerhalb Europas. Als wir in Ägypten waren, hatten wir alle mit Magen-Darm-Geschichten zu kämpfen – außer mein damals 1 ½ Jähriger, der einfach mal wieder für eine Weile fast voll gestillt wurde. Instinktiv wollte er es so, denn das Essen war ihm zu fremd. So kamen wir gut durch den Urlaub. Ähnlich war es mit meiner Jüngsten in Thailand. Es ist beruhigend, beim Reisen mit Kleinkindern ein super Getränk dabei zu haben, was sie immer zu sich nehmen, auch wenn sie sich mal nicht so gut fühlen.

Stillen – die perfekte Einschlafhilfe

Solange meine Kinder gestillt wurden, ist das Schlafengehen sehr unkompliziert. Das In-den-Schlaf-Stillen habe ich deswegen immer am längsten beibehalten, einfach weil es für uns beide sehr entspannend und verbindend am Ende eines aufregenden Tages war. Es ist auch ein Vorurteil, dass Kinder, die zum Einschlafen gestillt werden, nachts nicht durchschlafen. Meine Kinder haben alle irgendwann nachts durchgeschlafen, unabhängig davon, ob sie abends noch gestillt wurden. Und auch nicht gestillte Kleinkinder wachen nachts auf. Über meinen Weg zu stillfreien Nächten werde ich in einem anderen Artikel mehr schreiben.

Auch das morgendliche Stillen behalte ich lange bei, weil es mir als Morgenmuffel einfach entgegenkommt, mit meinem kleinen Wirbelwind gemütlich in den Tag zu starten.

 Momente der Innigkeit

Kinder jenseits des Babyalters sind unglaublich agil – schneller, höher, weiter, ist ihre Devise und wir können mit ihrer rasanten Entwicklung kaum Schritt halten. Die Zeit mit kleinen Kindern vergeht so schnell, dass ich froh über die Momente der Innigkeit bin, die ich beim Stillen mit meinem Kleinkind teile. Intensiver Körperkontakt und eine Zeit, die nur uns gehört. Das stärkt immer wieder die Bindung – gerade, wenn der Alltag mit einem kleinen Wirbelwind mal etwas heftiger ist.

 Tranquilizer bei kleinen OPs

Sind die kleinen Menschen erst mal mobil, dann kommt es schnell mal zu Verletzungen. Ein Splitter muß entfernt oder eine Wunde desinfiziert werden. Kinder hassen das oft, wehren sich dagegen. Außer beim Stillen; da ist die Toleranz gegenüber solchen Maßnahmen unglaublich groß. Brust und gut ist. Ich möchte nicht zählen, wieviel Splitter mein Mann den Kindern gezogen hat, während sie gestillt wurden.

Meine Kinder länger als nur während der Babyzeit zu stillen, ist etwas, was mein Leben mit meinen Kindern sehr bereichert hat. Ich hatte es mir nie konkret vorgenommen, sondern es hat sich entwickelt, miteinander. Jedes Kind hat auch eine eigene Persönlichkeit, die auch beim Stillen zu Tage tritt. Es gibt fordernde, entspannte und auch zurückhaltende Stillkinder. Deswegen gestaltet sich auch jede Stillbeziehung einmalig und entwickelt sich weiter, bis sie irgendwann endet. Im besten Fall zu einem Zeitpunkt, an dem beide dazu bereit sind. Dagmar Gericke

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